Von news.de-Redakteurin Katharina Peter - 01.05.2009, 00.00 Uhr

Bachblütentherapie: 38 Schwingungen für eine harmonische Seele

Die Bachblütenessenzen haben keine Wirkstoffe, die Therapie beruhe auf Placebo-Effekt und ziele zudem nur auf Geldmacherei ab, sagen die Kritiker. Die Bachblütenverfechter halten ganz einfach dagegen: Die Therapie funktioniert. Und zwar bei Millionen von Menschen.

70 Prozent aller Bachblütenanhänger schwören vor allem auf die Notfalltropfen. Bild: news.de

«Ich wende seit über 30 Jahren die Bach-Blütentherapie an und kann sie mir aus meiner Praxis einfach nicht mehr wegdenken», sagt Irmgard Wenzel. Die Heilpraktikerin und stellvertretende Vorsitzende des Berufs- und Fachverbandes Freie Heilpraktiker gehörte zu den ersten, die in Deutschland die vom Engländer Edward Bach (1886 bis 1936) ins Leben gerufene Blütentherapie einsetzten. Sie sei immer wieder erstaunt über die durchschlagenden Wirkung der Tropfen.

Die Therapie beruht auf der Überzeugung, dass Pflanzen ihre ganz eigenen Kräfte und Schwingungsmuster haben, die Auswirkungen auf den Menschen haben können. Werden sie gezielt über die Blütenessenzen eingesetzt, können sie negative Potenziale minimieren und sich auf seelische Zustände positiv auswirken. «Bach hat 38 Seelenzustände beschrieben und ihnen Blüten zugeordnet», so Irmgard Wenzel. Zu den negativen Zuständen oder Disharmonien zählen neben Wut, Angst, Panik, mangelndem Selbstbewusstsein, Leichtsinn und Selbstverdammung auch Besserwisserei, Realitätsflucht, Ordnungsdrang, Schicksalsgroll oder Hartherzigkeit.

«Alles hat Schwingungsmuster», erklärt Wenzel. Bach habe gezielt durch Selbstversuche Blüten ausgewählt, deren Schwingungsmuster mit den Seelenzuständen einhergehen. Die Blüten könnten nur zu bestimmten Tageszeiten bei sonnigem Wetter gepflückt werden, weil sie dann ihren idealen Blühzustand erreichen und die Sonne notwendig zur Essenzherstellung sei. Bei der Hälfte der Gewinnung werden die Blüten gleich nach dem Pflücken in klares Quellwasser in die Sonne gelegt, sodass die Schwingungen auf die Trägersubstanz übergehen können.

Bei den anderen 19 Blütensorten wird die Kochmethode angewandt. Die Blüten werden in leicht köchelndes Wasser gelegt und geben so ihre Schwingungsmuster ab. Anschließend wird die Essenz verdünnt und mit Alkohol – meist Brandy – konserviert.

Den Vorwurf, dass die Blütenessenzen nur einen Placebo-Effekt hätten, weil es keine Wirkstoffe gibt, weist Wenzel ganz entschieden zurück. Würde die Ursache für ein Leiden richtig diagnostiziert, dann hätten die Tropfen auch dann erstaunliche Wirkung gezeigt, wenn die Patienten zuvor nicht auf diesen Aspekt hingewiesen wurden. Auch bei Babys, Kleinkindern und Tieren hätten die Tropfen Erstaunliches bewirkt.

Wer Ahnung von den Bachblüten habe und nicht blind seinem eigenen Seelenzustand gegenüber ist, der könne sich durchaus auch im Eigenversuch selbst therapieren, ist Wenzel überzeugt. Zumal Bachblüten keine schädlichen Nebenwirkungen hätten. Doch seien Gespräche zwischen Therapeut und Patient ratsam, um nachhaltige Erfolge zu erzielen.

Einer ihrer ersten durchschlagenden Erfolge sei die Therapie mit einem Mann gewesen, der etwa zwei Meter groß war und an Magenschmerzen litt, erinnert sich Wenzel. Mit keinem Ansatz sei sie vorangekommen, erzählt sie. Erst als sie ihn nach einem Bild aus seiner Jugend fragte und dort statt «dem stattlichen Bären von einem Mann» einen dünnen unterentwickelten Jungen sah, fiel der Groschen. «Weil er immer gehänselt wurde, habe er mit Bodybuildung angefangen», so Wenzel. Ein mangelndes Selbstbewusstsein habe sie zuvor nicht hinter seinem Leiden vermutet. Sie gab ihm zwei Tropfen. «Da brach dieser Hüne auf einmal in meiner Praxis in sich zusammen und weinte wie ein kleines Kind», erzählt Wenzel. Die Magenschmerzen waren danach kein großes Problem mehr. Auch die Herzrhythmusstörungen eines anderen Patienten hatten sich nach erfolgreicher Ursachenforschung und Behandlung wesentlich verbessert.

