Sa., 26.05.12

Altenpflegeheime 30.03.2009 «Die Leute werden einfach ruhiggestellt»

Im Altenheim ruhiggestellt (Foto)
In Altenheimen wird oft zu Beruhigungsmittel gegriffen, anstatt die Bewohner wieder auf die Beine zu kriegen. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Katharina Peter

Pflegebedürftige, die im Heim ihren Lebensabend verbringen, haben kaum Zugang zu Fachärzten. Auch werden schneller Medikamente zum Ruhigstellen verabreicht, als Menschen, die durch ambulante Pflege in ihrem eigenen Zuhause leben können.

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Das hat die Studie von Rolf Müller und seinem Team vom Zentrum für Sozialpolitik an der Universität Bremen ergeben. Um sich ein Bild machen zu können, habe man sich die Routinedaten von Krankenkassen angesehen, berichtete Müller und stellte die Ergebnisse beim Kongress «Pflegebedürftig in der Gesundheitsgesellschaft» in Halle an der Saale vor.

Betrachtet wurden alte Menschen mit Krankheiten wie etwa DemenzBei einer Demenz verlieren die Betroffenen vor allem ihr Kurzzeitgedächtnis. Aber auch das gesamte Denkvermögen, die Sprache und die Motorik sowie in einigen Formen sogar die Persönlichkeitsstruktur können in Mitleidenschaft gezogen werden. Die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit. , Schizophrenie, ParkinsonDie Parkinson-Krankheit ist eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung. Die Hauptsymptome bestehen in Muskelstarre, Muskelzittern und verlangsamten Bewegungen. Ausgelöst wird die Krankheit durch das Absterben von Zellen in einer Struktur des Mittelhirns, das den Botenstoff Dopamin herstellt. , Schlaganfall oder Herzinfarkte, die entweder in einem Altenpflegeheim oder im eigenen Zuhause ambulant gepflegt wurden. Dabei stellte sich heraus, dass bei Heimbewohnern nicht nur der Anteil von Demenzkranken besonders hoch, sondern auch, dass der Gesundheitszustand bei den stationär betreuten Hochbetagten wesentlich schlecher ist. Damit einher gehe natürlich dann auch ein höherer Bedarf an Pflege und medizinischer Betreuung, so Müller.

«Heimbewohner wurden in jedem Quartal des Jahres von einem Allgemeinmediziner betreut», so Müller. Wie häufig und welche Art von Behandlungen stattgefunden hätten, lasse sich aus den Zahlen aber nicht ablesen, erklärte Müller. Denn der Patient tauche nur einmal pro Quartal als abgerechnet auf.

Bei Krankheiten wie Parkinson oder auch Schizophrenie gelte die Richtlinie, dass Patienten mindestens einmal im Quartal einen Psychiater oder Neurologen aufsuchen sollten. Doch Heimbewohner wurden durchschnittlich nur 2,5 Mal pro Jahr von einem Fachmann betreut. «Das ist einfach zu wenig», betonte Müller.

Bei den Besuchen von Augenärzten und Orthopäden sehe die Situation noch schlechter aus. Während Heimbewohner im Schnitt ihre Augen nur 0,5 Mal im Jahr untersuchen lassen, nehmen sie den Rat eines Orthopäden sogar nur 0,2 Mal pro Jahr in Anspruch. Das sei deutlich weniger als bei Pflegebedürftigen, die ambulant betreut werden oder ältere Menschen, die noch keiner Pflege bedürfen. «Pflegebedürftige in Altenheimen können also besser gucken und können sich wunderbar bewegen?», fragte sich Müller scherzhaft.

Professor Gabriele Meyer von der Universität Witten vermutet hinter diesen Zahlen, dass Heimbewohner so viele gesundheitliche Probleme hätten, dass ein Besuch beim Augenarzt ganz hinten auf der Dringlichkeitsliste stehen könnte. Auch gibt sie zu bedenken, dass Fachärzte sich nur schwer für Hausbesuche und damit auch Besuche im Altenpflegeheim von ihren Praxen losreißen könnten. Damit sei die Betreuung nur schwer realisierbar. Zumal es vielen Heimbewohnern schwer falle, einen Facharztbesuch selbst in die Hand zu nehmen. Deshalb würden viele Belange vom Hausarzt abgedeckt.

Lesen Sie auf Seite 2, welche Medikamente in Altenpflegeheimen verabreicht werden

Gerade bei der Betreuung durch Orthopäden sieht Müller aber ein ganz anderes Problem: «Es steht doch immer wieder die Diskussion im Raum, wie sinnvoll eine Therapie überhaupt noch ab einem gewissen Alter und einem bestimmten Krankheitsgrad ist und inwieweit diese finanziell lukrativ ist.» Bei ambulant Betreuten liege der Schwerpunkt eher darin, die Senioren durch Therapie so selbstständig und mobil wie möglich zu bekommen, so der Sozialpolitik-Experte. Im Heim stünde dieses Ziel nicht im Mittelpunkt.

