Zukunft der Altenpflege

Umdenken statt immer mehr Heime

Von news.de-Redakteurin Katharina Peter

Die Gesellschaft wird älter, der Nachwuchs spärlicher. Damit nicht irgendwann alle Alten- und Pflegeheime aus den Nähten platzen, müssen sich Politik, Medizin und Pflegedienste vorbereiten. Doch die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen.

Die Zahl der Menschen mit dauerhafter Pflegebedürftigkeit und chronischen Krankheiten nimmt immer mehr zu. Mit dieser Herausforderung hat sich der Kongress «Pflegebedürftig in der Gesundheitsgesellschaft» in Halle an der Saale an diesem Wochenende auseinandergesetzt. Dem erwarteten Anstieg von Pflegebedürftigen sei nicht mit dem verstärkten Bau von neuen Pflegeanlagen die Stirn zu bieten.

Dennoch werden weiterhin in Deutschland, Schweiz und Österreich zahlreiche Bauaufträge entwickelt und andere Optionen ignoriert. Das könne aber nicht die Lösung darstellen. Stattdessen müssten verschiedene Strategien der Langzeitbetreuung im Alter entwickelt werden, waren sich die Kongressbesucher einig.

Noch vor einigen Jahren sei der Forschungsbereich Pflegewissenschaften ein Exot an den Universitäten gewesen, betonte Gabriele Hausdorf, Leiterin des Referats für Gesundheitsforschung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. In den vergangenen zehn Jahren habe sich aber im Zuge der Diskussion rund um den demografischen Wandel eine massive Veränderung vollzogen. Seit 2004 wurden fast zehn Millionen Euro in diesen Bereich gesteckt.

Hausdorf gab zu bedenken, dass die Forschung und Erhebung von Studien zwar wichtige Grundlage seien, um neue und fundierte Konzepte zu schaffen. Doch man müsse nun Sorge tragen, dass die Ergebnisse «auch an den Menschen kommen». Denn, so Hausdorf: «Forschung ist erst dann etwas wert, wenn sie einzelnen Menschen nutzt.»

Sachsen-Anhalts Kultusminister Professor Jan-Hendrik Olbertz, der selbst das Fach Pflegewissenschaften unterrichtet hat, stellte klar, dass es sich bei der Pflege nicht um eine Dienstleistung, wie etwa beim Friseur, handle und deshalb gründliche Forschung im Vorfeld betrieben werden müsse. «Menschen, die Pflege in Anspruch nehmen, sind in Not», so Olbertz.

Nicht nur die Tatsache, dass die Bevölkerung immer älter werde und damit wahrscheinlich immer mehr Menschen im Alter pflegebedürftig werden könnten, setze Politik und Forschung unter Druck, frühzeitig zu handeln. «Im Jahr 2025 werden wir ein Durchschnittsalter von 50 Jahren haben», sagte Olbertz. Derzeit seien es noch 39 Jahre. Auch hätten sich die sozialen Strukturen so sehr verändert, dass die Familie oder auch Nachbarschaftshilfe als erstes Netzwerk für die Pflege in vielen Fällen nicht mehr vorhanden seien. «Wir müssen dann dafür Sorge tragen, dass diese Menschen ihren Lebensabend in Würde begehen können», sagte Olbertz.

Man wisse heute noch nicht, ob der größere Anteil von alten Menschen wirklich auch mehr Pflegebedürftige bedeuten werde. «Werden diese zusätzlichen Jahre gesunde oder kranke Jahre?», fragte Dr. Lucy Bayer-Oglesby vom Schweizerischen Gesundheitsobservatorium vom Bundesamt für Statistik.

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Leserkommentare (3)
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  • Kommentar: 3
  • 01.04.2009 20:32
von
Antwort auf Kommentar 2

Was ich heute gesehen habe im Bus , na dies wollte ich erst nicht glauben . Ein Mann 102 Jahre alt ,hier in der Südstadt , geistig sehr rege und er stieg aus und lief ohne Stock . Sein Gesicht sah zwar alt aus , aber 102 Jahre so sah er nicht aus . Na , ich habe gestaunt .

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  • Kommentar: 2
  • 30.03.2009 10:18
von

Die gegenwärtige Entwicklung zeigt, dass die zusätzliche Lebenserwartung vor allem mehr gesunde Jahre bringt. Dass wir älter werden, als frühere Generationen - dass wir also Lebenszeit gewinnen - ist doch sehr positiv. Dass pflegebedürftige Menschen jeden Alters mit Würde behandelt werden, dafür muss die Gesundheitspolitik die Rahmenbedingungen schaffen. Ich möchte es einmal so formulieren: Die Würde des Menschen wird nicht am Hindukusch, sondern am Bett Chronischkranker und Sterbender verteidigt.

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  • Kommentar: 1
  • 29.03.2009 12:16
von

Na , solange ich kann möchte ich in meiner Wohnung und Umgebung bleiben . Aber zur Last möchte ich keinen fallen .Erst wenn es gar nicht mehr geht , dann gehe ich in ein Altersheim .Ein Glück , daß wir eventuell älter werden können . Na was meinen Sie wie mich dies freut . Ich ärgere da doch die Rentenkasse .Vielleicht gibt es dann mehr häusliche Pflegstationen , dies würde ich begrüßen .Altersheim wirklich nur zum Schluß , wenn garnichts mehr geht .

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