Frischgebackene Eltern Liebeskrise nach Babyglück

Liebeskrise nach dem Babyglück: Arbeit teilen (Foto)
Die erste Zeit mit einem Baby kann in Beziehungen von frischgebackenen Eltern Krisen auslösen. Bild: dpa

Von Bettina Levecke
Ein winziger Punkt auf dem Ultraschallfoto verändert alles: Wir werden Eltern. So glücklich Paare in die neue Zukunft mit Kind starten, so ernüchternd sieht nach der Geburt oft die Realität aus. Das kann so manche Beziehung auf eine harte Probe stellen.

Durchwachte Nächte, Brei und Fläschchen: Ein Baby stellt nicht nur das gewohnte Leben komplett auf den Kopf, auch in der Beziehung der frischgebackenen Eltern kann es nun gewaltig kriseln. Denn aus Mann und Frau werden Papa und Mama: Wie groß die Veränderung ist, ahnen besonders junge Paare nicht, sagt die Diplompsychologin Carin Cutner-Oscheja: «Viele haben keinerlei Vorstellung darüber, was auf sie zukommt.»

Grund für Streit und Liebesstress sind unerfüllte Erwartungen. Besonders Männer fühlen sich plötzlich ausgegrenzt. Neben der engen Mutter-Kind-Beziehung empfinden sie sich als das fünfte Rad am Wagen. «Manche haben das Gefühl, ihre Partnerin an das Kind verloren zu haben und sind massiv verletzt», sagt Paar-Coach Henning Matthaei. «Sie vermissen den liebevollen Kontakt zur Partnerin und die Sexualität, die oft zum Erliegen kommt», ergänzt der Psychotherapeut Wolfgang Krüger.

In der Folge ziehen sich viele Männer zurück, sind enttäuscht oder beleidigt. «Und stoßen mit diesem Verhalten der Partnerin vor den Kopf», erklärt Cutner-Oscheja. «Frauen wünschen sich jetzt mehr denn je einen Begleiter, der für sie da ist und sich kümmert», sagt Cutner-Oscheja.

Ist das Kind da, müssen Frau und Mann neue Rollen belegen. Immer noch sind es überwiegend Frauen, die sich um das Baby kümmern. Krüger: «Mütter sind bereits nach wenigen Monaten durch den 24-Stunden-Job ausgelaugt.» Wenig Schlaf, viel Kindergeschrei: «Da kann eine massive Stressatmosphäre entstehen.»

«Paare brauchen jetzt starke Kommunikationsstrukturen», sagt Cutner-Oscheja. Neben den vielen Fragen, die das Kind betreffen, sollte Platz für persönliche Gespräche bleiben, rät Matthaei. «Sorgen Sie schon in der Schwangerschaft für ein Netzwerk, das Sie regelmäßig entlasten kann», sagt auch Cutner-Oscheja. Ob Freunde, Nachbarn oder Großeltern: Mindestens einmal pro Woche sollten Paare die Möglichkeit haben, das Baby für ein paar Stunden abzugeben. Das schafft Freiräume.

Ein Streitpunkt junger Eltern ist oft die Arbeitsteilung zu Hause. Eine Studie von Bamberger Familienforschern zeigte auf, dass mit der Geburt des ersten Kindes die Beteiligung der Männer im Haushalt drastisch sinkt. «Viele Paare rutschen jetzt in Rollenmuster, die sie aus ihrer eigenen Kindheit kennen», erklärt Matthaei das Phänomen. Doch wenn er sich nach der Arbeit aufs Sofa legt, während sie mit dem Kind im Chaos versinkt, ist Zoff garantiert: «Hier muss ausgehandelt werden, wer für was zuständig ist», sagt Matthaei.

Die Frau kümmert sich ums Kind, der Mann um die Finanzen. «So traditionell wie früher funktioniert es heute nicht mehr», sagt Cutner-Oschaja. «Dank des neuen Elterngeldes nutzen immer mehr Väter die Chance, für das Kind da zu sein.» Eine Erfahrung, die Partnerschaften gut tue, findet die Psychologin: «Männer bekommen einen neuen Einblick in das Leben mit Kind und können so die weibliche Sicht viel besser nachvollziehen.»

kat/tno

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