Von Nina C. Zimmermann
Kaum scheint im Frühling die Sonne, flitzen wieder Inlineskater über Rad- und Feldwege. Die einstige Trendsportart hat sich etabliert und ist unheimlich gesund. Bei dem Ausdauertraining mit Spaß wachsen die Bein- und Rumpfmuskeln und Kalorien werden auch verbrannt.
Neben dem gesunden Trainingseffekt sind die Bremskräfte beim Inlineskaten außerdem deutlich kleiner als beim Joggen. Das schont die Gelenke. «Durch die gleitende Bewegung gibt es wenig Stöße und wenige Richtungswechsel», erläutert Professor Thomas Horstmann von der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. Wer nicht gerade Herz-Kreislauf-Probleme oder ein künstliches Gelenk hat, könne daher auch in nicht mehr ganz jugendlichem Alter auf die Rollen steigen.
Grundsätzlich gilt beim Inlineskaten: Alle vier Rollen der Schuhe müssen gleichzeitig belastet werden und die Beine dürfen nie steif sein. «Von der Motorik her muss ich das Gefühl haben, den Skate hinter mir herzuziehen», erklärt Hans-Joachim Schlehufer vom Deutschen Rollsport und Inline Verband in Frankfurt am Main die Technik. Der Schwerpunkt dürfe nicht hinter der Mitte des Schuhs liegen. Die Arme pendeln locker, der Kopf bleibt gerade, der Blick geht weit voraus.
Gerade älteren Anfängern raten die Experten, sich die Grundlagen von einem Profi beibringen zu lassen. Neben der Frage, wie man überhaupt vorwärts kommt, geht es darum, bremsen zu können. Das Sicherheitsbedürfnis ist für die meisten Teilnehmer der Grund, weshalb sie einen seiner Kurse besuchen, sagt Dieter Bisch von der Volkshochschule Berlin-Treptow-Köpenick. «Ich muss in der Lage sein, anzuhalten. Sonst bauen sich Ängste beim Fahren auf.»
Um Einsteiger an die dem Schlittschuhlaufen ähnliche Skatebewegung zu gewöhnen, üben manche Lehrer mit ihnen zunächst auf einer Rasenfläche. Dort bestehe keine Gefahr, wegzurollen, so Schlehufer. Erst danach stehen Versuche auf einer asphaltierten Fläche wie einem leeren Parkplatz an.
«Die Leute verharren oft wie beim Skifahren zu sehr in der Rücklage», sagt Schlehufer. Anfänger stürzen typischerweise nach hinten, fallen auf den Steiß und schlagen oft mit dem Hinterkopf auf. Ein Helm ist daher unerlässlich. Auch Ellenbogen-, Handgelenk- und Knieschützer gehören zur Standardschutzausrüstung. Und um bei Einsteigern das Becken bei einem Aufprall zu schonen, hat Schlehufer stets zerschnittene Isomatten dabei: Die werden einfach hinten in die Hose gesteckt.
Bevor es auf große Fahrt geht, sollten sich alle Inlineskater warm machen, rät Sportmediziner Horstmann. Und nicht nur Anfänger, sondern auch Wiedereinsteiger sollten die erlernten Techniken vorher immer wieder nochmal üben. Denn wer sich einmal sicher auf den Skates fühlt, findet schnell Gefallen an der Geschwindigkeit.
Wer sich bei wärmeren Temperaturen auf den Rollen über den Asphalt schwingt, sollte auch Sonnenschutz und ausreichend Wasser im Skatergepäck verstauen. Erste-Hilfe-Material wie Pflaster, Kühlspray und Verbände seien ebenfalls sinnvoll, rät Schlehufer.
kat/hav