Von news.de-Redakteurin Mara Schneider
Die ersten Tage ohne Schokoriegel, Chips, Eis und Kuchen habe ich ganz gut überstanden. Zurzeit bin ich vor allem mit der Suche nach Alternativen beschäftigt, die mich dann retten, wenn die Sucht nach Naschwerk besonders groß wird. Aber die Gefahren lauern ganz woanders.
Den ersten Erfolg hat mein Vorhaben, sieben Wochen ohne Süßigkeiten zu leben, bereits gebracht. Ich habe die Situationen erkannt, in denen ich verstärkt zu Eis, Chips, Schokoriegeln, Kuchen oder sonstigem Knabberkram greife. Das passiert nämlich immer dann – welch Überraschung – wenn ich frustriert bin oder mich langweile. Also abends vor dem Fernseher, wenn ich längere Zeit am PC arbeite oder mir mal wieder eine Laus über die Leber gelaufen ist.
Am schlimmsten wird es aber tagsüber gegen 15 oder 16 Uhr, wenn ich mein persönliches Nachmittagstief erreicht habe und mein Körper nach Zucker schreit. Bisher versuche ich, solche Flashs anderweitig zu bekämpfen. Ich greife seit einigen Tagen wieder öfter zu frischem Obst, mampfe Cornflakes oder gönne mir einen Joghurt. Und bisher funktioniert das ganz gut. Hauptsache meine Kaumuskeln sind beschäftigt.
In der vergangenen Woche stellten meine Mitmenschen das größte Problem für mich dar und ließen mich darüber sinnieren, warum ich mich eigentlich an dieser Fastenaktion beteilige. Mein Fazit: Das Fasten, in welcher Form auch immer, ist eine ganz persönliche Angelegenheit. Jeder beteiligt sich aus einer anderen Laune heraus daran. Ich habe mich entschieden, auf Süßigkeiten zu verzichten, weil diese mein größtes Laster sind. Ich habe mir in der Vergangenheit immer mal wieder vorgenommen, den Verzehr einzuschränken – vergeblich. Nun, da dieser Prozess in der Öffentlichkeit stattfindet, hoffe ich, genug Druck auf mich selbst ausüben zu können, es auch durchzuhalten.
Mein großes Ziel ist natürlich, innerhalb der nächsten sieben Wochen Strategien zu entwickeln, die ich auch langfristig beibehalten kann. Klar werde ich nicht mein ganzes Leben lang auf Süßkram verzichten, aber vielleicht kann ich zumindest das Langeweile-Nebenbei-Futtern auf Dauer unterbinden.
Was mich dabei in den vergangenen Tagen auf die Palme gebracht hat, waren Menschen, die mir vorschreiben wollten, auf was ich im Sinne meiner Aktion künftig zu verzichten habe. Der Eine meinte, Kuchen könne ich mir aber auf jeden Fall weiterhin gönnen. Der Nächste wollte mir verbieten, Schokocappuccino oder heiße Schokolade zu trinken. Aber das ist nicht im Sinne des Erfinders. Fasten ist eine persönliche Angelegenheit, jeder legt die Regeln für sich selbst fest. Daher werde ich auch weiterhin genussvoll Schokocappuccino und Co. schlürfen, denn zu meinen Problemen gehören diese Getränke nicht.
Dennoch muss ich bereits den ersten Sündenfall beichten. Ich habe gestern Kuchen gegessen und es nicht einmal registriert. Das Problem? Ich war schlecht vorbereitet. Auf dem Programm stand ein Chorkonzert in einer Kleinstadt mitten in Sachsen. Morgens noch schnell ein Brötchen runtergeschlungen, dann ging es los. Nach der langen Fahrt und einer fast zweistündigen Probe knurrte mir und meinen Mitsängern gehörig der Magen. Und im Gemeindehaus hatte man auch reichlich für uns gedeckt – nämlich Kaffee und Kuchen.
Hungrig wie ich war, griff ich zu – bis mir nach dem zweiten Stückchen einfiel, dass ich mich doch gerade auf einer Mission befinde. Schuldbewusst legte ich die Gabel beiseite – und schnorrte mir stattdessen ein Stückchen Banane von meiner Nachbarin. Nächstes Mal bin ich vorbereitet.
Dafür hat sich das Problem meiner Geburtstagstorte geklärt. Anstatt in wenigen Wochen zu jammern, dass ich mir an meinem eigenen Jahrestag keinen Kuchen schenken lassen darf, werde ich mich selbst beschenken – mit einer Hot Chocolate Massage. Solange ich den Finger nicht in die klebrige Masse stecke, wird das ja wohl keine Sünde sein.