Von news.de-Redakteurin Katharina Peter
Ist die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs sinnvoll oder schädlich? Trotz scharfer Kritik und zwei Todesfällen heißt es vom Paul-Ehrlich-Institut: «Warten ist unethisch.» Jugendärzte sind der gleichen Ansicht.
Die Impfung soll gegen Humane Papillomviren (HPV) schützen, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte ihre Empfehlung für diese Vorsorge noch nicht abgegeben, da seien die Krankenkassen bereits im September 2006 vorausgeeilt, so die Jugendärztin Gunhild Kilian-Kornberg. «So etwas ist vorher noch nie passiert.» Die große Bereitschaft, die Maßnahme massiv zu unterstützen, sei erfreulich. So wurde anfangs sehr viel geimpft. «Doch dann kam die Kritik in geballter Form», sagt Kilian-Kornberg.
Die Impfgegner würden vor allem bemängeln, dass es noch keine Langzeitstudien gebe, die einen sicheren Schutz belegen. Sicherlich seien einige Faktoren noch ungeklärt, räumt Kilian-Kornberg ein. Aber das sei kein Grund, die Impfung über Jahre zurückzuhalten. Gebärmutterhalskrebs sei die zweithäufigste Krebssorte bei Frauen. Jedes Jahr gebe es 1780 Todesfälle, die auf diese Erkrankung zurückzuführen seien.
Eine Schwierigkeit sei zudem, dass oft bis zu 20 Jahre zwischen der Ansteckung, dem Ausbruch der Krankheit und dem tödlichen Stadium des Krebses liegen. «Müssen wir wirklich so lange abwarten, ob die Impfung Frauen gerettet hat?, fragt sich die Jugendärztin und fügt hinzu: «Ich denke, nein.»
Zwei Todesfälle in Deutschland und Österreich hatten den Impfstoff zusätzlich in die Kritik gebracht, obwohl der Tod der Mädchen nicht in direktem Zusammenhang mit der Vorsorge gebracht werden konnte. «Es gibt immer wieder ungeklärte Todesfälle», erinnert Kilian-Kornberg. Seit 2007 seien 17 Fälle in Deutschland gemeldet worden, bei denen die Todesursache bei jungen Patientinnen nicht festgestellt werden konnte. Zuvor waren es 20 bis 37 pro Jahr. So gab die Medizinerin zu bedenken, dass die neue Vorsorge sogar für diesen Rückgang verantwortlich sein könnte.
Zudem wirft sie der Gegnerlobby vor, dass sich vor allem Männer unter den Kritikern befänden. «Gäbe es einen Impfstoff gegen Prostatakrebs, dann würden wir diese Debatte nicht führen», ist sie sich sicher.
Auch käme immer wieder der Vorwurf, dass der Impfstoff viel zu teuer sei. «Um einen Jahrgang durchzuimpfen, benötigen wir 150 Millionen Euro», rechnet Kilian-Kornberg vor. Bei den Impfungen gegen Meningokokken, die eine niedrigere Todesrate habe, würden pro Jahr 240 Millionen Euro investiert. Kilian-Kornberg: «Was ist uns uns ein Menschenleben wert?» Zumal die Prävention ja auch zu erheblichen Einsparungen führen könnte.
Trotz der heftig geführten Debatte um Sinn oder Unsinn der Impfung konnte Jugendmediziner Andreas Schmutte in den Statistiken ein großes Vertrauen in die Maßnahme erkennen. So wüssten 89 Prozent aller Jugendlichen von der Impfungen, obwohl diese erst im März 2007 von der Stiko empfohlen und eingeführt wurde. Durchschnittlich seien inzwischen bundesweit über 50 Prozent aller Mädchen bis zum 17. Lebensjahr geimpft. Sachsen sei mit 70 Prozent der Spitzenreiter. Bei der Impfungen gegen Hepatitis B, die bereits vor zehn Jahren eingeführt wurde, liege man bei etwa 60 Prozent.
Schmutte forderte vor allem seine Kollegen auf, die Impfungen bei ihren Patientinnen noch weiter zu forcieren. Denn nur 17 Prozent aller HPV-Impfungen würden durch Jugendärzte durchgeführt. «Ich habe da ein Verständnisproblem», kritisiert Schutte, «sonst impfen wir doch am meisten.»