Sa., 26.05.12

Bald Kassenleistung 02.03.2009 Hörtest für Neugeborene

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Während das Baby schläft, wird mit einem Echoscreengerät ein Hörscreening vorgenommen. Bild: dpa

Von Berrit Gräber

Die Hälfte aller angeborenen Hörstörungen wird erst im Kleinkindalter entdeckt. Dabei könnte ein einfacher Test das folgenschwere Handicap schon kurz nach der Geburt aufdecken. Die Kosten übernehmen von April an die Krankenkassen.

Schwerhörigkeit ist die häufigste angeborene Erkrankung. Ein bis zwei von 1000 Babys kommen jedes Jahr mit Hörstörungen auf die Welt, erklärt das Deutsche Grüne Kreuz. Erkannt wird die Schädigung aber meist erst viel später, im zweiten bis dritten Lebensjahr, wenn die Kinder nicht richtig sprechen lernen und in der Entwicklung zurückbleiben. In den ersten Monaten fällt es Eltern nur selten auf, dass ihr Baby nicht angemessen auf laute Geräusche reagiert oder nicht aufschaut, wenn sein Name gerufen wird.

Ein bundesweit angebotener Hörtest in den ersten Lebenstagen soll jetzt schwerhörige Neugeborene vor schlimmen Sprachstörungen bis hin zur Intelligenzminderung bewahren. Eigentlich sollte die Früherkennung schon seit Januar von den Krankenkassen bezahlt werden. Wegen des Tauziehens um die Gebühren (von etwa 17,50 Euro) wird es laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung aber nun voraussichtlich Anfang April, bis das Hörscreening vom Arzt abgerechnet werden kann.

Bis dahin können gesetzlich versicherte Eltern den Hörtest bei ihrem Baby über das Prinzip der Kostenerstattung abrechnen. Sie treten wie Privatversicherte in Vorleistung und bekommen das Geld dann in der Regel von der Kasse zurück.

Spezialisten wie Hans-Jürgen Nentwich vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) raten dringend dazu, den Test machen zu lassen. «Das ist zu 100 Prozent ohne Nebenwirkung für die Säuglinge, ganz ohne Belastung», betont der Mediziner. Die etwa zwei Minuten lange Untersuchung beider Ohren nach der Geburt verursache dem Kind keine Schmerzen. Der Hörtest wird gemacht, während das Kleine schläft.

Dazu schickt der Arzt mit einer kleinen Sonde ein leises Geräusch ins Ohr des Säuglings. Ein gesundes Innenohr reagiert darauf mit einer leichten Vibration, die von einem Messgerät erfasst wird. Kann das Kind das Signal nicht wahrnehmen, also reagiert das Gehör nicht, kann das ein Zeichen für Schwerhörigkeit sein.

Ergibt die erste Diagnose Anhaltspunkte für Hörprobleme, kann ein zweiter Test, die Hirnstammaudiometrie, endgültige Klärung bringen. Elektroden messen dabei elektronische Impulse des Hörnervs im Gehirn. Auf einem Bildschirm kann der Arzt erkennen, ob der Hörnerv des Babys auf akustische Reize reagiert. Auch diese Untersuchung wird während des Schlafs gemacht und ist schmerzfrei.

Wird Schwerhörigkeit nicht bald nach der Geburt entdeckt, kann ein Teufelskreis in Gang gesetzt werden, gibt Nentwich zu Bedenken. Zum einen wird das Gehör eines betroffenen Neugeborenen nicht richtig reifen. Das geschieht nämlich nur dann, wenn das Hörsystem auch benutzt wird, wenn sich also Trommelfell und Nervenstränge durch kontinuierliche Stimulierung ausbilden können. Ein schlechtes Gehör behindert zudem die sprachliche, intellektuelle, emotionale und soziale Entwicklung des Kindes massiv.

Werden bei dem Screening Hörprobleme festgestellt, bekommen taube oder stark schwerhörige Babys eine Hörprothese implantiert. Sie wandelt den Schall in elektrische Impulse um, die direkt ans Gehirn weitergeleitet werden. Je früher sie eingepflanzt wird, desto höher die Chance, richtig sprechen zu lernen. Weniger schwerhörige Kinder können mit einem speziellen Hör- und Sprachtraining gefördert werden.

car/gua
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