So., 12.02.12
Wir fasten uns ran

24 Tage ohne Süßigkeiten Ich lebe noch

Von news.de-Redakteurin Mara Schneider

Artikel vom 20.03.2009

Mehr als drei Wochen verzichte ich nun schon auf all das, was mir bisher nachmittags am Computer oder abends vor dem Fernseher das Leben versüßt hat. Es gibt immer noch Situationen, in denen ich meine Mitmenschen neidisch beäuge. Aber im Großen und Ganzen gewöhne ich mich an meine mir selbst auferlegte Abstinenz.

Als ich neulich mit meiner Familie in Potsdam unterwegs war, da fiel es mir noch ganz schön schwer, mich an meine Fastenregeln zu halten. Da ich mir auch vorgenommen habe, auf Kuchen und Ähnliches zu verzichten, musste ich feststellen, dass es in manchen Situationen gar keine Alternative mehr gibt.

Nach einer endlos langen Besichtigungstour kehrten wir ziemlich ausgehungert für einen kleinen Nachmittagsimbiss im Holländischen Viertel ein – doch während sich meine Eltern beim nächsten Bäcker einfach ein Stückchen Kuchen holten, war für mich guter Rat teuer. Schokolade, Kuchen, Kekse oder Pfannkuchen gab es massenhaft. Doch das Einzige, was ich aus dem vielfältigen Angebot hätte wählen dürfen, wäre ein trockenes Brötchen gewesen. Also versuchte ich, meinen knurrenden Magen zu beruhigen und die neidischen Blicke auf die mit Streuselkuchen gefüllten Teller meiner Eltern auf ein Minimum zu begrenzen.

Zum wiederholten Male hatte ich mir mit meiner schlechten Organisation selbst ein Bein gestellt. Hätte ich beispielsweise einen Apfel oder eine Tomate dabei gehabt, wäre ich sogar voll im Trend gewesen. Einer Umfrage der GfK Marktforschung Nürnberg zufolge greifen nämlich 28,3 Prozent der Bevölkerung eher zu Obst oder Gemüse, um den kleinen Hunger zwischendurch zu besiegen. 21,9 Prozent der Befragten bevorzugen ein belegtes Brot. Kuchen oder Kekse wiederum sind nur noch bei 5,8 Prozent der Menschen erste Wahl. Befragt wurden 2150 Personen ab 14 Jahre.

Da es mir jedoch an schmackhaften Alternativen mangelte, wurde ich zu einem Mitglied jener Gruppe, die den Hunger zwischendurch einfach ignoriert. Das sind immerhin noch 3,1 Prozent. Und mittlerweile fahre ich mit dieser Methode ganz gut. Vorbei sind die Zeiten, als ich pünktlich zum Kaffeetrinken auszog, um mir beim Bäcker was Süßes zu holen – oder den Schokoriegel von daheim auspackte. Jetzt gibt es höchstens mal einen Joghurt oder abends vorm Fernseher ein paar Cornflakes mit Milch.

Und für den besonderen Kick probiere ich mich so nach und nach durch die exotische Abteilung im Obstregal. Nach Ananas und Pomelo – was zugegeben nicht mehr so ganz exotisch wirkt – habe ich entdeckt, dass frische Feigen zwar von außen wie angeschimmelt aussehen, innen aber eine Menge zu bieten haben. Und ich habe eine Tomate im Obstregal entdeckt. Tamarillo nennt sich die Frucht, die ein wenig nach Tomate schmeckt, aber einen obstigen Nachklang hat. Mit Zucker oder Salz bestreut ist sie sehr zu empfehlen.

Dennoch sehne ich mich nach dem letzten Fastentag und überlege schon jetzt, was ich mir zuerst gönnen werde. Eine große Tafel meiner Lieblingsschokolade? Einen selbst gebackenen Schokokuchen? Oder vielleicht doch einen Rieseneisbecher? Mal schauen – aber egal was es sein wird, ich werde es Stück für Stück genießen.

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