Atemnot, schon bei kleinsten körperlichen Anstrengungen, trockener Dauerhusten, Wasser in den Beinen? Dies sind Anzeichen, die für eine Herzschwäche, die Herzinsuffizienz, sprechen. Sie ist eine der häufigsten Erkrankungen weltweit - und beschäftigt Spezialisten bei der Jahrestagung der Kardiologen in Mannheim.
Menschen mit einer chronischen Herzschwäche werden nach Angaben von Kardiologen in Deutschland unzureichend versorgt. «Der Patient mit einer Herzinsuffizienz fällt durchs Netz», sagte Professor Helmut Drexler aus Hannover. Die rund 1,6 Millionen Erkrankten hätten unter einer fehlenden Vernetzung von ambulanter und stationärer Betreuung zu leiden. Eine Verbesserung dieser Situation sei ein zentrales Anliegen der 75. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim, die von diesem Donnerstag bis Samstag dauert.
Wesentlichen Anteil an der Misere trägt laut Tagungspräsident Drexler die Abrechnungspraxis in Deutschland. «Unser Gesundheitssystem belohnt keine engmaschige Betreuung des Patienten», erklärte er. «Der Versuch, VorhofflimmernVorhofflimmern ist eine spezielle Herzrhythmusstörung. Es kommt zu sehr rasch aufeinander folgenden, nicht geordneten Impulsen vom Vorhof an die Herzkammer. Praktisch schlagen Vorhof und Kammer unabhängig voneinander und in unterschiedlicher Geschwindigkeit. zu beseitigen, ist dem Gesundheitswesen sehr viel wert. Auch eine Bypass-OP Eine Bypass-Operation ersetzt bei einer bestehenden koronaren Herzkrankheit schadhafte Stellen an den Herzkranzgefäßen durch eine künstliche Umgehung. Sie dient der Beseitigung von Angina pectoris und der Vorbeugung eines Herzinfarktes. Ihr Ziel ist eine möglichst vollständige Wiederherstellung der Herzdurchblutung. bringt Geld.» Das Interesse an einem angemessenen Management, um Klinikaufenthalte bei einer Herzschwäche zu vermeiden, dagegen sei gering.
«Hier wollen wir als Gesellschaft ansetzen», betonte der Kardiologe. «Die verschiedenen Mediziner, Politik, Krankenhäuser und Kassen müssen an einem Strang ziehen. Bislang vertreten alle nur ihre Einzelinteressen.» In Skandinavien gebe es beispielsweise eine intensive und finanziell leistbare Betreuung durch Krankenschwestern.
Ergänzt werden könne ein derartiges System durch moderne Technik. So werde derzeit in Deutschland an 1000 Patienten der Einsatz spezieller Sensoren erprobt. «Getragen wird er von Patienten, die ohnehin einen Schrittmacher haben. Das Gerät informiert, sobald Wasser in die Lunge geht», erklärte der Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie an der Medizinische Hochschule Hannover.
Forschungsarbeit wie diese sei neben der medizinischen Betreuung unabdingbar. «Während in den vergangenen 20 Jahren große Fortschritte gemacht wurden, ist inzwischen ein erheblicher Stillstand eingetreten», meinte Drexler. Dies müsse sich ändern. Erforderlich seien eine bessere finanzielle Unterstützung und die Errichtung eines Deutschen Herzforschungszentrums nach Vorbild des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg.
Ein wichtiger Ansatz ist laut Drexler die Stammzell-Forschung. «Langfristig ist das die Richtung.» Es werde aber noch viele Jahre dauern, bis eine Therapie mit Hilfe von Stammzellen erreicht sei. «Das ist wie mit dem Fliegen. Das hat auch gebraucht», meinte er. «So lange müssen wir versuchen, die vorhandenen Möglichkeiten ausschöpfen und zu optimieren.»
Während der Jahrestagung wird der Tübinger Medizin-Professor Christian Herdeg mit dem mit 5000 Euro dotierten Andreas-Grüntzig-Preis ausgezeichnet. Er hat eine Methode entwickelt, die tausende Patienten mit einer Herzgefäßverengungen vor einer schweren Operation bewahren soll. Herdeg sprüht verengte Herzgefäße von innen mit einem Medikament ein, bevor er ein kleines Gitterröhrchen, einen sogenannten Stent, einsetzt. Durch das Medikament werde das Risiko einer erneuten Gefäßverengung verringert - eine schwere Bypass-OP könne so häufig verhindert werden, teilte die Universitätsklinik Tübingen mit.
Die neue Methode helfe vor allem Patienten, bei denen sich die Herzgefäße immer wieder verengen. Auch an Stellen, wo Stents bislang nicht eingesetzt werden konnten - etwa an Verästelungen der Gefäße - berge die Methode neue Chancen. «Für unsere Patienten ist das eine wirkliche Verbesserung», sagte Herdeg. Die Ärzte weiten die verengten Herzgefäße zunächst mit einem speziellen Ballon und sprühen sie anschließend von innen mit dem Medikament Paclitaxel ein. Es greift in das Zellskelett ein und sorgt dadurch für die langanhaltende Stabilisierung des Gefäßes. Das Verfahren werde derzeit weltweit nur an der Tübinger Universitätsklinik angewendet.
Herzgefäßverengungen zählen zu den häufigsten Krankheiten in den Industrieländern. Patienten leiden unter Brustschmerzen und Atemnot. Im schlimmsten Fall kann es zu einem lebensgefährlichen Herzinfarkt kommen.
car/ruk