Diese These werde aber auch durch andere Ergebnisse aus der Studie unterstützt. So würden in Heimen viel mehr Psycholeptika und Sedativa verabreicht. «Die Leute werden einfach ruhig gestellt», klagt Müller an und fügte hinzu: «Die Menge an diesen Medikamenten ist einfach etwas zu viel.»

Dagegen würden Antidementiva nur sehr spärlich ausgegeben. «Es wird immer noch diskutiert, ob diese Medikamente überhaupt wirken», so Müller. «Auch legt man im Heim keinen Wert mehr darauf, dass der Patient wieder aktiviert wird.» Als positiv habe sich die medizinische und medikamentöse Versorgung von stationären Parkinson-Patienten erwiesen.

ruk
Leserkommentare (9) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Katharina
  • Kommentar 9
  • 26.01.2011 12:13
 

Hallo! Ja, es ist erschreckend wenn man es so liest... Ich bin ausgebildete Betreuerin für Menschen mit Demenz, habe mich bewusst für den Zweig entschieden, weil ich ältere Menschen verstehe und Ihren Lebensabend so leicht wie möglich gestalten will, bin sozusagen mit Leib und Seele dabei. Wollte nur sagen, dass es nicht in jedem Altenheim so schlimm zugeht, es gibt noch Personal das das Alter und die Lebenserfahrung der Menschen achtet und versteht.

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  • jane müller
  • Kommentar 8
  • 26.12.2010 13:55
 

diesen Bericht finde ich gut.meine Erfahrungen mit Seniorenheimen begannen im September diesen Jahres meine Mutti hatte einen Schlaganfall erst Krankenhaus 5 tage dann reha nach 21tagen ins Seniorenpflegeheim was ich da erlebt habe kann man garnicht so beschreiben es ging vollkommen über meine Kraft ich hatte ja keine Ahnung nach drei Monaten wechselten wir in ein anderes Pflegeheim kaum zu glauben es ist auch nicht anders obwohl mir anderes versprochen wurde. meine Schwester und ich können nicht mehr schlafen was sollen wir tun.bekommt man irgendwo Hilfe. jane

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  • karmela ceko
  • Kommentar 7
  • 19.08.2010 16:15
 

ich wiell helfen altem leute,ich bin krankenschwester und wen hat jemand wer kan mir helfen arbeit suchen ich bin von croatien,schones grus

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  • Octo8
  • Kommentar 6
  • 15.08.2010 23:28
 

Ja natürlich taucht der Name Patient nur 1x pro Quartal beim Allgemeinmediziner auf. Für und in der Abrechnung. Das heisst nur nicht: Das der prakt. Arzt den Pat. überhaupt einmal pro Quartal gesehen hat - vielleicht wurde auch nur ein Rezept ausgestellt - abgerechnet jedoch eine "allgemeine Gesamtuntersuchung"! Da ist SCHWEIGEN ...wenn nicht gerade Knochenbrüche oder fliessendes Blut kommt kein Arzt weder der Praktiker noch ein Facharzt. In dem Fall kommt der/d Patient/tin ggf. ins Krankenhaus. Die meisten Menschen ziehen sich im Umgang mit Verrückten in sich zurück mutlos und beleidigt.

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  • Kommentar 5
  • 31.03.2009 16:42
 Antwort auf Kommentar 4

Er lag im Krankenhaus und ich habe Ihn dort gefüttert und gewaschen. Er ließ keine Schwester an sich ran . Also ,ich erleichterte ihn das Sterben . Ich betreute ihn so zu sagen , daß er aß und auch sonst das er würdevoll sterben konnte .

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  • Kommentar 4
  • 31.03.2009 16:29
 Antwort auf Kommentar 1

Ich meine die Begleitung in den Tod .Da habe ich mich ver tan . Entschuldigung .Ich habe meinen Vater gewaschen und gefüttert . Ist verkehrt ausgedrückt von mir .

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  • Kommentar 3
  • 31.03.2009 11:04
 Antwort auf Kommentar 2

niemand braucht für sterbehilfe eine ausbildung. die ist nämlich verboten, jedenfalls die aktive und in deutschland.

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  • Kommentar 2
  • 30.03.2009 20:42
 

Na , ich hoffe nur , daß ich mal etwas netteres Pflegepersonal bekomme . Will keine Sonderstellung , aber etwas menschlich betreut werden . Die Medikamente zur Ruhigstellung , na die würde ich ausspucken wieder oder gleich verweigern . Sie werden immerhin auch von mir bezahlt ,das Plegepersonal .Wenn ich so etwas lese bin ich entsetzt . Manche studieren so etwas auch noch und handeln dann so .Ich habe Sterbehilfe bei meinem Vater geleistet ,ich brauchte da keine Ausbildung dazu . Es war von mir eine Selbstverstänlichkeit .

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  • Kommentar 1
  • 30.03.2009 19:26
 

Traurig ,aber wahr . Die haben doch alle eine Ausbildung !Manche haben es sogar studiert und den Dr.- Titel erworben ..Wie können die Menschen,die so handeln ,dies mit Ihrem Gewissen vereinbaren .Die pflegen , die werden doch auch einmal alt !Ich sehe es so , da wird das Alter nicht geachtet.Ich hatte schon in jungen Jahren Achtung vor einem alten Menschen.

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