Sa., 26.05.12

Bärbel Schäfer und Monika Schuck 14.03.2009 «Mein Mann ist mein Glücksgeheimnis»

Bärbel Schäfer (Foto)
Bärbel Schäfers Geheimnis einer glücklichen Beziehung: ihr Mann Michel Friedmann. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Rieke Havertz

Bärbel Schäfer und Journalistin Monika Schuck haben gemeinsam ihr drittes Buch geschrieben. Mit news.de sprachen die beiden über das Geheimnis glücklicher Paare, Beziehungsarbeit und lauwarme Bierphasen.

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news.de: Gibt es das eine Geheimnis glücklicher Paare?

Monika Schuck: Das eine gibt es sicher nicht. Aber es gibt viele und die sind sehr unterschiedlich.

Bärbel Schäfer: Doch es gibt das eine Glücksgeheimnis: in unserem Verlag.

Schuck: Das ist natürlich das Glücksgeheimnis, das Buch. Aber genau die Frage war es, die uns interessiert hat. Was macht die Liebe aus? Was tun die verschiedenen Paare, um ihre Liebe zu erhalten und wach zu halten.

Schäfer: Es gibt Vieles, was man tun kann und wir haben sie ja gefunden, die Paare, die tatsächklich glücklich sind.

news.de: War die Suche schwierig?

Schäfer: Ja. Es ist nicht ganz einfach in den heutigen Zeiten, in der es so viele Verlockungen gibt. Ich glaube, wenn wir unsere Großeltern gefragt hätten, hätten wir mehr Paare gefunden. Aber es gibt sie tatsächlich. Und diese Paare zeigen, dass sie sich in Zeiten des enormen Angebotes, das einem über Singlebörsen und Internetangebote suggeriert, dass man jederzeit jemand Neues haben kann, dafür entschieden haben, mit jemandem durchs Leben zu gehen und zu dieser Entscheidung auch stehen. Und sie haben das Glück, in dem Partner nicht nur jemanden zu haben, bei dem immer noch das Herz klopft, sondern auch einen guten Freund. Und sie haben ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit, Humor, die Fähigkeit, auch zu loben und den Anderen aufzubauen.

news.de: Also gibt es doch nicht das eine Geheimnis, sondern viele kleine?

Schäfer: Viele kleine und jeder für seine eigene Beziehung. Aber allen ist gemeinsam, dass eine Beziehung Arbeit ist. Unseren Paaren ist es auch nicht zugeflogen und bei allen war der Einstieg in diese lange Liebe auch nicht immer einfach, sondern durchaus mit Hürden verbunden. Dass hat mich zum Beispiel sehr überrascht.

news.de: Können aus Ihrer Sicht individuelle Erfolgsmodelle von Partnerschaften überhaupt übertragen werden? Ist nicht jedes Paar in seinem Zusammenleben ganz individuell?

Schuck: Das schon, aber ich glaube, es ist spannend, gewisse Stichpunkte einmal zu lesen und darüber nachzudenken. Man kommt selber ja auch mal in eine Situation, in der man es ganz interessant findet zu erfahren, wie die anderen es machen.

news.de: Also ist es auch eine Art Anleitung, in den Geschichten Dinge für die eigene Beziehung heraus zu filtern?

Schuck: Anleitung würde ich nicht sagen, aber Anregungen.

Schäfer: Köche sind nicht gleich Köche. Es gibt Sterneköche und es gibt Imbissbudenbesitzer. Wir haben jetzt die Sterneköche in punkto Liebe befragt. Also die, die es auch schon wirklich lange schaffen und uns auch nicht irgendetwas erzählen haben. Es gibt also schon Dinge, an denen man ganz konkret arbeiten kann in einer Beziehung.

news.de: Zum Beispiel?

Schäfer: Neugierig aufeinander sein, tatsächliches Interesse haben und den Menschen, der einem eigentlich am nächsten ist, eben nicht zu verletzten oder dauernd niederzumachen und zu gängeln. Man sollte ihn vielmehr aufbauen und sie oder ihn annehmen mit allen Fehlern.

Schuck: Das war ein ganz wichtiger Punkt: Den anderen nicht verändern zu wollen.

news.de: Ist das nicht das Schwierigste, den Partner in ein Idealbild pressen zu wollen?

Schäfer: Das ist eben die Frage: Hätten wir die Massenmedien nicht, die uns suggerieren: Er oder sie soll immer besonders attraktiv und charmant sein, immer auf uns eingehen können. Da muss man sich vielleicht erst einmal fragen: Leiste ich das denn überhaupt selber? Was bin ich bereit zu geben? Um dann vielleicht auch jemandem eine Chance zu geben, der nicht aussieht wie Marcus Schenkenberg, aber eben ein enorm großes Herz hat und der ideale Partner für mich wäre. Gut, Marcus Schenkenberg ist auch nicht schlecht.

