Von news.de-Redakteurin Katharina Peter
Wenn Ärzte akzeptieren müssen, dass ein Patient unheilbar ist, dann kommt das einem Scheitern gleich, muss Dr. Hans-Hermann Zimny immer wieder feststellen. Der Mediziner setzt sich dafür ein, dass seine Kollegen sich nicht nur als Heiler verstehen, sondern Patienten behandeln, die nicht mehr genesen können.
«Im Studium wurde uns beigebracht, dass wir Krankheiten heilen sollen», sagt Zimny, der in Bad Pyrmont seine Praxis betreibt. Aber was zu tun ist, wenn die Medizin scheitert, «das wurde nicht gelehrt». Dabei, so Zimnys Argumente, nur weil etwa dem Krebs nichts mehr entgegenzusetzen bleibt, heiße das nicht, dass es keine Hilfe für den Patienten gibt. So könne die verbleibende Lebenszeit in der Palliativmedizin durch Schmerztherapie verbessert werden. Viele würden nur die Krankheit, aber nicht den Menschen sehen.
«Wir lassen die Patienten oft alleine, wenn sie den Raum verlassen und dem Sensenmann gegenüberstehen», wirft der Mediziner seiner Zunft vor. «Dabei müssten wir mitgehen.» Auch Trauerarbeit mit den Hinterbliebenen und die Kooperation mit Theologen gehört für den Pyrmonter dazu.
Der Arzt macht aber nicht nur die Ausbildung der Mediziner verantwortlich für die stiefmütterliche Behandlung von Palliativmedizin. «Es ist auch die Angst vor dem eigenen Tod.» Damit wolle sich keiner auseinandersetzen.
Zimny hält regelmäßig Vorträge, um seine Kollegen und den medizinischen Nachwuchs zum Umdenken zu bewegen. «Es macht unheimlich viel Spaß, für diese Sache zu missionieren», betont er immer wieder. Aber er kämpfe auch gegen eine Trendwende in der Gesellschaft an. Vor einigen Jahrzehnten sei Sexualität noch das große Tabu gewesen, die Beschäftigung mit dem Tod gehörte dagegen zum Alltäglichen. Heute sei es umgekehrt. Zimny: «Sterben ist unmodern.»
Dennoch habe er die Erfahrung gemacht, dass Patienten, die nicht mehr heilbar sind, mit der Wahrheit besser umgehen können als mit falscher Hoffnung. «Die merken doch an ihren Symptomen, dass es ihnen nicht besser geht», ist der Arzt überzeugt. Aber er hat eine eiserne Regel: «Eine solche Todesnachricht muss man morgens mitteilen. Und dann den ganzen Tag für Fragen zur Verfügung stehen.» Alles andere sei unverantwortlich.
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