Sa., 26.05.12

Mediziner klagen 28.03.2009 Schmerzpatienten sind ungeliebte Versicherte

 (Foto)
Chronische Kopfschmerzen beeinträchtigen die Lebensqualität. Bild: ddp

Ärzte haben den Gesundheitsfonds als ein Hindernis bei der Therapie chronisch Kranker bezeichnet. Schmerzpatienten seien ungeliebte, weil teure Versicherte, kritisiert die Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie.

Der Gesundheitsfonds teile Krankenkassen mit vielen kranken Versicherten mehr Geld zu. «In der Liste der 80 Erkrankungen, die den Finanzfluss der Kassen steigern, ist chronischer Schmerz aber nicht aufgeführt», erläuterte Gerhard Müller-Schwefe auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt am Main.

Als Allgemeinmediziner erhalte er neben 35 Euro pro Patient und Quartal lediglich 15 Euro Aufschlag für die Schmerzbehandlung. Das Erstgespräch, das wegen des komplexen Krankheitsbildes allein anderthalb Stunden in Anspruch nähme, schlage aber schon mit 110 Euro zu Buche. Die Behandlung von Schmerzpatienten lasse sich, wenn überhaupt, nur noch mit Querfinanzierung aufrechterhalten, so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie (DGS).

In der Schmerztherapie selbst seien aber viele Erfolge erzielt worden, sagte die Präsidentin der Deutschen Schmerzliga, Marianne Koch. Chronischer Schmerz habe noch vor 25 Jahren als Schicksal gegolten, heute sei die Krankheit weitgehend anerkannt. Die Behandlung sei wesentlich differenzierter als früher, Ärzte, Physiotherapeuten und Psychologen würden Hand in Hand arbeiten.
Studium nicht praxisorientiert

Dass ein Großteil der 15 Millionen Schmerzpatienten in Deutschland dennoch gar nicht oder nicht ausreichend behandelt werde, habe neben den aktuellen Veränderungen im Gesundheitssystem hauptsächlich mit der mangelnden Ausbildung im Medizinstudium zu tun. «Die meisten jungen Ärzte lernen in ihrem Studium nichts über chronische Schmerzen», berichtete Koch. Dadurch vergehe für Patienten viel Zeit bis zur Diagnose, in der sich die Schmerzen regelrecht ins Nervensystem einbrennen würden. Durch das sogenannte Schmerzgedächtnis erzeugten dann selbst schwache Impulse heftige Schmerzen: Der Schmerz werde zur eigenständigen Krankheit, erklärte Koch.

Ein weiterer Kritikpunkt: Menschen mit chronischen Schmerzen erhalten nach Einschätzung von Therapeuten selten starke Medikamente. So bekämen nur 40 Prozent dieser Patienten lindernde Opioide. Die DGS stützt ihre Erkenntnis auf eine Umfrage unter 501 Experten aus 46 Ländern. Demnach halten Therapeuten den Einsatz vor allem bei Krebs und Nervenschmerzen sowie bei unheilbar kranken Menschen für wichtig. Allerdings bremsten gesetzlichen Hürden und kulturelle Unterschiede den Einsatz der Medikamente, zu denen auch Morphium gehört. Generell gebe es eine «Unterversorgung» mit Opioiden, bemängelte die Gesellschaft.

Die häufigste Schmerzkrankheit in Deutschland sind Rückenschmerzen. Allein diese Patienten kosten das Gesundheitssystem Angaben der DGS zufolge jedes Jahr 48,5 Milliarden Euro. Dreiviertel der Ausgaben seien Frühberentung und Arbeitsunfähigkeit geschuldet, Kosten für die medizinische Versorgung fielen dahinter zurück, beklagt Müller-Schwefe.

Die Behandlung Schmerzkranker war zentrales Thema des 20. Schmerz- und Palliativtages, der am Samstag in Frankfurt endete. Zum Abschluss des Kongresses erhielt der Würzburger Mediziner Günther Sprotte den Deutschen Schmerzpreis 2009. Sprotte bekomme die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für seine Therapieansätze, hieß es in einer Mitteilung. Der Wissenschaftler leitet das Schmerzzentrum der Universitätsklinik Würzburg.

car
Leserkommentare (5) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • miezele
  • Kommentar 5
  • 10.02.2011 19:02
 

Leute gebt nicht auf! Wechselt den Arzt!! Ihr seid krank! Wir bilden uns das nicht ein. Jeder von uns hätte doch wirklich besseres und schöneres zu tun als das!!!! LG Miez

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  • miezele
  • Kommentar 4
  • 10.02.2011 19:01
 

Auch mit hat es jetzt getroffen! Ich habe das Vertrauen zu Ärzten verloren. Keiner glaubte mir meine Schmerzen. Es hieß ich wäre zu empfindlich, die Schmerzen wären eben der Preis fürs Überleben der Sinusvenenthrombose, ich hätte einen Rentenwunsch, usw. Ein Rezept für Schmerztabletten, kommen sie in 3 Monaten wieder wenn es nicht besser ist! DAs waren die Reaktionen von Hausarzt und Neurologen. Erst jetzt fand ich den Mut und die Kraft die Ärzte zu wechseln. Mein neuer Neurologe lies mich gleich genauer untersuchen. Meine neue Hausärztin stellte die Diagnose Schmerzpatientin!!

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  • Jenni
  • Kommentar 3
  • 05.01.2010 14:04
 Antwort auf Kommentar 1

Mein Vater ist auch Schmerzpatient. Wenn sie das Gefühl haben, dass ihnen niemand glaubt...versuchen sie sich von ihrem Hausarzt in eine Schmerzklinik überweisen zu lassen. Dort wird ihren Schmerzen geglaubt....und ihnen vielleicht auch ein wenig geholfen.

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  • Harald Siebold
  • Kommentar 2
  • 27.12.2009 18:47
 Antwort auf Kommentar 1

hallo edith, ja das kenne ich. Man wird als Simulant behandelt. Aber nach meiner 2ten HWS-Op habe ich einen Arzt gefunden, welcher mir Opioide verordnet, um mein Leben erträglicher zu machen. Außerdem gibt es in den meisten Unikliniken Schmerzzentren, wo die Ärzte einem helfen. Wenden Sie sich doch dorthin um Hilfe zu erfahren. Ich wünsche Ihnen gute Besserung. herzliche Grüße Harald Siebold

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  • esdith gansbühler
  • Kommentar 1
  • 04.12.2009 14:26
 

ich laufe von artzt zu artzt,keiner kann mir helfen.täglich habe ich schmerzen ohne medikamente. ich denke mich nimmt niemand ernst1

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