Solariumverbot Blasse Zukunft für den Nachwuchs

Jugendliche dürfen künftig keine Sonnenstudios mehr betreten dürfen. Obwohl der Sinn des Gesetzesentwurfs, der vor Hautkrebs-Gefahren schützen soll, von Solarium-Betreibern angezweifelt wird, ist die Industrie dankbar für die rechtliche Grundlage.

Solarium (Foto)
Bild: dpa

«Ich finde das sehr schade», sagt Dirk Vormann resigniert. Der Geschäftsführer der Sonnenstudio-Kette McSun befürchtet aber nicht nur, dass ihm durch das Solariumverbot ein Teil seiner Kunden wegbricht. Schließlich machen die 16 bis 18-Jährigen etwa vier bis fünf Prozent der Kundschaft auf den Sonnenbänken aus.

Aber Vormann glaubt, dass die Entscheidung im Sinne der Gesundheit bedenklich ist. Denn: Bei einem Urlaub in einem sonnigen Land könnten Jugendliche sich nicht mehr im Vorfeld eine schützende Bräune zulegen. «Dann sind sie vom ersten Tag an der aggressiven Sonne ausgeliefert», so Vormann. Die Sonnenbrand-Gefahr sei dann erheblich höher.

Auch sei er besorgt, dass auch Jugendliche, die mit ärztlichem Attest, etwa wegen Schuppenflechte oder Neurodermitis in seine Studios geschickt werden, künftig der Einlass verwehrt werden müsste. Allgemein gelte, ist Vormann überzeugt, dass der Besuch im Sonnenstudio nur dann schädlich sei, wenn er falsch durchgeführt werde. Gehe man damit aber sinnvoll und vorsichtig um, sei ein künstliches Sonnenbad sogar gesünder als der nicht regelbaren Sonne ausgesetzt zu sein.

Holger Ziegert, Geschäftsführer der AYK Sonnenstudio-Kette ist dagegen froh, dass endlich eine rechtliche Grundlage vom Bundesumweltministerium auf den Weg gebracht wird. Zumal bei seinem Unternehmen der Anteil von Jugendlichen nur ein bis zwei Prozent ausmache. Und die seien zumeist Karteileichen.

«Es herrscht große Unsicherheit unter den Betreibern», sagt Ziegert. 2002 war durch einen runden Tisch von dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) eine freiwillige Zertifizierung angeschoben worden. Solariumbetreiber hatten sich damit freiwillig bereits verpflichtet, Jugendliche nicht mehr als Kunden zu betreuen. Von rund 5000 in Deutschland existierenden Sonnenstudios haben sich in den vergangenen zwei Jahren etwa 750 für das Zertifikat qualifiziert. Weitere haben sich bereits angemeldet.

Doch eine unangekündigte Prüfung des BfS habe ergeben, dass nur vier Prozent tatsächlich den hohen Anforderungen genügen konnten. Ein Ergebnis, dass Ziegert anzweifelt: «Wenn man so viel Geld und Mühe in die Zertifizierung steckt – und es stecken fünfstellige Summen hinter jedem einzelnen zertifizierten Studio – dann legt man auch Wert darauf, dass die Vorgaben erfüllt werden.» Seine eigene Kette umfasse 200 Einzelstudios. Rund 60 Prozent davon sind bereits zertifiziert.

Auch bezweifelt Ziegert, dass 18 Jahre aus medizinischer Sicht die angemessene Grenze sei, um jungen Menschen den Gang zur Sonnenbank zu untersagen. Dr. Eva Kalbheim, Sprecherin der Deutschen Krebshilfe, ist da ganz anderer Meinung. «Die Haut von Kindern und Jugendlichen ist einfach nicht ausgereift», sagt sie.

Erst nach der Pubertät entspreche die Haut der eines Erwachsenen und sei damit der Strahlung besser gewachsen. «Natürlich sind die Jugendlichen in ihrer Entwicklung unterschiedlich schnell», räumt Kalbheim ein, aber an irgendeiner Stelle habe man einen Schnitt machen müssen. «Also haben wir uns an dem sonst auch üblichen Alter für Jugendschutz orientiert», so die Krebshilfe-Sprecherin.

Sicherlich sei die UV-Strahlung auch für den Vitamin-D-Haushalt wichtig, aber dazu reiche die normale Sonneneinstrahlung aus. «Die Solarien sind noch oben drauf», sagt Kalbheim. Jugendliche müssten zudem besonders geschützt werden, weil sie leichter Modetrends unterliegen und die Bräunung übertreiben. «Wir wollen von der Modeerscheinung ‹gebräunt ist gleich gesund und fit› abrücken», betont Kalbheim.

Im BfS wurde die Entscheidung freudig begrüßt. «Heute ist ein guter Tag für den Strahlen- und Verbraucherschutz», sagt BfS-Präsident Wolfram König. Tritt das neue Gesetz in Kraft, dann drohen Sonnenstudios, die Kinder oder Jugendliche auf die Sonnenbank lassen, Geldbußen von bis zu 50.000 Euro.

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kommentar 2
  • 12.03.2009 11:10
Antwort auf Kommentar 1

...deswegen sind auch so viele jugendliche beim hautarzt. die wahren folgen kennen ja erwachsene selbst kaum, die solarien wollen vor allem gewinnen machen. und seit wann wissen teenager immer genau, was gut für sie ist? stichwort alkohol und drogen. erwachsene wissen das zwar oft auch nicht besser, aber sie werden nicht mehr erzogen und müssen ihre entscheidungen allein treffen. das problem mit der sonnenallergie kann ich verstehen - aber kann da kein arzt ein attest ausstellen, ausnahme usw.?

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  • Kommentar 1
  • 12.03.2009 10:56

ich muss zu diesem thema sagen,dass ich mit 16 das erste mal im solarium war,weil ich in urlaub,nach italien,gefahren bin und ich eine starke sonnenallergie habe.wenn ich mich nicht vorher ins solarium begeben hätte,hätte ich nicht mitfahren können,da mir wenn ich nicht vorgebräunt bin,ich sofort atemnot,schwindelgefühle und ausschlag bekomme.ich kann nur sagen das ich dieses gesetzt nicht akzeptabel finde,da jeder mensch selber wissen muss was er seinem körper antut.jedes solarium hat verschiedene stärken von bräunungen und wissen genau wer was machen kann ohne seine haut zu schädigen. mfg

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