Für viele Ehepaare ist das erste Kind die Krönung ihrer Liebe. Doch weit gefehlt: Eine Studie zeigt jetzt, dass neun von zehn Ehen unter dem Nachwuchs leiden. Das ist nach Meinung von Psychologen aber kein Grund, auf Kinder zu verzichten. Denn aus Eheglück könne auf Dauer auch Familienglück werden.
Der Himmel hängt voller Geigen, alles ist perfekt, als Krönung der Liebe fehlt nur noch ein gemeinsames Kind. Das Glücksgefühl bei der Geburt ist unbeschreiblich. Getrübt wird es lediglich durch die schlaflosen Nächte, die auf die frisch gebackenen Eltern zukommen. Doch auch diese sind irgendwann überstanden und alle leben glücklich bis an ihr Lebensende. So oder ähnlich stellen sich Paare ihr zukünftiges Leben mit Kind vor. Bis man schließlich drin steckt: mitten im Alltag - und zwar nicht mehr nur als Paar, sondern als Mama und Papa.
Im Gegensatz zu der Erwartung, ein Kind vervollständige die Liebe, zeigt eine Untersuchung von US-Psychologen jetzt: Die Geburt des ersten Kindes beeinträchtigt die Qualität einer Partnerschaft. «Auch bei kinderlosen Paaren lässt die Qualität der Ehe mit der Zeit nach», sagt der Psychologe Scott Stanley von der Universität Denver im US-Bundesstaat Colorada. «Aber ein Baby beschleunigt diesen Niedergang, insbesondere in der Umstellungsphase kurz nach der Geburt des Kindes.»
Stanley befragte insgesamt 218 Paare mit und ohne Kinder über den Zeitraum von acht Jahren zum Zustand ihrer Beziehung. 90 Prozent der Eltern berichteten, die Partnerschaft habe nach der Geburt des ersten Kindes gelitten. Väter und Mütter teilten diesen Eindruck in ähnlichem Maße. Die einmal eingetretene Verschlechterung hielt in den meisten Fällen während der gesamten Dauer der Studie an. Bei manchen Paaren stärkte allerdings der Nachwuchs die Ehequalität. Dies galt vor allem für jene Partner, die vorher schon länger verheiratet waren oder die ein höheres Einkommen hatten.
Stanley warnt vor der Schlussfolgerung, Nachwuchs trübe grundsätzlich die Lebensfreude. «Auch wenn mancher Glanz des Eheglücks während dieser Lebensphase für eine Weile verschwindet, kann eine Familie eine neue Dimension der Freude und Zufriedenheit erschließen. Dieses Glück kann kraftvoll sein, war aber nicht Gegenstand der Untersuchung.»
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