Lesen Sie auf Seite 2, wie es in einer Beziehung wieder prickeln kann

news.de: Glauben Sie, dass die Gesellschaft vielfach suggeriert, wie die ideale Partnerschaft auszusehen hat und die Menschen deswegen meinen, dass müssten sie leben, obwohl sie damit gar nicht glücklich werden?

Schuck: Ich kann mir schon vorstellen, dass manche unter Druck geraten und denken: So müsste es aussehen oder das krieg ich ja auch nicht geboten. Aber genau das ist eigentlich das Geheimnis, dass man sich den Partner ausgesucht hat und liebt und es hat ja auch einen Grund, dass man gerade diesen Partner liebt.

Schäfer: Auch in der Beziehung nebenan gibt es mal lauwarmes Bier und nicht immer nur prickelnden Champagner. Das muss man sich einfach mal klar machen. Wenn man selber gerade mal so eine lauwarme Bierchenphase hat, kann man daran arbeiten, damit es wieder prickelt. Aber dafür muss man eben auch mal Lust haben, die Routine des Alltags zu verlassen und sich nicht abends immer nur aufs Sofa fläzen: dem Partner mal Kinokarten besorgen, einen Babysitter organisieren und eine Wir-Zeit einplanen. Und das ist auch ein wichtiger Punkt, den wir bei den prominenten und nicht-prominenten Paaren festgestellt haben: Kinder verändern eine Beziehung enorm.

news.de: Wie offen haben denn ihre Gesprächspartner über diese lauwarme Bierchenphasen gesprochen?

Schuck: Es gab schon einige, die sehr offen über schwierige Phasen gesprochen haben. Es ist natürlich wichtig, die zu hören. Es geht nicht nur darum, die glamourösen Zeiten zu teilen.

Schäfer: Auch Klaus Meine von den Scorpions hatte Zeiten, in denen er kein Geld hatte, ein unbekannter Musiker war und verzweifelt versucht hat, seine Songs zu verkaufen und mehr als glücklich war, dass seine Frau als Versicherungsangestellte das Geld für die Familie hereingeholt hat. Oder Ann-Kathrin Kramer und Harald Krassnitzer. Sie leben eine lebendige Streitkultur. Oder Udo Walz, der von seiner Diabetes betroffen ist und das sicherlich einen Einfluss auf die Sexualität hat. Das sind schon sehr intime und persönliche Momente gewesen. Nun haben wir beide lange Erfahrung darin, Interviews zu führen. Die Vertrauensbasis haben wir auch mit unseren ersten beiden Büchern geschaffen. Eines der letzten Interviews mit Rudi Carell oder mit Margarete Mitscherlich zu führen, ist für prominente Paare auch ein Beweis, dass sie bei uns gut aufgehoben sind und die Geschichte nicht einfach herausposaunt wird, sondern in ein seriöses Umfeld eingebettet ist.

news.de: Wie haben Sie denn die nicht prominenten Paare gefunden?

Schuck: Es gibt einige wenige Paare aus dem privaten Umfeld, ansonsten über Netzwerke.

news.de: Gibt es eine Geschichte, die Sie in besonderem Maße berührt hat?

Schuck: Ich fand eigentlich jedes Gespräch spannend und interessant.

Schäfer: Viele der Pare haben Achterbahnen in ihren Beziehungen erlebt, haben aber nicht gleich alles über einen Haufen geworfen. Das Paar Raiko Kranjec und Claudia Neidl, die zwei behinderte Mädchen haben, was eine enorme Belastung für eine Partnerschaft ist. Über eine Trennungsphase dann doch wieder zusammenzukommen, fand ich schon einen ernomen Kraftakt. Sich immer wieder füreinander zu begeistern, dass war bei allen Paaren, da müssen wir uns nichts vormachen, intensive Beziehungsarbeit. Aber sie waren eben immer bereit, das für den Partner zu tun.

news.de: «Unser Fundament ist Vertrauen» ist eine ihrer Geschichten überschrieben. In vielen Geschichten dreht es sich um Vertrauen, um Anziehung, um Konfliktfähigkeit. Sind es nicht Werte, die jeder als Voraussetzung für eine funktionierende Beziehung nennen würde?

Schuck: Das wäre schön, aber häufig funktioniert es eben nicht. Respekt für einander ist auch wichtig.

Schäfer: Ich glaube, so eine Beziehung zu führen, hat etwas damit zu tun, dass man erwachsen ist und mit diesen erwachsenen Begriffe Verantwortung, Vertrauen, Respekt umgehen kann. Dass man weiß, wie sehr man jemanden verletzen kann und in dem Sinne sind unsere Paare sehr reif.

Lesen Sie auf Seite 3, warum auch eine Selbsterfahrungsgruppe eine Paarbeziehung sein kann

news.de: Als Leser denke ich dann vielleicht, dass ich es genau so machen möchte, aber trotzdem scheitere. Wie kann man das übertragen?

