Von news.de-Redakteurin Katharina Peter
Trotz aller bisherigen Warnungen, Kaffee sei ungesund, haben sich die Deutschen ihr Lieblingsgetränk nicht vermiesen lassen. Neuste Studien geben den Kaffeefans recht. Denn das Getränk enthält viele Wirkstoffe, die positiv wirken.
Wer seinen Lebenswandel gesünder gestalten will, dem wird meist geraten, Alkoholkonsum auf ein Minimum zu reduzieren, viel Obst und Gemüse zu essen, mit dem Rauchen aufzuhören – und nur wenig oder sogar gar keinen Kaffee zu trinken. Immer wieder wurde das beliebteste Getränk der Deutschen als Krankmacher verteufelt, der den Herzinfarkt zur Folge habe, bei Diabetes doch eher hinderlich sei, zu Fehlgeburten führe und sogar Krebs hervorrufen könne. Außerdem sei das braune Gebräu ein Wasserräuber und trockne den Kaffeetrinker ganz langsam aus.
Doch seit ein paar Jahren macht sich eine Trendwende mit zahlreichen Studien an der Kaffeefront breit. So wird angepriesen, das Bohnengetränk könne Diabetes sogar vorbeugen, Alzheimer vermindern, Hautkrebs stoppen, Gicht heilen und außerdem das Asthmarisiko senken.
Antje Gahl, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), steht dieser Umkehr aber sehr gespalten gegenüber. «Die Dosis macht das Gift», warnt die Expertin. So sei es zwar erfreulich, dass immer mehr Studien sich mit Kaffee beschäftigen. Schließlich hätten durch die Verteufelung und das Generalverbot des Getränks in der Vergangenheit disziplinierte Kaffeeabstinenzler unnötig an Lebensqualität eingebüßt. Doch die bisherigen Ergebnisse der zahlreichen Positivstudien seien mit Vorsicht zu genießen. Sie würden zwar einige Vorurteile relativieren, aber nicht zwangsläufig und vor allem nicht für jeden widerlegen.
Die Wirkung des Getränks sei individuell für die Konsumenten völlig verschieden, sodass pauschal kein Freifahrtschein für unbekümmerten Kaffeegenuss ausgegeben werden könne. Ein normal gesunder Mensch könne aber durchschnittlich ruhig drei bis vier Tassen üblichen Filterkaffee trinken, so Gahl.
Entscheidend sei der Koffein-Gehalt, der von Kaffeesorte, Stärke und Brühart abhänge. Gerechnet werden etwa 80 Milligramm Koffein pro Filterkaffeetasse. Ein Espresso habe dagegen rund 50 Milligramm. Genießt man die Koffeinbombe mit viel Milch, schwächt das zwar die Wirkung nicht ab, macht das Getränk aber wegen seiner positiven Auswirkung auf den Kalzium-Haushalt etwa gesünder.
Kaffee richtet bei einer Schwangerschaft Schaden an
Das Generalverbot von Kaffee während der Schwangerschaft oder Stillzeit, sei hinfällig, sagt Gahl. Es konnte bisher kein Zusammenhang zwischen Koffein und der Entwicklung des Fötus oder dem Gesundheitszustands der werdenden Mutter nachgewiesen werden. «Ein bis zwei Tassen Kaffee am Tag sind auch mit Babybauch völlig okay», so Gahl. Doch übertreiben sollte man es auch nicht. «Der Zusammenhang zwischen Koffein und einem verstärkten Fehlgeburtenrisiko ist noch nicht vollständig geklärt.»
Kaffee macht süchtig
Wenn jemand sehr viel Kaffee, etwa zwei Kannen täglich, über einen längeren Zeitraum trinkt, dann tritt ein Gewöhnungseffekt ein. Das habe zwar keinen direkten Einfluss auf den Konsumenten, erzeuge aber ein Suchtgefühl. «Das ist aber eher psychosomatischer Natur und nicht mit Nikotin, Alkohol oder harten Drogen vergleichbar», sagt Gahl. Aber Untersuchungen hätten ergeben, wurde der Koffeinkonsum ausgesetzt, erlebten die Probanden Entzugserscheinungen wie etwa Kopfschmerzen oder Angstzustände.
