Integrative Medizin Der Mensch als Ganzes

Integrative Medizin am Champ (Foto)
Am Champ wird der Patient von den Ärzten als Ganzes gesehen und auch mit alternativen Heilmethoden behandelt. Bild: dpa

Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Ambulanz kaum von anderen Krankenhausangeboten. Doch im Champ am Berliner Charité versuchen die Ärzte verschiedener Fachrichtungen den Menschen als Ganzes zu sehen und haben damit weltweit Seltenheitswert.

Harald Müllers (Name geändert) Leidensweg ist lang: Seit Jahren plagen ihn starke Schmerzen im linken Bein. Er konsultierte schon mehrere Orthopäden, doch außer vagen Diagnosen schlugen sie nicht viel vor. Eine Operation wollte der Lehrer nicht. Er lernte, mit den Schmerzen zu leben. Bis er vor einigen Monaten im Berliner Universitätsklinikum Charité auf ein völlig neuartiges Angebot stieß: In der Ambulanz für Prävention und Integrative Medizin (Champ) werden Patienten von Ärzten verschiedenster Fachrichtungen behandelt. Und das auch mit alternativen Heilverfahren.

Eines ist im Champ grundsätzlich anders als in anderen Ambulanzen: «Patienten werden als Ganzes betrachtet, Lebensumstände mit berücksichtigt und Wünsche und Vorstellungen in die Therapie miteinbezogen», beschreibt Müller die Behandlung. «Die Ärzte bei Champ hören viel mehr zu, stellen mehr Fragen und fixieren sich nicht nur auf eine Sache.»

Die Ambulanz wurde vor rund einem Jahr gegründet und gehört zum Charité-Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie. «Bislang stehen sich Vertreter der Schulmedizin und alternativer Heilmethoden meist ablehnend, gelegentlich sogar feindselig gegenüber», sagt der Direktor des Instituts, Professor Stefan Willich. Schulmediziner glauben oft nur, was sie in ihren Lehrbüchern finden. Ihre Kritiker dagegen schwören auf alternative Methoden und engere Patientenbeziehungen.

«Diese Spaltung wollen wir mit unserem integrativen Ansatz überwinden», erklärt der Internist. «Ich glaube, dass die integrative Medizin eine moderne Medizinform ist.» Die Schulmedizin habe zwar ihre Stärken. «Doch wenn ein Mensch chronisch krank wird, sind die Behandlungsmöglichkeiten limitiert», so Willich.

In der Ambulanz arbeiten nicht nur zehn Mitarbeiter verschiedener Fachbereiche wie Allgemeinmedizin, Psychotherapie und Ernährungsberatung zusammen. Im Institut gibt es sogar drei Professuren für den Bereich der Komplementärmedizin - das ist für eine Universitätsklinik deutschlandweit einmalig.

Deswegen wird im Institut auch der Nutzen alternativer Heilmethoden wissenschaftlich erforscht. «Wir wollen nicht einfach irgendetwas bei den Patienten ausprobieren und damit Tür und Tor für Scharlatanerie öffnen», erklärt Willich. Stattdessen sollen nur erfolgreich erprobte Methoden angewandt werden.

Der Ansatz hat sich herumgesprochen. Innerhalb eines Jahres nach ihrer Gründung hatte die Ambulanz schon mehr als 1000 Patientenkontakte und wird auch von anderen Abteilungen der Charité um Rat gefragt. Außerdem übernehmen gesetzliche Krankenkassen mittlerweile einige alternative Behandlungen, bei denen die Wirksamkeit nachgewiesen werden konnte. Für die meisten Therapien müssen die Patienten jedoch weiterhin selber bezahlen.

Harald Müller ist das egal. Ihm geht es nach wenigen Akkupunkturbehandlungen deutlich besser. «Die Schmerzen sind fast weg», erzählt er erfreut. Er ist jetzt erleichtert, die von bisherigen Medizinern empfohlene schwere Operation umgangen zu haben. «Stattdessen kann ich ein ganz normales Leben führen - und sogar wieder mit meinem Hund herumlaufen.»

kat/car

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • reiner niessen
  • Kommentar 1
  • 22.09.2011 05:37

wir haben eine ganzheitliche methode hier schon seit jahren in der anwendung. keine medikamente, keine eingriffe und ergebnisse in wenigen tagen bei patienten die jahrelange behandlungen genossen haben. http://bios-logos.com keine reklame beabsichtigt weil es auch viel zu weit wäre uns zu erreichen. aber es sollten fragen aufgeworfen werden die dadurch entstehen weil altenativen vorhanden sind. gruß r. niessen

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