Sa., 26.05.12

Schwerhörigkeit 29.04.2009 Junge Menschen und die tauben Ohren

Schwerhörigkeit bei jungen Menschen steigt dramatisch (Foto)
Zu laute Musik in Discos gilt als einer der Hauptgründe für Schwerhörigkeit bei jungen Menschen. Bild: dpa

Dauerbeschallung über Kopfhörer, dröhnende Musik in der Disco - Ohren kommen bereits in jungen Jahren nur selten zur Ruhe. Experten machen auf die geräuschgestresste Jugend aufmerksam, die immer häufiger zu Hörgeräten greifen muss.

Die Zahl schwerhöriger Kinder und Jugendlicher in Deutschland hat dramatisch zugenommen. Im vergangenen Jahr wurde 580 bei der Krankenkasse DAK versicherten Patienten unter 18 Jahren ein Hörgerät verschrieben.

Das sei im Vergleich zu 2005 ein Anstieg um 38 Prozent, teilte die Krankenkasse in Hamburg mit. Fast jeder vierte Jugendliche in Deutschland habe inzwischen einen nicht heilbaren Hörschaden. «In Zukunft werden immer mehr Kinder und Jugendliche unter einer bleibenden Hörschädigung leiden», sagte der Ohrenarzt und DAK-Experte Gernot Hermanussen zum heutigen Tag gegen Lärm. Viele junge Menschen wüssten nicht, dass ein geschädigtes Hörvermögen nicht heilbar ist.

Als Hauptursache für Schwerhörigkeit bei jungen Menschen gilt zu laute Musik bei Discobesuchen, Popkonzerten und die Dauerbeschallung über Minikopfhörer. Besonders tückisch sei, dass Musiktöne angenehmer wahrgenommen werden als Baustellen- oder Verkehrslärm. «Wer jahrelang Musik mit Schalldruckpegeln über 100 Dezibel hört, schädigt die feinen Haarzellen im Innenohr so stark, dass am Ende eine bleibende Hörschädigung daraus wird», sagte Hermanussen.

Lärm in Form von brüllenden Gleichaltrigen oder geräuschvollem Spielzeug führt dagegen bei Kindern zwar nicht gleich zur Schwerhörigkeit, doch die Dauerbeschallung bedeutet für den Nachwuchs oft enormen Stress. Eltern sollten daher für ihre Sprösslinge zu Hause eine Ruheinsel schaffen, raten Experten.

Auch auf ihr eigenes Hörverhalten sollten Eltern achten: Schließlich könne stundenlange Musik auch ihnen auf die Nerven gehen, erklären der Gemeinde-Unfallversicherungsverband Hannover und die Landesunfallkasse Niedersachsen. Bereits etwa jedes dritte Kind habe bei der Einschulung keine altersgemäße Hörwahrnehmung mehr, hätten Untersuchungen ergeben. Lärmgestresste Jungen und Mädchen seien häufig nervös und aggressiv. Sie blieben in ihrer Sprachentwicklung und Konzentrationsfähigkeit häufig hinter denen zurück, die daheim ihre Ruhe haben dürfen.

kat/ruk
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