Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Fasten ist in Mode gekommen: Immer mehr Menschen steigen für eine Weile aus der Gemeinschaft der Esser aus und wollen sich und ihrem Körper dadurch etwas Gutes tun. Ob das aber wirklich gesund ist, darüber wird in Fachkreisen gestritten.
Die Beweggründe für den Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel sind ganz unterschiedlich: Die einen wollen das Abenteuer Fasten am eigenen Leib erfahren, andere sehen diese Zeit als Pause vom Alltag, in der sie nachdenken, Konflikte lösen oder ihr Leben neu ordnen wollen. Wer die Zeit von Aschermittwoch bis Ostern jedoch zum Anlass nehmen will, seine Fettpölsterchen loszuwerden, wird aller Voraussicht nach enttäuscht. Darin sind sich die Experten einig.
«Wer wirkungsvoll und gesund abnehmen möchte, muss sein Ernährungsverhalten langfristig umstellen und sich viel mehr körperlich bewegen», sagt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die Fastenzeit könnte dazu einen Impuls geben. «Doch wer danach wieder in die alten Lebensgewohnheiten zurückfällt, wird die paar Pfunde, die er abgenommen hat, bald wieder draufhaben», warnt Restemeyer. Hungerkuren könnten zwar dazu führen, dass man einige Kilo abnehme, man lerne aber nicht, sich so zu ernähren, dass man das reduzierte Gewicht auch halten könne.
Ähnlich sieht es Francoise Wilhelmi-de Toledo, Kodirektorin der Buchinger-Fastenklinik in Überlingen und Vorstandsmitglied der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung. Sie rät zudem, sich nicht kopflos in die Zeit ohne festes Essen zu stürzen. «Am besten ist es, den Termin lange im Voraus zu planen», sagt sie. Insbesondere Anfänger sollten sich nach Ansicht der Ärztin lieber ein paar Tage Urlaub nehmen: Dann habe man die Freiheit, sich je nach Befinden in der Natur zu bewegen oder sich auszuruhen. Berufsbegleitendes Fasten sei allenfalls für Fortgeschrittene ratsam.
Gesunden Menschen empfiehlt Wilhelmi-de Toledo eine Fastendauer von etwa 7 bis höchstens 15 Tagen. Als Einstimmung sollte man einige Tage vor Fastenbeginn anfangen, seine Lebensgewohnheiten anzupassen und etwa auf Kaffee und Alkohol verzichten, weniger Fleisch essen und genug schlafen. «Das erleichtert den Übergang», sagt die Expertin. Denn der Körper brauche drei Tage, um sich auf die enthaltsame Zeit einzustellen. In dieser Phase könnten unter anderem Müdigkeit und Kopfschmerzen auftreten.
Das Befinden bessere sich aber nach den ersten Tagen, berichtet die Ärztin. Dann fühlten sich Fastende in der Regel sehr wach, verspürten keine Hungergefühle und seien heiter. Grund für den Glückszustand: Der Körper schaltet seinen Stoffwechsel um, was zu einer erhöhten Ausschüttung des Glückshormons Serotonin führt. Einige Heilfastenanhänger berichten sogar von Kreativitätsschüben, andere erleben Energieschübe und eine Steigerung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit.
«Fastende sollten darauf achten, ausreichend zu trinken», sagt Wilhelmi-de Toledo. Zwei Liter Mineralwasser oder ungesüßter Kräutertee am Tag seien am besten geeignet. Die Ärztin empfiehlt zudem einen Teller Gemüsebrühe und ein Glas frischen Obstsaft täglich, damit der Körper mit einem Minimum an Mineralien und Vitaminen versorgt werde. Dies rege auch die Verbrennung des gespeicherten Körperfetts an, erläutert die Expertin.
Weitere positive Effekte des Fastens: Der Blutdruck sinkt, Kreislauf und Herz werden entlastet und der Körper wird entwässert. Nach vier bis fünf Tagen werden Eiweiß- und Fettreserven im Körper angegriffen. Schon in der Medizin des antiken Griechenlands wurde Fastens als Heilmethode eingesetzt. Heute nutzt man es, um ernährungsbedingten Krankheiten vorzubeugen oder ihren Verlauf positiv zu beeinflussen. Dazu zählen zum Beispiel Herz-Kreislauf-Krankheiten und Erkrankungen des Verdauungstraktes. «Bei Stoffwechselstörungen oder chronisch entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma kann Fasten durchaus eine positive Wirkung haben», sagt Wilhelmi-de Toledo.
Silke Restemeyer von der DGE warnt dagegen davor, allzu sorglos in die Fastenzeit zu gehen und zu glauben, man tue seinem Körper nur Gutes. «Der Körper brennt auf Sparflamme, wenn er keine oder nur wenig Nahrungsenergie erhält als er braucht», erklärt Silke Restemeyer von der DGE. Der Organismus greife dann seine Energiereserven an. «Und zwar nicht, wie erhofft, die zuvor fröhlich angemästeten Schwimmring an den Hüften, sondern die körpereigenen Kohlenhydratreserven in Leber und Muskeln.»
Wenn zu lange gefastet wird oder wenn Kinder, Kranke und Normalgewichtige fasten, kann der Angriff auf die Energiereserven laut der DGE-Expertin sogar gefährlich werden, da es zu einem bedrohlichen Abbau von Muskeleiweiß kommen kann. Auch bei kurzzeitigem Fasten können Probleme auftreten: Erschöpfung, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindelgefühl und Schweißausbrüche sind als Fastenkrisen bekannt. Auch Blutdruckabfall oder ein akuter Gichtanfall können Folgen des Fastens sein.
Ein weit verbreiteter Irrtum ist laut Restemeyer auch die Annahme, im Körper sammelten sich Schlacken oder Ablagerungen von Stoffwechselprodukten, die von Zeit zu Zeit durch eine Entschlackungskur entfernt werden müssten. Der menschliche Organismus scheide Endprodukte des Stoffwechsels bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr über die Niere, den Darm oder die Haut aus, erklärt die Fachfrau.
Wer sich dennoch für das Fasten entscheidet, sollte vorher einen Arzt aufsuchen und gegebenenfalls unter medizinischer Betreuung fasten. Er sollte auch daran denken, dass der Abschied von der Fastenzeit ebenso gemächlich angegangen werden sollte wie der Beginn. «Man sollte nicht zu schnell wieder im normalen Leben landen», rät Wilhemi-de Toledo. Denn wer zu rasch wieder zu viel esse, könne zum Beispiel Verdauungsprobleme bekommen. Von Schweinshaxe oder Pommes sollte man dann besser die Finger lassen.
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