Sa., 26.05.12

Koloskopie 04.03.2010 Die beste Waffe gegen Darmkrebs

Bauchschmerzen (Foto)
Darmkrebs ist vermeidbar, wenn man zur Darmspiegelung geht. Das ist die Botschaft von Ärzten und Initiatoren des Darmkrebsmonats März. Bild: ddp

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen

Vorsorgeuntersuchungen können Darmkrebs vermeiden. Doch immer noch scheuen zu viele Menschen davor zurück. News.de spricht mit dem Darmkrebs-Spezialisten Professor  Wolff Schmiegel aus Bochum über Ängste der Patienten.

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Herr Schmiegel, warum ist der Darmkrebs so heimtückisch?

Schmiegel: Weil Darmkrebs sich häufig schon in einem fortgeschrittenen Stadium befindet, wenn er Beschwerden beim Patienten verursacht, und die Heilungschancen dann sehr gering sind.

Mit welchen Symptomen macht sich Darmkrebs bemerkbar?

Schmiegel: Durch Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, zum Beispiel durch einen Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall. Wenn das anhält, ist das verdächtig. Alarmstufe Rot gilt aber bei jeder Form von sichtbarem Blut im Stuhl. Zwar kann dies auch triviale Ursachen wie Hämorrhoiden haben, aber es kann sich auch ein Krebs dahinter verbergen.

Gibt es Menschen, die besonders anfällig sind für Darmkrebs?

Schmiegel: Anfällig sind alle, in deren Familien direkte Verwandte - Geschwister, Eltern, Großeltern - an Darmkrebs erkrankt sind. Denn mit jedem Betroffenen in der Familie erhöht sich das Risiko für die noch nicht betroffenen Mitglieder deutlich. Es verdoppelt sich, es vervierfacht sich. In solchen Fällen rate ich Betroffenen, eher zur Darmkrebs-Früherkennung zu gehen. Normalerweise wird sie Menschen ab 55 empfohlen.

Weiß man inzwischen mehr über die Ursachen von Darmkrebs?

Schmiegel: Darmkrebs ist eine genetische Erkrankung, wie alle Krebserkrankungen. Wie ich vorhin schon schilderte, gibt es Familien, in denen besonders viele Fälle von Darmkrebs auftreten - über mehrere Generationen hinweg. Man muss sich also immer erkundigen, ob es in der Familie eine solche Risikosituation gibt. Darmkrebs wird zusätzlich über Lebensgewohnheiten mit beeinflusst. Fett- und fleischreiche Kost kann Darmkrebs möglicherweise fördern. Ebenso zu wenig Bewegung, zu viel Körpergewicht, Alkohol und Nikotin.

Seit dem Jahr 2002 wird alljährlich im März ein Darmkrebsmonat ausgerichtet, zahlreiche Prominente unterstützen die Aktionen und geben Bekenntnisse ab für eine Darmkrebs-Früherkennung. Zeigt dies alles Wirkung?

Schmiegel: Es zeigt Wirkung. Und an dieser Stelle muss man allen, die daran aktiv mitarbeiten, großen Dank aussprechen. Leider ist die Wirkung noch nicht ideal. Wir haben bislang erst etwa 2 Millionen von 22 Millionen Menschen erreicht, die einen Anspruch auf eine VorsorgekoloskopieBei einer Darmspiegelung wird ein etwa 1,4 Zentimeter dicker Schlauch mit einer Kamera in den Dickdarm geschoben. Das Endoskop ist mit einem optischen System ausgestattet, so dass der Arzt die Darmwand genau betrachten kann. Entdeckt er eine Veränderung, entnimmt er eine Gewebeprobe oder entfernt Polypen, die zu einem Tumor entarten können. Für alle gesetzlichen Versicherten ab 55 Jahren ist sie kostenfrei. Die Krankenkassen erstatten die Kosten auch Jüngeren, wenn etwa Blut im Stuhl gefunden wird. , also eine Spiegelung des Dickdarms, haben. Gemeint sind alle, die über 55 Jahre sind. Bei ihnen besteht erfahrungsgemäß ein erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Wir würden uns freuen, wenn auch die restlichen 20 Millionen daran teilnähmen. Denn Früherkennung bedeutet Schutz vor Darmkrebs.

Woran liegt es, dass die Deutschen solche Vorsorgemuffel sind?

Schmiegel: Die Deutschen sind deswegen Vorsorgemuffel, weil sie Angst vor der Untersuchung haben. Weil sie meinen, eine Darmspiegelung sei eine sehr persönliche Sache. Weil der Darm ein Tabuthema ist. Ich gebe ja zu, dass die Vorbereitung auf die Untersuchung - die Reinigung des Darms - unangenehm ist. Es ist nicht jedermanns Sache, den Darm mit Hilfe von Abführmitteln zu spülen. Die Spiegelung selbst ist aber völlig unproblematisch und schmerzlos, zumal vorher eine Schlafschlummerspritze verabreicht wird. Von der großen Mehrheit der Patienten wird sie jedenfalls als sehr problemlos beschrieben.

