Nur noch ein halber Allesfresser
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Von news.de-Redakteur Jan Berger
Artikel vom 25.02.2009Fasten bedeutet Verzicht. Auf ein Laster, auf einen Luxus, oder auf etwas Alltägliches. Ich werde sieben Wochen kein Fleisch essen und auch auf Farbstoffe verzichten. Das heißt: Aufmerksam sein. Und einiges verändern.
Da brutzelt es in der Pfanne. Das letzte Stück Fleisch. Es riecht verführerisch. Hühnerbrust mit eingekochtem Balsamico. Vielleicht nicht das klassische Gericht, um mit dem Fleischverzehr abzuschließen. Aber ein unglaublich leckeres Essen, finde ich.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin kein Fleischfresser aus Überzeugung, kein Radikaler. Ich habe nichts gegen Vegetarier, bin mit einigen befreundet. Sogar die Schwester meiner Freundin verzichtet auf Fleisch. Für mich kein Grund, wieder auf Partnersuche zu gehen. Wenn ich ein überzeugter Fleisch-Fan wäre, würde wahrscheinlich auch jetzt ein saftiges Steak in der Pfanne liegen anstelle der Hühnerbrust.
Aber Fleisch gehört für mich einfach zu einem guten Essen dazu. Ich finde, die Drei-Komponenten-MahlzeitErnährungswissenschaftler empfehlen, dass eine Mahlzeit aus drei Komponenten bestehen soll. Es sollten Kohlenhydratträger, Eiweißträger (Putenbruststreifen, Steak oder Fisch) und Obst oder Gemüse enthalten sein. ist eine großartige Erfindung. Da hat man alles, was man braucht. Der zivilisierte Mensch ist eben ein Allesfresser, und das schließt konsequenterweise auch den Teil mit dem geschlachteten Tier ein.
Ich glaube nicht, dass ich in den nächsten Wochen körperliche Mangelerscheinungen verspüren werde. Immerhin esse ich noch Fisch und Eier, Käse und Gelatine. Aber ich muss mich dran gewöhnen, dass ich in einer Gaststätte nur noch fünf Gerichte zur Wahl habe. Ich muss damit leben, dass ich zu Hause eine (kleinere?) Extra-Portion kriege. Ich muss wahrscheinlich hundert Mal erklären, wieso ich kein Fleisch auf dem Teller haben möchte. Und ich muss mich auf das hämische Lachen der Kollegen in der Mittagspause einstellen, wenn ich einen griechischen Salat mit Feta und Oliven esse, sie aber kurz bei einem amerikanischen Bulletten-Brutzler einkaufen waren.
Diese psychologische Komponente reizt mich: Wie ist es, auf etwas zu verzichten, das für mich Alltag ist? Wie geht es mir, wenn ich im Supermarkt nachdenken muss und nicht mehr alles wahllos in einen Wagen schaufeln kann? Habe ich vielleicht irgendwann Entzugserscheinungen und laufe mit dem sprichwörtlichen Wasser im Mund herum?
Natürlich hat die Fastenzeit für mich auch ein anderes Element: Ich möchte ein Stück bewusster mit mir umgehen. Deshalb verzichte ich nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf Farbstoffe in Lebensmitteln. Das heißt, ich muss mir genauer anschauen, was ich einkaufe. Bei Obst und Gemüse achte ich schon darauf, mich nach der Saison zu richten, kaufe möglichst regionale Produkte und schaue schon mal in die Bio-Abteilung. Ich bestelle sogar regelmäßig bei einem Bauern, der bestimmte Sachen zu mir bringt.
Aber bei Fleisch und Fertigprodukten habe ich diese Sensibilität noch nicht. Da kaufe ich Sonderangebote und konventionelle Dinge. Auch wenn das mit Sicherheit nicht gesund ist. Und obwohl die Ökobilanz eines Schnitzels vom Discounter verheerend ist.
Ob ich in Zukunft komplett auf Fleisch verzichten werde? Ich bin gespannt. Vielleicht erreicht die Fastenzeit bei mir aber auch nur, dass ich mich von einem Alltagsessen verabschiede. Oder einen bewussten Genuss gewinne.
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