Kaffee fördert Krebs
«Der Einfluss von Kaffee auf verschiedene Krebsarten ist sehr, sehr schwierig», sagt die DGE-Sprecherin. Denn einerseits gilt Koffein als Hemmstoff, der verhindert, dass Reparaturenzyme geschädigte DNA wieder in Stand setzen. Dadurch könnte der Kranksheitsverlauf verstärkt werden. Aber, so gibt Antje Gahl zu bedenken, Kaffee enthält AntioxidantienAntioxidantien sind Substanzen, die den Verderb von Lebensmittelbestandteilen durch Oxidation verhindern oder verzögern. Sie sind unter anderem in Kohl, Brokkoli, Tee und Kaffee enthalten. Da die Antioxidantien das Wachstum und die Entwicklung vieler Zellen regulieren, können sie womöglich auch die Krebsentstehung hemmen.
, die gefährliche freie RadikaleFreie Radikale sind Sauerstoffverbindungen, die im Körper gebildet werden. Diese Moleküle attakieren und schädigen unsere Zellen, indem sie die Zellmembran angreifen, Eiweißstrukturen zerstören oder sogar die Erbsubstanz verändern.
unschädlich machen und damit Krebs entgegen wirken. Auch habe Kaffee für den Darmtrakt eine anregende Wirkung und könne damit positiv Darmkrebs entgegenwirken.
Kaffee ist ein Wasserräuber und trocknet den Körper aus
Es sei zwar richtig, dass Kaffee eine harntreibende Wirkung habe und damit der Gang zur Toilette häufiger nötig ist. Aber dennoch kann das Tässchen Kaffee für den Wasserhaushalt angerechnet werden, beruhigt Gahl. Mindestens eineinhalb bis zwei Liter sollte jeder Mensch pro Tag an Wasser über Getränke aufnehmen. Bisher galt, dass pro Tasse Kaffee mindestens die gleiche Menge an Wasser, Saft oder einem anderen Getränk zusätzlich getrunken werden müsse, da Kaffee nicht nur nicht als Getränk zähle, sondern Wasser entziehe. Das sei so aber nicht richtig. «Gerade bei älteren Menschen, die kaum noch was trinken, sind wir über jede Tasse Kaffee glücklich, die sie zum Nachmittagskuchen genießen», sagt die DGE-Sprecher. Als Durstlöscher sollte Kaffee aber möglichst nicht verwendet werden.
Kaffee macht wach
Zwar blockiert Koffein den Müdemacher Adenosin und regt die Durchblutung des Gehirns an, aber wirklich wach macht das Getränk nicht. So kann eine Tasse Kaffee sogar in den ersten 15 Minuten nach dem Trinken schlaffördernd sein. Hat man dieses Zeitfenster allerdings verpasst, dann wirkt er anregend. Gefährlich sei dabei, dass etwa erschöpfte Autofahrer sich auf die Wirkung des Koffeins verlassen und sich vorgaukeln lassen, sie seien wach genug, um ihre Fahrt trotz Übermüdung fortzusetzen, befürchtet Gahl. Das sieht das Deutsche Grüne Kreuz ganz anders: «Kaffee, genauer Koffein, kann beim Autofahren einen wichtigen Beitrag für mehr Sicherheit leisten», heißt es in einer Infobroschüre über die Wirkungen des beliebten Getränks.
Kaffee macht nervös
Kaffee hat den Ruf, nervös zu machen. Dabei kann das Getränk, egal in welchen Mengen konsumiert, eine psychische Nervosität nicht hervorbringen. Aber da die Muskel angeregt werden, kann der Eindruck von innerer Unruhe entstehen.