«Inneren Schweinehunde gibt's nicht»
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Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Artikel vom 07.04.2009
Viele Hobbysportler wundern sich, dass Motivation und Freude am Sport auf der Strecke bleiben. Ex-Langstreckenläufer Thomas Wessinghage kennt Tricks gegen den Trainingsfrust und spricht mit news.de über Muskelkater und Schweinehunde.
Herr Wessinghage, Sie haben gerade ein Buch über Sportverletzungen veröffentlicht. Welche Sportarten haben das höchste Risiko für Verletzungen?
Wessinghage: Das hängt von der Betrachtungsweise ab. Es gib interessante Untersuchungen, beispielsweise aus Neuengland, bei der so unverdächtige Sportarten wie Golf und Bowling besonders verletzungs- beziehungsweise sogar todesfallträchtig sind. Allein aufgrund der Tatsache, dass sehr viele Menschen in Amerika diese Sportart betreiben und dass dabei gewisse Zwischenfälle wie etwa ein Herzinfarkt rein statistisch gesehen häufiger passieren. Aber in der Regel passieren die meisten Verletzungen bei den sogenannten Kontaktsportarten, die bisweilen Kampfsportarten gleichen: Fußball, Handball oder Eishockey.
Gibt es Sportarten, die Sie als besonders körperschonend empfehlen würden?
Wessinghage: Körperschonend sind die sanften Ausdauersportarten wie Spazierengehen, Wandern, Walking oder Nordic Walking. Joggen, Radfahren und Skilanglaufen gehören auch dazu, sind jedoch mit einem geringen Restrisiko verbunden. Aber dieses Risiko ist absolut kalkulierbar und steht in einem vernünftigen Verhältnis zum Benefit, den der Sporttreibende aus diesen Sportarten bezieht.
Jedes Jahr verletzen sich gut zwei Millionen Menschen beim Freizeitsport, hat eine Krankenkasse kürzlich gemeldet. Welche Fehler machen Hobbysportler?
Wessinghage: Meist überfordern Sie sich selbst. Hobbyläufer zum Beispiel haben zwar eine sehr sinnvolle und gesunde Sportart gewählt, haben manchmal aber das Problem, dass Soll- und Ist-Wert ein bisschen auseinanderklaffen. Das heißt, sie möchten gerne fitter sein als sie es zu einem bestimmten Zeitpunkt sind. Und insofern muten sie sich vielleicht etwas zu viel zu. Sie laufen zu schnell und zu lang und vielleicht laufen sie ohne die richtige Vorbereitung und zu häufig. Die größten Probleme entstehen also nicht aufgrund von Eigenschaften, die die Sportart mit sich bringt, sondern aufgrund von Eigenschaften, die der Sportler mit sich bringt.
Welche Warnsignale des Körpers sollten Hobbyläufer beachten?
Wessinghage: Es gibt eine Vielzahl von Warnsignalen, die man wahrnehmen kann. Man muss sie nur wahrnehmen. Wenn ich beim Laufen das Gefühl habe, das Tempo ist zu hoch, ich bin kurzatmig, ich kann mich mit meinem Partner nicht mehr flüssig unterhalten, dann sollte ich diesen Signalen Rechnung tragen und das Tempo etwas reduzieren, vielleicht eine Gehpause einlegen und nicht wie es häufig geschieht, noch ein bisschen mehr Ehrgeiz auspacken und noch ein bisschen mehr an mein eigenes Durchhaltevermögen appellieren und diese Symptome herunterspielen.
Waren Sie während Ihrer sportlichen Laufbahn geplagt von Verletzungen?
Wessinghage: Ja, aber immer nur dann, wenn ich etwas anderes als laufen gemacht habe. Zum Beispiel wenn ich Fußball oder Basketball gespielt habe oder wenn ich unvorsichtigerweise mit offenen Taschen in der rechten und linken Hand eine Treppe hinabgegangen und mit dem Absatz hängen geblieben bin. Laufbezogene Verletzungen - Zerrungen oder Muskelfaserrisse - hatte ich dagegen fast nie.
Sie waren in den 1970er und 1980er Jahren 22 Mal Deutscher Meister, wurden 1982 in Athen Europameister über 5000 Meter, halten immer noch deutsche Rekorde - vermissen Sie diese Zeit?
Wessinghage: Es ist eine wunderschöne Zeit gewesen, eine sehr aufregende Zeit, aber natürlich auch eine sehr anstrengende und belastende Zeit. Ich habe 20 Jahre lang Leistungssport betrieben, ich habe mich 20 Jahre lang den Belastungen regelmäßiger Wettkämpfe ausgesetzt und bin rund 50 Rennen im Jahr gelaufen. Heute genieße ich es durchaus, diese Belastungen nicht mehr zu haben. Schließlich bin ich Mitte 50, und da kann man ganz gut auch ohne regelmäßigen Wettkampfsport leben. Ich bin heute immer noch sportlich aktiv, ich laufe nur nicht mehr so schnell wie damals.
Wie oft laufen Sie heute noch? Und wo?
Wessinghage: Natürlich hier am Tegernsee oder im Wald - der See ist ja in ein wunderschönes Waldgebiet eingebettet. Auch heute Nachmittag werde ich von hier loslaufen und bin dann nach wenigen Metern in einem parkähnlichen Gelände und im Wald. Das mache ich etwa fünf Mal in der Woche.
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