Die Studienergebnisse und warum Bachblütenexperten davon nichts halten

«Der Körper und die Seele stehen in ständiger Wechselwirkung zueinander», sagt Mechthild Scheffer, Gründerin des Instituts für Bach-Blütentherapie. Das Institut ist deutschlandweit das einzige, dass die Therapie am «bachgerechtesten» betreibt, wie Scheffer betont. Auch bietet sie dort ständig Fortbildungen an, damit die Bachblütentherapie im Sinne Bachs richtig angewandt wird. Die Therapie bestehe zu 50 Prozent aus Bewusstseinsarbeit, ähnlich der Psychotherapie, und zu 50 Prozent aus den richtigen Blütenessenzen. Da Krankheiten immer erst als letztes Glied in einer Kette von Disharmonien der Seele stehen, könnten Leiden abgeschwächt oder auch geheilt werden, wenn Patient und Therapeut die Ursache finden.

Wenzel kann die Zweifel und die Kritik an der Therapie zwar nachvollziehen, glaubt aber, dass sich diejenigen, die die Methode in Misskredit bringen, noch nie damit therapieren lassen oder sich ernsthaft damit auseinander gesetzt haben. Studien haben zu Rückschlüssen geführt, dass die Tropfen nur einen Placeboeffekt aufweisen. Denn die Essenzen enthalten keinerlei nachweisbare Wirkstoffe. Stiftung Warentest hatte anschließend die Bachblütentherapie als ungeeignet eingestuft, um Krankheiten zu behandeln.

Doch Scheffer hält nicht viel von den Untersuchungen. Zur Therapie gehöre gründliche Bewusstseinsarbeit, die in den Studien vernachlässigt wurde. «Die Studien sind unter falschen Bedingungen geführt worden», sagt sie. Auch gebe es inzwischen Methoden die Wirkungen der Essenzen nachzuweisen. «Aber das kostet sehr viel Geld», so Scheffer. Und das sei derzeit noch keiner bereit zu investieren. Dennoch sei sie sicher, dass sich auch die Schulmedizin nicht mehr lange vor Ansätzen wie der Bachblütentherapie verschließen kann. «Noch vor Jahren wurde die Psychotherapie verlacht, so wie auch Bach belächelt wird», sagt sie. «Heute weiß man, dass man Körper und Psyche gemeinsam betrachten muss.»

Immer wieder würden viele Missverständnisse den Umgang mit der Therapie bestimmen. «Ich werde immer mal wieder gefragt, welche Blüte denn gegen etwa Hämorrhoiden helfen würde», erzählt Scheffer. «Aber so funktioniert das nicht.» Die Bachblütentherapie könne nur bei den Ursachen, aber nicht den Krankheiten ansetzen. Und die Ursachen könnten bei jedem unterschiedlich sein. «Wir sind schließlich sehr vielschichtig», gibt Scheffer zu bedenken. Deshalb sieht sie die Nutzung der Blütenenergie vor allem als begleitende Therapie und würde die Schulmedizin damit nicht ersetzen wollen. «Wer einen chirurgischen Eingriff braucht, dem würde ich nie nur Bachblüten geben», bekräftigt auch Wenzel.

Die in vielen Reformhäusern und Apotheken unter dem Label «Bachblüten» verkauften Notfallbonbons sehen die beiden Expertinnen sehr kritisch. «Ich habe die Wirksamkeit zwar nicht überprüft», sagt Wenzel, aber sie vermute hinter den Bonbons einen Placeboeffekt. Das Produkt habe nichts mit der Bachblütentherapie zu tun, sagt auch Scheffer. Solche Produkte, die nur auf einen Trend aufspringen, seien rufschädigend. Das Komplexmittel Rescue – auch lapidar als Notfalltropfen bezeichnet oder in Form von Creme erhältlich – sei dagegen ein Universalmittel, das in verschiedenen Formen von Stresssituationen - «wenn man aus dem Gleichgewicht geraten ist», wie Scheffer sagt - helfen kann. 70 Prozent aller Bachblütenpatienten therapieren sich ausschließlich mit Rescue, ist die Expertin überzeugt.

car

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