Schäfer: Das ist wie mit einer Diät. Wenn man es sich vornimmt, muss man es auch selber durchhalten. Ich glaube, man muss sich erst einmal fragen, ob der Mensch und die Beziehung, in der man lebt, einen rundum erfüllt. Beispiel Eckard Albrecht: Der West-Berliner Student, der der Ost-Berliner Studentin in Zeiten des Kalten Krieges verspricht: Ich hol dich da raus und Wort hält. Der hat einen enormen Kraftakt geleistet. Dass diese Beziehung auch im Alltag hält, führt eben dazu, dass man durchhaltenn muss. Nicht auf Gedeih und Verderb. Ich bin kein Verfechter einer Ehe, die nicht mehr glücklich ist. Man muss es anfangen und man muss sich nicht gleich die ganz großen Ziele setzen. Dem Partner etwa nicht immer sagen: «Nie machst du das und immer muss ich». Diesen vorwurfsvollen Ton kennt ja jeder von uns, der schon länger mit jemandem zusammen ist. Lieber loben und aufbauen.

Schuck: Wir sind mit dem Buch sicherlich kein Ratgeber, das war aber auch nicht der Anspruch. Ganz sicher ist es so, wie auch Ann-Kathrin Kramer sagt: Eine Beziehung braucht Kompromisse. Große, kleine und mittlere. Man vergisst oft, dass man auch mal zurückstehen muss und nicht immer alles glatt läuft.

news.de: Eine Geschichte dreht sich um die Selbsterfahrungsgruppe von Rainer Langhans. Kann man die überhaupt als Paarbeziehung bezeichnen?

Schäfer: Na ja, sie wohnen alle nicht zusammen, sondern in unmittelbarer Nähe. Aber die führen schon seit 35 Jahren eine sehr intensive Beziehung. Und alle sind Spiegel für sich selbst. Rainer Langhans ist wohl der größte Spiegel, in dem sich die Frauen reflektieren können und der sehr viel in ihnen wachrüttelt, alles das zu bearbeiten, was mit Beziehung zu tun hat: Eifersucht, Neid, der Wunsch nach Sexualität. Das sind die Dinge, bei denen er sich als Mentor zur Verfügung stellt.

news.de: Aber ein Paar ist es dennoch nicht.

Schäfer: Nein, aber viele von uns führen vielleicht in 30 Jahren auch vier oder fünf Beziehungen und er hat eben konstant die gleichen vier, fünf Frauen an seiner Seite. Eine ist gerade ausgezogen, weil sie sich um ihre kranke Mutter kümmert.

Schuck: Es ist natürlich auch eine Liebesbeziehung und deswegen hat es uns interessiert. Und es ist eine andere Lebensform und eine sehr extreme Form, sich aufeinander einzulassen.

news.de: Sie beide sind kein Paar im klassischen Sinne, haben aber schon das dritte Buch zusammen geschrieben. Das Geheimnis Ihrer glücklichen Paarbeziehung?

Schäfer: Wir sind auch schon wie ein altes Ehepaar.

Schuck: Sie sind kompromissbereit, wir verstehen uns einfach gut, können gut miteinander arbeiten, sind befreundet.

Schäfer: Wir kennen uns schon seit Jugendfernsehzeiten.

news.de: Gibt es denn auch mal Konflikte?

Schuck: Ja, die gibt es auch. Aber wir sind da ganz gut in der Lage, uns auseinderzusetzen. Wir beherrschen es gut, offen zu sein und Dinge dann anzusprechen.

news.de: Frau Schäfer, sie konvertierten zum Judentum, nachdem Sie Ihren Mann geheiratet haben. Kompromiss, Liebesbeweis oder lediglich einer von vielen Schritten zu einer glücklichen Partnerschaft?

Schäfer: Ich würde sagen Letzteres. Im Judentum wird der Glauben über die Mutter weitergegeben und da wir wollten, dass unsere Kinder jüdischen Glaubens sind, war das für uns ein rein organisatorischer Schritt. Aber ich bin kein religiöser Mensch.

news.de: Krisen in Ihrer Partnerschaft wurden teilweise sehr öffentlich dargestellt. Was bedeutet das für eine ja eigentlich private Situation?

Schäfer: Ich glaube, unabhängig davon, ob man jetzt prominent ist oder nicht, hat jedes Paar Krisen und es ist natürlich sehr viel anstrengender, wenn man die als prominentes Paar erlebt und dann in so einer Stresssituation mit der Öffentlichkeit umgehen muss. Aber es ist ja auch die Chance für ein großes Glück.

news.de: Frau Schuck, Ihr persönliches Glücksgeheimnis für die Liebe?

Schuck: Offenheit, Vertrauen und tatsächlich den anderen so zu nehmen, wie er ist und selbst auch so sein zu können, wie man ist und sich nicht verbiegen zu lassen.

news.de: Und Ihre Geheimnis, Frau Schäfer?

Schäfer: Mein Glücksgeheimnis ist mein Mann.

Bärbel Schäfer / Monika Schuck: Das Glücksgeheimnis, Paare erzählen vom Gelingen Ihrer Liebe, Aufbau Verlag, ISBN 978-3-378-01102-1

kat
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