Mo., 13.02.12
Veganes Leben

Kleine Vegetarier Wenn Kinder sich vor Fleisch ekeln

Von Walter Willems

Artikel vom 07.04.2009

Oft zum Entsetzen ihrer Fleisch essenden Eltern verzichten immer mehr Kinder auf Schnitzel, Steak und Sonntagsbraten. Kein Grund zur Panik, denn eine vegetarische Ernährung wirkt sich nach Meinung von Experten auch bei Kindern positiv auf die Gesundheit aus, wenn einige Regeln beachtet werden.

Der Entschluss fiel beim Surfen im Internet. Eigentlich wollte Nicole Nightingale sich über das Leben von Hühnern informieren. Als die 14-Jährige dann im Internetportal YouTube in allen Einzelheiten sah, wie die Tiere geschlachtet werden, stand ihre Entscheidung fest: Fortan werde sie kein Fleisch mehr essen, teilte sie den völlig verdutzten Eltern mit.

Ihre Geschichte sei typisch für jugendliche Vegetarier, glaubt das Mädchen aus Safety Harbor im US-Staat Florida. «Immer mehr Kinder nutzen das Internet», sagt die Achtklässlerin. «Sie sind neugierig und wollen herausfinden, wer sie sind.» Zwar können die drastischen Filmaufnahmen, die jedes Kind auf YouTube abrufen kann, ein sensibles Gemüt tief schockieren. Aber wie vielen Jugendlichen solche Videos tatsächlich dauerhaft den Appetit auf Fleisch verderben, ist nicht bekannt.

In den USA ernähren sich insgesamt fast 370.000 Heranwachsende in den USA fleischlos, wie eine Studie der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDCP ergab. Dies entspricht zwar nur einem halben Prozent der Bevölkerung unter 18 Jahren, aber bei Jugendlichen liegt der Anteil um das Vier- bis Sechsfache höher. Für Deutschland kam die bundesweite KiGGS-Studie - eine Studie des Robert-Koch-Instituts zum Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahren - zu ähnlichen Resultaten. Demnach ernähren sich rund drei Prozent der deutschen Jugendlichen fleischlos, wobei der Anteil bei den Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren sogar sechs Prozent übersteigt.

Zumindest in den USA gehen Beobachter davon aus, dass die Zahl der jungen Vegetarier steigt. Der Grund dafür ist - im Gegensatz zu vielen Erwachsenen - weniger der Blick auf die Gesundheit oder das Körpergewicht als vielmehr die Sorge um das Wohl der Tiere. «Mitgefühl ist der allerwichtigste Faktor», sagt Richard Schwartz, Präsident der Jüdischen Vegetarier von Nordamerika. «Wenn Kinder herausfinden, dass das, was sie essen, einmal lebende Tiere waren, und wenn sie dann noch ein Haustier haben, ekeln sie sich vor Fleisch.»

Hierzulande registriert der Vegetarierbund Deutschland eine Zunahme der vegetarischen Ernährung. Ob auch immer mehr Heranwachsende Tofu statt Schnitzel und Käse statt Wurst bevorzugen, weiß allerdings niemand.

Mathilde Kersting vom Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung hat keine Bedenken, wenn Kinder auf Fleisch verzichten - so lange sie auf andere tierische Lebensmittel wie Käse, Milch und Eier zurückgreifen. «Eltern sollten die Ruhe bewahren», sagt die Ernährungswissenschaftlerin. «Allerdings müssen Vegetarier besser auf eine ausgewogene Kost achten.»

Dies gelte insbesondere für Kleinkinder sowie für Mädchen nach dem Einsetzen der ersten Regelblutung. «Das größte Problem ist die Eisenzufuhr», erläutert Kersting. Fleisch enthalte viel Eisen, das der Organismus leicht verwerten kann. Zwar steckt das Spurenelement auch reichlich etwa in Hülsenfrüchten oder Vollkornprodukten. Aber Eisen aus pflanzlicher Quelle kann der Körper schlechter aufnehmen. «Deshalb sollte man eisenreiche pflanzliche Produkte in Kombination mit Vitamin C essen», sagt Kersting. «Das unterstützt die Eisenabsorption.» Anders ausgedrückt: Vegetarier sollten zum Vollkornbrot oder -müsli ein Glas Orangensaft trinken. Koffein drosselt dagegen die Eisenausbeute des Organismus.

Generell dürfte es Ernährungsforscher sogar freuen, wenn Kinder und Jugendliche sich beim Fleischverzehr zurückhalten. Denn bei ihnen beklagt der Ernährungsbericht 2008 eine «suboptimale Lebensmittelauswahl». Demnach konsumieren Heranwachsende zu viel fettreiche tierische Produkte und zu wenig pflanzliche Lebensmittel, insbesondere Gemüse, konstatiert der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung herausgegebene Bericht.

«Wir empfehlen grundsätzlich, sich stärker pflanzlich zu ernähren und tierische Lebensmittel nur in mäßigen Mengen zu konsumieren», rät Kersting. Eine solche Kost sei nicht nur kalorienärmer, sondern beuge auch gegen spätere Beschwerden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Krebs vor.

Insbesondere appelliert die Expertin an die Vorbildfunktion von Vater und Mutter: «Eltern prägen die Ernährungsgewohnheiten ihrer Kinder.» Dass familiäre Einflüsse mitunter auch in umgekehrter Richtung erfolgen, zeigt die weitere Geschichte von Nicole Nightingale: Anfangs missbilligte ihre Mutter die Entscheidung der Tochter. Inzwischen ist sie selbst Vegetarierin.

car/kat
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Leserkommentare (4)
  • Kommentar: 4
  • 01.02.2012 12:41
von
Christine Dumbsky

Ich habe das mal versucht in Worte zu fassen und da ein Bild mehr als 1000 Worte sagt, habe ich als Künstlerin versucht das bildlich darzustellen. Die Form des Comcics macht das ganze vielleicht zugänglicher siehe: ++++++++++++ http://www.mausebaeren.com/veggie.html +++++++++++++ Falls man eine Erklärung braucht – und das ist immer wieder nötig, kann man das wohl genauso weitergeben. Also nutzt diesen Link, wenn Euch selbst die Worte fehlen. Viele Grüße, Christine

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  • Kommentar: 3
  • 06.06.2011 12:42
von
Carolin

Eisenmangel ist bei ausgewogener Ernährung bei Veganern und Omnivoren ausgeschlossen. Veganer müssen auch nicht mehr auf ihre Ernährung achten, da sie sowieso schon sehr gesund leben. Schwachsinniger Artikel.

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  • Kommentar: 2
  • 19.12.2010 02:49
von
julia haydn
Antwort auf Kommentar 1

der artikel ist schrott.die wissenschaft ist sich weltweit einig dass milchprodukte mindestens genauso ungesund sind wie fleisch

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  • Kommentar: 1
  • 04.09.2010 17:22
von
Antonietta

In Deutschland verursacht die Fleischproduktion jährlich das Leiden von mehr als 450 Millionen Tieren und bringt sowohl Menschen wie auch die Umwelt in Gefahr. Ohne Fleisch lebt man länger und gesünder ! Vegetarier erleiden seltener Herzinfarkte als Fleischesser und haben im Vergleich ein um 40% geringeres Darmkrebsrisiko. Der übermäßige Fett- und Proteingehalt des Fleisches steht auch mit anderen Krebsarten sowie mit Fettsucht und Schlaganfall in Zusammenhang.

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