Sa., 26.05.12

Täterprofil 11.03.2009 Jugendliche Amokläufer leben in einer Kunstwelt

Von news.de-Redakteurin Mara Schneider

Der durchschnittliche Amokläufer ist männlich, unauffällig und hat kaum noch Kontakt zu anderen Menschen. Wenn Jugendliche die Waffe gegen Mitschüler richten, spielen zudem häufig Gewaltvideos eine Rolle, sagt Kriminalpsychologe Helmut Kury.

Textbasar beta Täterprofil Jugendliche Amokläufer leben in einer Kunstwelt Ich will diesen Text kostenlos für meine Webseite

Womöglich handelt es sich bei dem jungen Amokläufer, der an einer Schule in Baden-Württemberg mehrere Mitschüler und vermutlich auch Lehrer erschossen hat, um einen Trittbrettfahrer. Die Wahrscheinlichkeit bestehe, sagt Helmut Kury, Kriminologe und Psychologe aus Freiburg. Erst in der vergangenen Nacht hat ein Mann in den USA ein Blutbad angerichtet, zahlreiche Verwandte und wahllos Passanten getötet.

«Wenn jemand kurz davor steht, so ein Verbrechen zu verüben, aber noch eine gewisse Hemmschwelle hat, dann könnte ihn ein solches Ereignis dazu bewegen, den gleichen Schritt zu tun», so der Kriminologe. «Er liest das in der Zeitung und denkt sich, da ist mir jemand zuvor gekommen.» Dadurch könne die Grenze vom Vorhaben zur tatsächlichen Umsetzung der Tat überschritten werden.

Wie sich in der Vergangenheit bestätigt hat, sind Amokläufe von (ehemaligen) Schülern meist im Voraus geplant. Und häufig spielen auch Gewaltvideos oder Gewaltspiele eine Rolle. «Das muss nicht ausschlaggebend sein, aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch», sagt Kury.

Wer sich häufig mit solchen Sachen auseinandersetzt, bei dem sei irgendwann die Grenze zur Realität verschoben. «Man baut sich eine Kunstwelt auf, in der solche Gewaltexzesse geistig durchgespielt werden.» Steigt die Frustration, komme es zum Ausraster.

Anzeichen zu erkennen, um solche Blutbäder zu verhindern, sei schwer. Denn die Täter lebten zurückgezogen, hätten kaum noch Kontakt zu Mitmenschen, denen sie sich anvertrauen würden. «Eigentlich sind die Lehrer und in erster Linie die Eltern gefragt», sagt Kury. Aber häufig stammten die Amokläufer aus zerrütteten Familien, in denen die Eltern keine Zeit für ihre Kinder und genug mit eigenen Problemen zu kämpfen hätten. Und auch Lehrern bleibte nur selten Zeit, sich ausgiebig mit ihren Schützlingen zu befassen.

Wirklich helfen könne man also nur, wenn man Auffälligkeiten beobachtet, sich ein Mitschüler etwa plötzlich immer weiter zurückzieht, soziale Kontakte meidet, nur noch im Internet unterwegs ist. «Dann muss man sich fragen, was da abläuft», rät der Psychologe.

Generell seien Amokläufer meist männlich, unauffällig und lebten als Außenseiter eher isoliert. «Frauen bewältigen ihre Probleme passiv, nehmen Tabletten, greifen zu Alkohol oder vergiften jemanden», erklärt Kury. Männer hingegen würden aggressiv, wenn ihr Frustpotenzial steigt, werden gewalttätig und greifen zur Waffe.

kas
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Kommentar  
Ihr Name
Ihre Emailadresse
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'

Täterprofil: Jugendliche Amokläufer leben in einer Kunstwelt » Gesundheit » Nachrichten

URL : http://www.news.de/gesundheit/787075000/jugendliche-amoklaeufer-leben-in-einer-kunstwelt/1/

Schlagworte:

Wir empfehlen
Anzeige
Facebook
Twitterbox
Follow Us!
Anzeige