Von Samuel Heller
Bundesregierung und Fachleute rufen anlässlich der Nationalen Impfkonferenz in Mainz dazu auf, sich impfen zu lassen. Doch für wen kann welcher Schutz sinnvoll sein und gibt es auch Risiken? News.de gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Gegen welche Krankheiten sollten sich Erwachsene impfen lassen?
Erwachsene sollten sich alle zehn Jahre gegen Tetanus und Diphtherie impfen lassen, wie die Sprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI), Susanne Glasmacher, rät. Ab einem Alter von 60 Jahren sei zudem eine jährliche Impfung gegen Influenza und alle sechs Jahre eine gegen Pneumokokken (bakterielle Erreger der Lungenentzündung) empfehlenswert.
Können weitere Impfungen sinnvoll sein?
In bestimmten Fällen ja. So sollten in einem Haushalt mit einem Säugling die Erwachsenen gegen Keuchhusten geschützt sein, nennt Glasmacher ein Beispiel. Welche Impfung für wen wichtig sein kann, könne letztlich nur der Arzt in einem ausführlichen Beratungsgespräch beantworten.
Was gilt für Kinder?
Bei Kindern seien Impfungen gegen etwa zwölf Krankheiten notwendig, erklärt die Sprecherin. Eine Liste findet sich auf den Internetseiten des Instituts unter rki.de. Die meisten Impfungen fänden im ersten Lebensjahr statt, weitere im zweiten. Ab neun Jahren können Auffrischungen notwendig werden. Grundsätzlich gelte, dass Jugendliche Impfungen nachholen sollten, die in der Kindheit versäumt worden seien, erklärt die Sprecherin.
Wer sollte sich nicht impfen lassen?
Auf Impfungen mit lebenden, abgeschwächten Viren wie gegen Masern, Mumps und Röteln sollten Menschen mit Immunschwäche verzichten, wie Glasmacher sagt. Im Einzelfall müsse dies mit dem Arzt geklärt werden.
Ist es nicht besser, wenn Kinder bestimmte Krankheiten durchmachen?
Dieses These von Impfgegnern ist nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts nicht belegt. Selbst wenn man manche Krankheitserfahrungen positiv bewerte, stehe außer Frage, dass Infektionen Kinder in ihrer Entwicklung auch zurückwerfen und gesundheitliche Komplikationen bis hin zu Todesfällen verursachen könnten. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin hält es für unvertretbar, ein Kind nicht impfen zu lassen. So sterbe durchschnittlich eines von 500 an Masern erkrankten Kindern, andere litten lebenslang an neurologischen Schäden.
Kann man trotz Impfung erkranken?
«Keine Impfung ist zu 100 Prozent wirksam», sagt RKI-Sprecherin Glasmacher. Dies sei aber kein Argument, sich nicht impfen zu lassen. Wenn man nach einer Impfung mit abgeschwächten oder toten Viren erkranke, sei der Verlauf in der Regel milder als bei echten Viren, die viel aggressiver seien.
Führt das Impfen zu Nebenwirkungen?
Impfungen haben nach Angaben Glasmachers nur in absoluten Einzelfällen dauerhafte Nebenwirkungen. Vorübergehend könne sich die Haut um die Einstichstelle röten, auch leichtes Fieber sei möglich. Selbst wenn eine Impfung gegen Masern die Krankheit auslöst: «Echte Masern sind viel gefährlicher», sagt Glasmacher.
Wer zahlt die Impfung?
Grundsätzlich übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nach Auskunft des Deutschen Grünen Kreuzes (DGK) alle Impfungen, die die Ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut empfiehlt. Einen Überblick gibt der Impfkalender, der sich auf den Internetseiten des DGK und des RKI findet.
car/ham