Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Bei der Entstehung von Darmkrebs spielen Faktoren eine Rolle, die nicht beeinflussbar sind - etwa die Erbanlagen. Anders ist das bei der Ernährung. Wer zu viel Fett und zu wenige Ballaststoffe und Vitamine isst, erhöht sein Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.
Darmkrebs ist eine Zivilisationskrankheit: Lebensstil und Ernährung spielen - wie bei jeder Krebserkrankung - eine große Rolle. Deswegen hat jeder die Möglichkeit etwas für seine Gesundheit zu tun. Allerdings heißt das nicht, dass jeder, der sich ausreichend bewegt und gesund ernährt, damit eine Garantie hat, nie an Krebs zu erkranken.
«Die Ursachen für Darmkrebs sind noch nicht eindeutig geklärt», sagt Professor Dr. Wolff Schmiegel, Sprecher des Darmzentrums Ruhr und Mitglied im Fachausschuss Forschung der Deutschen Krebshilfe. Es gibt jedoch einige Risikofaktoren: erbliche Belastung, chronisch-entzündliche Darmkrankheiten, wie etwa Morbus Crohn, das Vorliegen von Dickdarmpolypen (in den Dickdarm hineinragende Schleimhautgeschwülste) und Übergewicht. «Das Darmkrebsrisiko lässt sich jedoch durch eine gesunde Ernährung senken», sagt Schmiegel.
An erster Stelle ist eine gute Verdauung wichtig: Denn je länger der Stuhl im Darm verweilt und je länger darin enthaltene krebserregende Substanzen - aus der Nahrung oder im Darm gebildet - die Darmschleimhaut berühren, desto größer ist das Risiko der Entstehung eines Dickdarmtumors. Deshalb ist es wichtig, Verstopfung zu vermeiden, durch ausreichend Ballaststoffe und Flüssigkeit (am besten Wasser) und viel Bewegung.
Ballaststoffe kommen reichlich in Getreide, Obst und Gemüse vor. Eine europäische Studie zeigt: Durch hohe Mengen an Ballaststoffen in der Nahrung sinkt das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, um 40 Prozent. Obwohl nicht alle wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema ein so eindeutiges Ergebnis liefern, gehen Experten davon aus, dass pflanzliche Ballaststoffe einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben.
Auch Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe sind nützliche Helfer im Kampf gegen Darmkrebs. Obst und Gemüse sind die Hauptquelle für viele Vitamine, die im Körper aggressive Sauerstoffmoleküle unschädlich machen. Diese sogenannten Radikale können Körperzellen schädigen und Krebs begünstigen. Vor allem bei Vitamin C und E und Betacarotin kennt man den schützenden Einfluss. Obst und Gemüse enthalten auch sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe, wie Carotinoide, Flavonoide und Glukosinolate. Diese können im Stoffwechsel des Körpers krebsauslösende Radikale abfangen.
Auch Calcium spielt eine große Rolle: Untersuchungen haben ergeben, dass jene Menschen seltener an Darmkrebs erkranken, die viel Calcium zu sich nehmen. Wissenschaftler erklären sich das so: Das mit der Nahrung aufgenommene Calcium wird nur zu 30 Prozent vom Körper verarbeitet. Deshalb gelangt der Großteil in den Dickdarm. Dort bindet das Calcium vermutlich potenzielle krebserregende Stoffe und hebt damit deren Wirkung auf. Calcium ist vor allem in Milchprodukten enthalten.
Dagegen sollte man nach dem Rat der Krebshilfe die Finger von Fett weg lassen. Denn Fett trägt maßgeblich zur Entstehung von Darmkrebs bei. Bei hohem Fettverzehr tritt vermehrt Gallensäure in den Dickdarm. Wenn die Darmbakterien diese Gallensäuren verarbeiten, entstehen auch Stoffe, die krebserregend wirken. Ebenfalls eine Rolle spielt die Zusammensetzung des Fettes. Gesättigte Fette tierischen Ursprungs oder mehrfach ungesättigte Omega-6-Fettsäuren (etwa in Maiskeimöl) fördern die Krebsentstehung stärker als pflanzliche gesättigte und einfach ungesättigte Fette (wie in Olivenöl). Mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren, die vorwiegend im Fischöl enthalten sind, tragen dazu bei, die Bildung von Polypen der Dickdarmschleimhaut zu hemmen.
Die Deutsche Krebshilfe rät daher, auf Fleisch- und Wurstwaren weitestgehend zu verzichten. Vor allem rotes, frittiertes und stark angebratenes Fleisch könne das Krebsrisiko erhöhen. Auch Nikotin und Alkohol seien Risikofaktoren.
Für den Betroffenen ist es nicht leicht, eine Erkrankung an Darmkrebs frühzeitig zu erkennen. Der Krebs entsteht häufig, ohne Beschwerden auszulösen, und bleibt daher über Jahre hinweg unerkannt. Kommt es aber zu krampfartigen Bauchschmerzen, Blut im Stuhl, Blässe, Blutarmut oder plötzlichem Gewichtsverlust, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe erkranken jedes Jahr in Deutschland 73.000 Menschen neu an Darmkrebs. Die wenigsten nutzten jedoch Maßnahmen zur Früherkennung wie die Darmspiegelung.
kat