Von Melanie Brandl
Cellulite ist für Frauen ein rotes Tuch und Schreckgespenst. Selbst junge, schlanke Frauen leiden unter den hässlichen Dellen. Eine Fülle von Produkten verspricht Hilfe im Kampf gegen die Orangenhaut. Dabei wirken Sport und gesunde Ernährung viel besser.
«Die Veranlagung dazu, Cellulite zu entwickeln, haben alle Frauen», erklärt der Hautfacharzt Christoph Liebich. «Jede kann sie bekommen - die eine mehr, die andere weniger.» Eine Ungerechtigkeit der Natur: Denn Männer bleiben in der Regel verschont. Der Grund dafür liegt in der Struktur des Bindegewebes. Denn: Die Haut einer Frau ist dehnbarer und hat in der Unterschicht mehr Fettzellen eingelagert. Außerdem sind die Kollagenfasern des weiblichen Bindegewebes parallel zueinander und senkrecht zur Haut angeordnet - und nicht, wie bei den Männern, netzartig verwoben und schräg.
Fettzellen können sich so an den Kollagenfasern vorbeizwängen und die unschönen Dellen an der Oberfläche erzeugen. Wird also das Bindegewebe schwächer, während gleichzeitig Fettzellen wachsen, entsteht Cellulite. Dagegen lässt sich etwas tun: «Viel Bewegung, richtige Ernährung mit viel Obst und Gemüse, schnell abbaubaren Kohlenhydraten, wenig Fett und ausreichend Flüssigkeit sind die effektivsten Maßnahmen gegen Cellulite», sagt die Hautärztin Anne Hundgeburth.
Drei Ziele würden dadurch erreicht: Die Gewebedurchblutung verbessert sich, es werden weniger Schlackestoffe eingelagert, und die Fettzellen schrumpfen. «Sport hilft außerdem, die muskuläre Struktur im Untergrund zu straffen», fügt Liebich hinzu. «Wenn nicht alles schlaff und untrainiert herunterhängt, wirken Bein und Po optisch gleich viel besser.»
Weil Training und eine eiserne Essdisziplin anstrengend sind, lockt die Kosmetikindustrie mit einem großen Angebot an Cremes und Gels, die versprechen, Cellulite zu verhindern. Die Palette ist vielfältig: Mal sollen Koffein und Meeresalgen die «Mikrozirkulation» der Haut unterstützen. Mal winken Birkenblätter, Öle und Mäusedorn als Wundermittel gegen Flüssigkeitsstau im Gewebe. Andere Pflegeserien wollen die Durchblutung verbessern oder die Vermehrung der Fettzellen stoppen. Die angebliche Wirkung: Die Silhouette wird im Schlaf gestrafft.
Grundsätzlich setzen diese Produkte zwar da an, wo auch in jeder Cellulitetherapie der Fokus liegt. Experten bezweifeln dennoch ihre Wirksamkeit: «Bisher hat man in keinem Test eine Creme gefunden, die wirklich hilft», sagt Hanne Vedder von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. «Wer glaubt, er bekommt seine Cellulite wieder weg, nur weil er solche Produkte anwendet, unterliegt einem Irrtum.»
Die Ärzte verweisen darauf, dass Cremes, Gels und Öle nicht tief genug in die Haut eindringen: «Wenn überhaupt, wird eine Durchblutungssteigerung in den oberen Hautschichten erzeugt», sagt Hundgeburth. Zu den Fettzellen in die Unterhaut gelangten solche Wirkstoffe in der Regel aber nicht: «Der Erfolg bleibt also aus.»
Wichtiger als die Creme selbst sei der Massageeffekt, der beim Aufbringen erzeugt wird, sagt Liebich. «Das regt die Durchblutung und damit auch den lymphatischen Abfluss an.» Auch werden Schlackestoffe werden abtransportiert und weniger Wasser eingelagert. «Das ist wichtig, um Cellulite zumindest einzudämmen.» Es schade nicht, der Haut ausreichend Feuchtigkeit zuzuführen und sie mit Wirkstoffen wie Fruchtsäuren oder Vitamin A - auch Retinol genannt - zu pflegen, sagt Vedder. Dafür brauche es aber keine teure Cellulitecreme.
kat/car