Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Früher waren es Rollschuhe, dann kamen die Inline Skates und jetzt sind es die Skikes: Die neue Trendsportart Nordic Skating erobert den Freizeitmarkt. Wer ihn ausprobiert hat, kommt angeblich nicht mehr los von dem Funsport mit hohem Fitnessfaktor.
Kersten Adler geht am Stock. Oder besser gesagt: Er rollt. Und es geht ihm gut dabei. Er steht auf einer Konstruktion aus zwei langen Schienen mit jeweils zwei Gummirädern, die ein wenig an die guten alten Rollschuhe erinnern, und hält in den Händen zwei Stöcke. Damit stößt er sich ab, während er mit den Gestellen an seinen Füßen dahingleitet wie ein Schlittschuhläufer.
Nordic Skating nennt sich dieser Sport, der sich hierzulande immer mehr durchsetzt. Manche sprechen auch von Skiken, Nordic Blading oder Cross Skating. Ganz gleich, welche Bezeichnung man wählt: Vorläufer waren Rollskimodelle, die es bereits Ende der 1920er Jahre zu kaufen gab. Sie wurden entwickelt, damit Skilangläufer ihren geliebten Sport auch im Sommer ausüben konnten.
«Am Anfang kostet es ein bisschen Überwindung, auf den Skikes zu stehen», sagt Kersten Adler, der in Leipzig und Halle unter anderem Nordic-Skating-Kurse gibt. Mit Skikes - eine Zusammensetzung aus den englischen Wörtern «Skate» und «Bike» - meint der Fachmann die mit Rädern versehenen Schienen, die mittels Klettbändern schnell und haltbar am Straßen- oder Sportschuh befestigt werden.
Sie wirken klobig, aber das ist eine Täuschung. Denn Skikes wiegen nur je ein Kilo und sind damit nicht schwerer als Inline Skates, und mit ihrer zweifachen Bremse (an jedem Schuh eine), die durch Gewichtsverlagerung betätigt wird, sind sie leichter zu dirigieren. Dennoch rät Adler allen Anfängern, einen Einstiegskursus zu machen, um die Techniken richtig zu erlernen.
Am besten umschreiben lässt sich Skiken als eine Mischung aus Skaten wie beim Skilanglauf, weil auch hier Stöcke eingesetzt werden, und Biken, weil die luftgepolsterten Sportgeräte über Bremsen verfügen. Erfunden wurden sie von dem Österreicher Otto Eder, der ein Skating-Produkt für unwegsames Gelände fabrizieren wollte. Für den schwungvollen Lauf über Geröll, Felder und auch bergauf waren zwei Dinge elementar: Um die Gelenke zu schonen und sanfter über Land zu holpern, mussten die Reifen mit Luft gefüllt sein. Und für mehr Antrieb und optimale Körperhaltung wurden den Skikes spezielle Stöcke zur Seite gestellt.
Skiken kann man überall da, wo man auch Fahrrad fahren kann. «Auf Asphalt, Kopfsteinpflaster, sandigen oder geschotterten Feldwegen», zählt Adler die Möglichkeiten auf. Sogar querfeldein kann man rollen, was neben den Bremsen ein klarer Vorteil gegenüber Inline Skaten ist. Ein weiterer Vorteil: Durch die längere Schiene der Skikes und die beiden Stöcke haben die Fahrer einen weitaus sicheren Stand. «Die Sturzgefahr ist deutlich geringer als beim Inline Skaten», sagt Adler.
Um auf Skikes über Land rollen zu können, muss man allerdings zuerst wichtige Grundlagen erlernen: die spezielle Kniehaltung, die weiten Gleitschritte, die Bewegung der Arme, der richtige Stockeinsatz und der Blick in die Ferne - nicht auf den Boden - sind wichtige Kniffe des ersten Trainings auf Skikes, das sich im Grunde für jeden eignet, auch für Sportanfänger.
Wer regelmäßig Skiken geht, hat nach Ansicht von Adler mehr vom Leben. «Denn der Sport trainiert optimal die Ausdauer und zugleich die Kraft», sagt der 31-jährige Leipziger. Für ihn ist Nordic Skating ein Funsport mit hohem Fitnessfaktor. Mehr als 90 Prozent der Körpermuskulatur werden beansprucht und es werden mehr Kalorien verbrannt als beim Skaten ohne Stöcke. Da Knie-, Hüft- und Sprunggelenke nur wenig belastet werden, ist Nordic Skating auch ideal für Übergewichtige. Zugleich schult es die Balance, die Koordination und Beweglichkeit. Und der Armeinsatz stärkt die Rücken- und Schultermuskulatur und löst Verspannungen.
Allerdings gibt es einen Haken: Die Ausrüstung ist nicht gerade günstig. Allein die Skikes kosten 200 bis 270 Euro. «Aber», so Kersten Adler, «die Anschaffung lohnt sich, denn Skiken kann man das ganze Jahr über. Und das Wichtigste: Es macht einfach Spaß.» Auch den Spaziergängern, die interessiert stehen bleiben, wenn der Sportler an ihnen vorbeigleitet. «Das ist ganz normal», sagt der 31-Jährige. Denn noch steckt die Trendsportart in den Kinderschuhen.
Informationen über Nordic Skating: www.nordic-skating.net, www.skike.de, www.nordic.powerslide.de, www.nordic4x4.com.
mac/news.de
Nur zur INFO: Skikes haben je 2 Luftgefüllte Räder, das macht in der Summe 4 und nicht 8!
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