Lesen Sie auf Seite 2, was Professor Schmiegel zu den Vorbehalten gegen die Darmspiegelung sagt

In Deutschland wird die Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung stark beworben. Ist dies die beste Untersuchung zur Früherkennung von Darmkrebs?

Schmiegel: Es gibt eine vergleichende Bewertung aller zur Verfügung stehenden Verfahren vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information. Sie kommt zum Ergebnis, dass die Darmspiegelung immer noch der «diagnostische Goldstandard» der Darmkrebs-Früherkennung ist. Das hat auch seinen Grund. Denn die Spiegelung dient nicht nur dazu, Darmkrebs zu erkennen. Sie bietet auch die Möglichkeit, Polypen zu entdecken. Das sind blumenkohlähnliche Ausstülpungen der Darmschleimhaut, die häufig harmlos sind, die aber zu Darmkrebs entarten können. Wir entdecken bei jeder dritten Behandlung Polypen, die wir dann entfernen. Damit entziehen wir dem Krebs den Nährboden. Keine Polypen - kein Darmkrebs.

Es gibt trotz allem viele Vorbehalte gegen Darmspiegelungen. Stimmt es zum Beispiel, dass es dabei auch zu schweren Blutungen oder zu Durchbrüchen der Darmwand kommen kann?

Schmiegel: Nach mehr als zwei Millionen Darmspiegelungen wissen wir, dass es bei weniger als 0,1 Prozent zu kleineren Blutungen oder Verletzungen der Darmwand gekommen ist. Wenn man Polypen entfernt, schneidet man ein Stück aus der Darmwand heraus, da kann es auch schon mal zu Komplikationen kommen, aber die sind verschwindend gering. Ich meine, das ist ein vertretbares Risiko.

Muss es denn unbedingt die Spiegelung sein? Gibt es Alternativen?

Schmiegel: Es gibt unter anderem die sogenannte Computer-Tomographie-gestützte virtuelle Koloskopie, die jedoch mit einer erhöhten Strahlenbelastung verbunden ist und die den Nutzen derzeit nicht rechtfertigt. Schließlich dürfen wir nicht vergessen, dass wir Gesunde aufrufen, zur Darmspiegelung zu gehen. Außerdem gibt es den Löschblatttest oder Hämocculttest - ein Stuhltest, den man zu Hause machen kann. Dieser Test ist zwar besser als gar kein Test, aber ein höherer Schutz ist nur durch die Darmspiegelung möglich. Das belegen folgende Zahlen: Mit einer Darmspiegelung wären 90 Prozent der jährlich neu auftretenden Darmkrebserkrankungen vermeidbar, ein Stuhltest senkt das Risiko nur um 30 Prozent.

Wie oft sollte man sich untersuchen lassen?

Schmiegel: Mit 55 Lebensjahren fängt man an. Warum mit 55 und nicht mit 40? Ganz einfach: Erst bei den über 50-Jährigen nimmt das Risiko zu, an Darmkrebs zu erkranken. Also man beginnt mit 55 und hat die nächste Untersuchung dann mit 65. Möglicherweise wird man diese Altersvorgaben irgendwann verändern, aber im Moment haben sie sich bewährt. Wenn Darmkrebs schon in der Familie aufgetreten ist, sollte man auf jeden Fall früher kommen. Das gilt auch, wenn Darmpolypen bei einem Familienmitglied gefunden wurden. Die Faustregel ist dann die: Man nimmt das Lebensalter, das der betroffene Verwandte hatte, als er an Darmkrebs erkrankte, und zieht zehn Jahre ab. Also: Wessen Verwandter mit 57 Jahren erkrankte, sollte sich mit 47 untersuchen lassen.

Ist Darmkrebs vermeidbar?

Schmiegel: Ja, und zwar dann, wenn alle Menschen zur Darmspiegelung gehen. Mehr als 70.000 Deutsche erkranken jährlich daran. Wer eine Darmspiegelung hinter sich bringt und weiß, dass alles in Ordnung ist, hat zehn Jahre Ruhe. Und das ist doch ein tolles Gefühl: Zehn Jahre muss man nicht mehr an Darmkrebs denken!

Professor Dr. Wolff Schmiegel, Internist, Gastroenterologe und Endokrinologe, ist Direktor der Medizinischen Klinik (Knappschaftskrankenhaus) an der Ruhr-Universität Bochum und im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).

Der März ist Darmkrebsmonat - mehr Infos dazu gibt es unter www.felix-burda-stiftung.de.

hav/news.de
Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Famtom
  • Kommentar 2
  • 04.03.2010 09:11
 

Vorsorge ist besser als heilen . Ist zwar etwas unangenem,aber doch für den Patienten gut .

jetzt antwortenKommentar melden
  • Kommentar 1
  • 11.03.2009 12:58
 

dhatte schon darmspiegelung keine unanehmlichkeiten dabei ausser einen tag fasten

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