Man muss den Schmerz nicht ertragen
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Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Artikel vom 11.03.2009
Tumorschmerzen sind scharf, stechend und schier unerträglich. So beschreiben es Krebspatienten. Doch nur die wenigsten bekommen Hilfe oder nehmen sie in Anspruch. Das zu ändern, haben sich die Organisatoren des 1. Nationalen Tages gegen den Tumorschmerz vorgenommen.
Eine europäische Studie mit mehr als 12.000 Patienten in zwölf Ländern aus dem Jahr 2002 förderte erschreckende Ergebnisse zutage: Etwa zwei Drittel aller Krebspatienten in Europa leiden trotz ärztlicher Behandlung unter chronischen Schmerzen, jeder Dritte wünscht sich deshalb sogar einen schnellen Tod. Mehr als 30 Prozent der befragten Tumorpatienten gaben außerdem an, dass ihr Arzt keine Zeit gehabt hatte, mit ihnen über den Schmerz zu sprechen. Deutschland hatte an der Studie nicht teilgenommen. Spezialisten sehen die Ergebnisse aber als übertragbar an.
Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS) ist Deutschland in Sachen Schmerztherapie sogar Schlusslicht in Europa. «Dass es mit der Versorgung von Tumorschmerzpatienten bei uns im europäischen Vergleich eher schlechter aussieht, kann man zum Beispiel am MorphinverbrauchMorphin wird in der Medizin als eines der stärksten bekannten natürlichen Schmerzmittel (Analgetikum) eingesetzt. ablesen», erklärt Dr. Stefan Wirz, Sprecher des Arbeitskreises Tumorschmerz der DGSS und Chefarzt der Abteilung Anästhesie, Interdisziplinäre Intensivmedizin, Schmerztherapie, Palliativmedizin am Katholischen Krankenhaus im Siebengebirge in Bad Honnef. «Deutschland befindet sich mit 20 Kilogramm pro Jahr und Millionen Einwohnern an hinterster Stelle.» Zum Vergleich: Dänemark verbraucht bis zur vierfachen Menge an OpiatenOpiate sind natürliche Substanzen, die im Opium vorkommen und eine schmerzstillende Wirkung haben. .
«Opiate werden immer noch zu Unrecht mit passiver Sterbehilfe in Verbindung gebracht», sagt Wirz. Da müssten Vorurteile abgebaut werden. Er sieht das Problem unter anderem in einer mangelnden Ausbildung der Ärzte, die seit der neuen Approbationsordnung ihr Studium abschließen können, ohne je mit dem Thema Schmerztherapie in Berührung gekommen zu sein.
Auf der anderen Seite seien die Patienten nicht ausreichend informiert. Wirz weiß von Ängsten Krebskranker, die Schmerzmittel ablehnen, weil sie befürchten, süchtig davon zu werden. Andere hätten Bedenken gegen mögliche Nebenwirkungen wie Verstopfung oder Übelkeit. «Viele verdrängen den Schmerz, weil sie denken, das muss so sein», sagt der Tumorspezialist.
Man muss den Schmerz aber nicht ertragen. Darauf macht die DGSS am Nationalen Tag gegen den Tumorschmerz aufmerksam. 14 Experten stehen Patienten von 13 bis 14.30 Uhr unter einer kostenlosen Hotline - 0800-5837837 - für Fragen rund um das Thema Tumorschmerz zur Verfügung.
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