Zeckensaison hat begonnen Trotz langem Winter keine Entwarnung

Keine Entwarnung an der Zeckenfront. Das Klima wird immer wärmer, die Winter werden immer milder und die Zecke breitet sich immer weiter gen Norden aus. Daran kann auch der recht kalte Winter in diesem Jahr nichts ändern.

Zeckensaison (Foto)
Zecken lauern im Wald und in Wiesen. Gegen Krankheitsübertragung durch einen Biss hilft nur Vorsorge. Bild: dpa

Professor Jochen Süss vom Friedrich-Loeffler-Institut betont, dass auch weiterhin bei einem Biss durch die Spinnentiere die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)Die Frühsommer-Meningoenzephalitis, auch FSME genannt, wird durch das FSME-Virus ausgelöst. Das Virus kann durch Zeckenbisse übertragen werden. Impfungen gegen das Virus sind besonders in Risikogebieten ab dem ersten Lebensjahr empfohlen. Bei der Erkrankung kommt es zu einer Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten. und Lyme-BorrelioseDie Lyme-Borreliose oder auch Lyme-Krankheit ist eine Infektionskrankheit. Das Fatale ist, dass jedes Organ, das Nervensystem, die Gelenke und das Gewebe befallen werden können. Deshalb ist die Diagnose auch sehr schwer und Patienten irren mit ihren Symptomen von einem Arzt zum nächsten. Die Übertragung erfolgt meist durch Zecken. Bei Früherkennung der Übertragung kann eine Borreliose vollständig geheilt werden. drohen. «Wir erwarten einen ganz normalen Zeckensommer», so der Experte für bakterielle Infektionen.

Zwar gehe er davon aus, dass ein Teil der Population untergegangen sei, aber da es keinen überraschenden Wintereinbruch mit extremen Frosttemperaturen gegeben hatte und die Tierchen unter einer geschlossenen Schneedecke im Laub überwintern konnten, rechnet Süss mit keiner großen Veränderung in der Entwicklung. Aber: «Die sind immer für eine Überraschung gut», räumt Süss ein.

Erste Erkrankungen durch Zeckenbisse wurden bereits an der südlichen Spitze von Norwegen registriert. «Die Zecken sind bereits durch ganz Deutschland durchmarschiert», sagt Süss. So sind selbst die nördlichen Regionen nicht mehr völlig gefeit vor Bissen.

Die Zeckensaison hat bereits begonnen, wenn auch langsam. Ab einer Temperatur von acht Grad Celsius werden die kleinen Blutsauger aktiv. Neben einer Schutzimpfung gegen FSME sei es wichtig, nach einem Spaziergang durch den Wald oder durch hohes Gras sich völlig zu entkleiden und den Körper abzusuchen.

Zwar gebe es auch Schutzsprays, sogenannte Repellents, aber da sei Vorsicht geboten, warnt Süss. «Die meisten wirken einfach nicht und sind nichts weiter als gefärbtes Wasser», kritisiert der Mediziner. Doch auch bei den guten Mitteln sei die Wirkzeit oft wesentlich kürzer als auf den Packungen angegeben. Statt vier bis sechs Stunden, wie vom Hersteller versprochen, ist man bereits nach zwei bis vier Stunden den Zecken wieder ausgeliefert.

Auch seien diese Vorsichtsmaßnahmen völlig unpraktisch, wenn man sich etwa auf eine Tageswanderung begibt. Schließlich wiege man sich in Sicherheit, ohne konsequent den Schutz nach drei Stunden zu erneuern. «Da wird einfach nicht dran gedacht», ist Süss überzeugt.

Zeckenbisse seien deshalb so gefährlich weil sie oft unbemerkt bleiben. Die Stiche sind schmerzlos und die Tiere suchen sich eine versteckte Stelle wie etwa in den Achselhöhlen, der Kniekehle, im Schambereich oder unter der Brust. Sollte man eine Zecke erwischen, könne man sie mit einer Pinzette herausziehen. «Dazu muss man nicht unbedingt zum Arzt», ist Süss überzeugt. Wichtig sei aber, dass notiert werde, wann genau die Zecke zugebissen hat und dann den eigenen Körper über mehrere Wochen genaustens beobachten.

Ist der Gebissene gegen FSME geimpft und tritt innerhalb von drei Wochen Fieber auf oder entsteht eine Rötung der Haut, dann kann es sich um eine Borreliose handeln, die sich – früh erkannt und konsequent behandelt – leicht und vollständig heilen lässt.

Süss rät dringend davon ab, die entfernte Zecke an ein Labor zu schicken, um zu untersuchen, ob sie einen Virus in sich trägt. Nur ein bis drei Prozent der Spinnentiere tragen tatsächlich einen FSME-Virus in sich, erklärt Süss. Bei Borreliose seien es zehn bis 30 Prozent.

Trotz der Gefahr, die von Zecken ausgeht, und den sich immer weiter ausbreitenden Risikogebieten – vor Jahren noch galten Bergwanderer über einer Höhe von 800 Meter als ungefährdet, die Grenze musste auf 1640 Meter nach oben korrigiert werden – hält es Süss für unbedenklich, dass Kinder im Sommer auch in kurzer Hose und T-Shirt durch die Wälder und über die Wiesen toben. Wichtig sei nur, dass sie ab dem ersten Lebensjahr geimpft sind. Ansonsten gelte die Vorsichtsmaßnahme, nach Naturstreifzügen den Körper nach Zecken abzusuchen.

ruk

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