So., 12.02.12

Masern Die unterschätzte Gefahr

Von Claudia Arthen

Artikel vom 02.03.2009

Roten Pusteln, Halsschmerzen und hohes Fieber - das sind die Merkmale von Masern. Die Viruserkrankung ist keineswegs harmlos, sie kann mitunter tödlich enden. Darauf weist das Robert-Koch-Institut hin, das angesichts erneut steigender Zahlen von Masernfällen zu Schutzimpfungen auffordert.

Besonders in Hamburg häufen sich derzeit die Masernerkrankungen. «Aktuell haben wir in Hamburg und im Landkreis Harburg 33 Verdachtsfälle», berichtet Rico Schmit von der Gesundheitsbehörde der Stadt. Bei bisher 18 Patienten sei die Diagnose labormedizinisch bestätigt worden. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr gab es insgesamt gerade einmal drei Masernerkrankungen in Hamburg.

Bundesweit sind dem Robert-Koch-Institut (RKI) für die ersten beiden Monate des Jahres 83 Fälle bekannt. Im Jahr 2007 waren es insgesamt 566 Fälle, ein Jahr später 916. Für das RKI Anlass genug, Alarm zu schlagen: «Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit», sagt RKI-Präsident Jörg Hacker. Ihm zufolge kann nur eine Schutzimpfung gegen die Erkrankung vorbeugen.

Masern sind eine weltweit verbreitete, hoch ansteckende Infektionskrankheit. Sie tritt häufig im Kindes- und Jugendalter auf, aber auch Erwachsene können sich anstecken - und erkranken dann oft schwerer als Kinder. Die Viren werden durch Tröpfcheninfektion übertragen - also beispielsweise durch Husten, Niesen oder Hände schütteln. Charakteristische Symptome sind rote Pusteln auf der Haut. Damit einher gehen oft Husten, Schnupfen, Fieber und Bindehautentzündungen, die Ursache für die Lichtscheu von Masernpatienten sind. Da Masernviren zu den ansteckendsten Viren überhaupt gehören, kann nur eine Impfung vorbeugen.

Oft verläuft die Erkrankung harmlos. Bei etwa jedem vierten Masernkranken kommt es jedoch zu Komplikationen: meist Lungenentzündung, Durchfall oder Mittelohrentzündung. Eine lebensgefährliche Hirnhautentzündung trifft im Schnitt einen von 1000 Patienten: In rund 20 Prozent der Fälle endet die Erkrankung tödlich; wer überlebt, trägt oft dauerhafte Schäden davon.

Wie gefährlich Masern werden können, zeigte sich insbesondere im Jahr 2006, als es nach der Bilanz des RKI rund 2300 Masernfälle in Deutschland gab, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen. Sie führten zu sieben Gehirnentzündungen, einer Hirnhautentzündung, 45 Mittelohrentzündungen, 51 Lungenentzündungen und zwei Todesfällen. 15 Prozent der Erkrankten mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Deutschland hat sich gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation das Ziel gesetzt, die Masern auszurotten. Doch dazu reichen die Impfquoten noch nicht aus, sagt RKI-Präsident Hacker. Impflücken gibt es seinen Angaben zufolge vor allem bei Jugendlichen. Rund ein Viertel von ihnen hat nach RKI-Studien keinen ausreichenden Schutz gegen Masern. Bei Kindern sind die Impfquoten in den vergangenen Jahren gestiegen. Doch sie liegen mit 87 bis 95 Prozent bei beiden erforderlichen Masern-Impfungen immer noch zu niedrig. Auch im Vergleich zu anderen EU-Staaten gibt es in Deutschland zu viele Masernfälle.

Nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am RKI (STIKO) sollten alle Kinder im Alter von 11 bis 14 Monaten geimpft werden, die zweite Impfung sollte im Alter von 15 bis 23 Monaten folgen. Die zweite Impfung ist keine Auffrischung, sondern zur Sicherheit da: Falls, was in seltenen Fällen passieren kann, die erste Impfung nicht gewirkt hat. Sollte sie versäumt worden sein, kann sie zu jedem Zeitpunkt nachgeholt werden. Geimpft wird mit abgeschwächten Viren, bei der in der Regel ein Kombinationsimpfstoff verabreicht wird, der auch gegen Mumps und Röteln, bei Kleinkindern auch gegen Windpocken gerichtet ist.

Außerdem empfiehlt die STIKO eine einmalige Impfung gegen Masern für alle, die im Gesundheitsdienst, in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Kinderheimen oder Schulen arbeiten oder Kontakt zu Menschen mit geschwächtem Immunsystem haben. «Zum Beispiel wenn ein Familienmitglied gerade Chemotherapie bekommt», sagt Susanne Glasmacher vom RKI. Dabei sollte man auch nach der Impfung aufpassen, denn auch die abgeschwächten Viren im Impfstoff können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich sein. Schwangeren wird von der Impfung abgeraten.

Etwa zehn Tage nach der Impfung können sogenannte Impfmasern auftreten - eine abgeschwächte Form der Krankheit, die aber nicht ansteckend ist. Außerdem löst das Virus eine sechswöchige Immunschwäche aus - der Organismus ist dann anfälliger für andere Infektionen. «Dass schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten, ist höchst selten», sagt RKI-Sprecherin Glasmacher. Auch die von Impfkritikern geäußerte Befürchtung, die Impfung könne bei Kindern Autismus auslösen, gelte inzwischen als widerlegt.

Für Patienten bis zum 18. Lebensjahr bezahlen die Krankenkassen die Impfung. Es fällt auch keine Praxisgebühr an. Erwachsene müssen die Kosten grundsätzlich selbst tragen. Fallen sie aus beruflichen Gründen unter die Empfehlung der STIKO, übernehmen die Krankenkasse oder der Arbeitgeber die Kosten.

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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 02.03.2009 22:32
von

na, wenn das die ganzen impfgegner und -verweigerer lesen... jene, die im an dieser stelle naiven misstrauen gegen den staat ihre kinder lieber direkt mit dem erreger in kontakt bringen (masern-partys genannt), um auf "natürliche" weise zu impfen. und das leben/die gesundheit ihrer kleinen zu riskieren... übrigens auch ein thema und leider - in der vergangenheit - auch ein unsäglicher trend.

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