Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen - 20.03.2009, 01.59 Uhr

Bettgeschichten: Was die Schlafhaltung über den Charakter verrät

«Der Schlaf ist eine köstliche Erfindung», hat der Dichter Heinrich Heine einmal gesagt. Und weil Schlafen der schönste Zeitvertreib ist, gibt es den Weltschlaftag, an dem sich news.de allerlei Gedanken rund um Schlafstellungen und Bettkleidung macht.

Auf dem Bauch schlafen und das Kissen umklammern - das kann nur ein dünnhäutiger Zeitgenosse sein. Bild: ddp

Sage mir, wie du schläfst, und ich sage dir, wer du bist. Ob die bevorzugte Stellung eines Schlafenden oder eines schlafenden Paares mehr über Charakter und Beziehung verraten, ist eine Frage, die sich zwischen Wissenschaft und Unterhaltung bewegt. Einige amerikanische und britische Psychologen und Schlafforscher haben sich mit dieser Frage beschäftigt und sind tatsächlich auf Zusammenhänge gestoßen.

Wenn Pärchen im Bett liegen, sind den Wissenschaftlern zufolge meist vier Grundpositionen erkennbar, die bestimmten Beziehungsqualitäten zuzuordnen sind. Demnach gilt: Je umschlungener ein Paar einschläft, desto größer ist die Leidenschaft, aber nicht unbedingt die Liebe. Rücken die Partner im Schlaf etwas auseinander, bleiben aber in Körperkontakt oder sind einander zugewandt, gilt dies als Zeichen von Nähe und Wertschätzung des jeweils anderen. Je größer aber der Abstand wird, womöglich noch mit zugekehrtem Rücken, desto entfernter sind die Partner auch im übertragenen Sinn.

Auch die Singles bleiben nicht von der Schlafanalyse verschont. Wer gerne in der Fötus-Haltung schläft, also seitlich mit angezogenen Knien, soll besonders sensibel und gefühlsbetont, kreativ und praktisch veranlagt sein. Der Rückenschläfer ist das Gegenteil: eher selbstbewusst, manchmal selbstgefällig, häufig ein Einzelkind oder ein verwöhntes Nesthäkchen - und oft ein Schnarcher. Die Soldatenhaltung - auf dem Rücken mit angelegten Armen - lässt dagegen auf Reserviertheit und hohe Ansprüche zielen.

Ordentlich, korrekt und perfektionistischist der Bauchschläfer. Er lebt gerne in geregelten Verhältnissen, kann aber auch ein dünnhäutiger Zeitgenosse sein, wenn er auf dem Bauch liegt und das Kissen umklammert. Dem Seitenschläfer schließlich wird ein ausgeglichenes Gemüt und gesunder Menschenverstand attestiert. Wer noch dazu in der Klotz-Haltung schläft, also seitlich mit den Armen am Körper, gilt als gesellig und steht gerne im Mittelpunkt.

Wie die Deutschen am liebsten schlafen

Glaubt man diesen Folgerungen, dürfte die Mehrheit der Deutschen ausgeglichen und gesellig sein. Denn nach einer Umfrage, die das Marktforschungsinstitut TNS Emnid im Auftrag des Infoservice Erholsamer Schlaf zum Weltschlaftag durchführte, nannten 80 Prozent der Befragten die Seitenlage als angenehmste Schlafstellung. Die beliebteste Schlafkleidung ist mit 47 Prozent der Pyjama, der über Nachthemd und T-Shirt siegte. Befragt nach der Qualität des Schlafes gaben etwas mehr als ein Drittel aller Befragten und fast die Hälfte der über 50-Jährigen an, Schlafprobleme zu haben.

Auf die Frage, in welcher Umgebung sie am liebsten schlafen, antworteten 75 Prozent der insgesamt 1002 Frauen und Männer ab 14 Jahren, dass sie eine kühle Zimmertemperatur bevorzugen. Über die Hälfte der Deutschen gab sich als Frischluftfanatiker zu erkennen: 57 Prozent der Befragtenschlafen bei offenem Fenster. Das könnte vielleicht ein Grund dafür sein, dass nur fünf Prozent der Deutschen völlig unbekleidet schlummern.

Seitenschläfer hin, Pyjama her - wichtig für eine gute Nacht und das Wohlbefinden am nächsten Tag ist und wie erholsam der Schlaf ist. Dabei zählt nach schlafmedizinischen Erkenntnissen nicht unbedingt die Schlafdauer, sondern vor allem die Schlafqualität. In der Umfrage klagten 38 Prozent der befragten Deutschen über Probleme mit dem Schlaf, wobei 18 Prozent Einschlaf- und 29 Prozent
Durchschlafstörungen angaben. Elf Prozent aller Interviewten fühlen sich aufgrund ihres schlechten Schlafes am nächsten Tag nicht erholt. Der Anteil der Deutschen mit Schlafproblemen lag mit 47 Prozent besonders hoch bei den über 50-Jährigen.

Gerade in dieser Altersgruppe könnten die Schlafprobleme mit einer reduzierten Produktion des körpereigenen Schlafhormons Melatonin zusammenhängen. Es fungiert als Taktgeber der sogenannten inneren Uhr, die den Schlaf-Wach-Rhythmus regelt. Im Alter kann ein sinkender Melatoninspiegel die innere Uhr stören und Schlafprobleme auslösen.

«Zwischen 15 und 35 Prozent der Bevölkerung in westlichen Industrienationen leiden unter Ein- und Durchschlafstörungen beziehungsweise nicht erholsamen Schlaf», erklärt Professor Dr. Claudia Trenkwalder, Ärztliche Leiterin an der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel. Aufklärung über anhaltende Schlafstörungen und mögliche Folgen seien sehr wichtig, denn nicht erholsamer Schlaf könne nicht nur Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen, sondern auch seelische und körperliche Probleme nach sich ziehen, sagt Trenkwalder. Die Neurologin ist Mitglied des internationalen Komitees des Weltschlaftages 2009. Der Weltschlaftag wurde erstmals 2008 von der World Association of Sleep Medicine ins Leben gerufen.

Bleibt noch die Frage, warum wir eigentlich schlafen. Wissenschaftler sind dem Ende der 1980er Jahre mit einem ziemlich gemeinen Experiment nachgegangen: Sie setzten Ratten auf einen Drehteller über einem Wasserbecken. Sobald die Tiere einzuschlafen begannen, rotierte der Teller, so dass die Ratten laufen mussten, um nicht ins Wasser zu fallen und zu ertrinken. Nach zweieinhalb Wochen starben die Ratten. Schlaf ist offenbar lebensnotwendig.

hos/news.de

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