Singles, aufgepasst Das ganze Leben ist ein Flirt

Singles haben am Valentinstag kein leichtes Dasein: Überall fröhliche Verliebte, Herzen und Blumen. Da hilft nur eines: Flirten. Aber wie? Dumme Frage. Es ist uns doch in die Wiege gelegt - sagen Evolutionsforscher.

Küssen (Foto)
Vor dem ersten Kuss kommt der Flirt - und der muss perfekt sein, will er sie für sich gewinnen. Bild: dpa

Flirten kann jeder, sagt auch Phillip von Senftleben. Er flirtet schon seit seinem achten Lebensjahr. Dabei sieht der inzwischen 47 Jahre alte studierte Jurist nicht gerade wie George Clooney aus. Klein ist er, geschätzte 1,70 Meter, hat blaue Augen, dunkle Haare und eine beginnende Glatze, weshalb er oft mit einer Baskenmütze unterwegs ist.

Seit vier Jahren flirtet er professionell. Angefangen hat das bei verschiedenen Radiosendern, für die von Senftleben als «Der Flirter» oder auch als «Womanizer» wildfremde Frauen in Büros anruft und sie so lange umgarnt, bis sie ihm ihre Privatnummer geben. Das klingt dann in etwa so: «Du hast eine zartbitterschokoladenmäßige Stimme». Oder: «Merken Sie das Knistern in der Leitung?» Inzwischen gibt von Senftleben auch Flirtseminare, und er hat ein Buch über die Geheimnisse des Flirtens geschrieben.

15 Flirttipps vom Profi: Sprüche, die unwiderstehlich machen

Mit Flirthilfen für Frau und Mann lässt sich Geld machen. Das hat nicht nur von Senftleben erkannt. Wer das Wort Flirttipps in eine bekannte Internetsuchmaschine eingibt, der erhält 440.000 Treffer mit den Links zu den unterschiedlichsten Flirtportalen und -schulen. Da erfahren schüchterne Männer, wie sie eine Frau «richtig anmachen», werden «todsichere Erfolgsrezepte» verraten, und plaudert ein «zertifizierter Herzenskrieger» seine Geheimnisse aus.

Natürlich haben sich auch Forscher mit dem Flirt beschäftigt – rein wissenschaftlich. John Rempel von der St. Jeromes Universität in Waterloo definiert erst einmal, wovon überhaupt die Rede ist: «Auf den Punkt gebracht ist Flirten Interesse ausdrücken», sagt der Psychologe. Oder jemandem Aufmerksamkeit schenken. Dass wir uns dabei manchmal ungeschickt anstellen, führt der Forscher auf die Angst vor Zurückweisung zurück. Deshalb sein Rat: Die Flirtangel ganz subtil auswerfen. Umso geringer ist die Gefahr des Scheiterns.

Lesen Sie auf Seite 2, warum wir überhaupt flirten

Stellt sich die Frage, warum wir überhaupt flirten. Evolutionsforscher haben darauf eine simple Antwort: Es liegt in unseren Genen. Sie glauben, dass die Menschen «die nonverbalen Interaktionsverhaltensweisen, die den heterosexuellen Beziehungs-Initiations-Prozess befeuern», zuerst gekonnt einsetzten und diese Verhaltensweise in der Folge ihres Erfolgs weitervererbten. Wie in der Tierwelt gibt es also eine biologische Funktion der Interaktion mit einem Artgenossen: die Fortpflanzung. Es soll ja auch Flirtwillige geben, die tatsächlich auf Partnersuche sind.

Auf der Suche nach dem Richtigen fallen jedoch manche Frauen böse rein. Auch damit hat sich die Forschung beschäftigt. Der US-Psychologe Andrew Clark von der Universität Bristol hat herausgefunden, dass bestimmte Frauen auf den Typ Mann fliegen, der sie am besten überzeugen kann, ein guter Liebhaber zu sein. Für den Moment. Und das ist laut Clark offenbar der Mann, der am schönsten flirtet. Hinter dem strahlenden Lächeln verblasst der böse Schurke, der sich dahinter verbirgt.

Es soll auch Menschen geben, die in einer glücklichen Partnerschaft leben und trotzdem nicht aufhören können zu flirten. Sie können ihre Flirtlust getrost auf die Bindungstheorie von John Bowlby zurückführen. Der britische Psychiater spricht nämlich von zwei gegensätzlichen Bedürfnissen des Menschen: der Bindung und der Exploration. Schon im Kindesalter sucht man Bowlby zufolge einerseits die Geborgenheit und Sicherheit in der Familie, andererseits will man die Welt entdecken und unabhängig sein. Dieses Verhalten wird auch auf die Beziehungswelt übertragen, wo wir einerseits Halt in einer festen Partnerschaft suchen, uns andererseits aber auch Abenteuer wünschen.

Manche sehen den Flirt auch als eine einfache und schnelle Möglichkeit zur Persönlichkeitsentwicklung an. So verleiht ein Flirt nicht nur Selbstsicherheit, sondern auch die Gewissheit, noch attraktiv und begehrt zu sein. Außerdem fördert Flirten eine gewisse Sprachkompetenz und eine soziale Kompetenz, da viele Flirts zu einem größeren Freundeskreis führen.

Schließlich bleibt noch zu erwähnen, dass Flirten auch einfach Spaß machen kann. Es kann dazu dienen, die Laune aufzubessern. Britische Forscher haben festgestellt, dass schon der Blickkontakt mit einem unbekannten, attraktiven Menschen Glücksgefühle erzeugt. Und bei Männern lässt Flirten sofort den Testosteronspiegel ansteigen, ergänzen Forscher der Universität Chicago.

Lesen Sie auf Seite 3, welche Erfolgsrezepte der Profiflirter hat

Von daher dürfte Phillip von Senftleben ständig auf Wolke sieben schweben. Er flirtet ja von Berufs wegen. Sein Erfolgsrezept? Erst einmal auffallen. Etwa durch Kleidung (muss zum Flirtopfer passen), durch Musik (wieso nicht mal Mozart im Cabrio hören?) oder durch das, was man sagt - wobei es auf den Tonfall ankommt. «Sprechen Sie ruhig und mit sanfter Stimme», empfiehlt von Senftleben. Das spreche für ein gesundes Selbstbewusstsein und für ein gesundes Erbgut. Apropos Stimme: Hoch und fistelig sollte sie nicht klingen. Das suggeriert, dass man etwas haben möchte. Wer in einem tiefen Tonfall spricht, verrät dagegen, dass er etwas zu geben hat.

Der Berufsflirter rät, sich einige Eröffnungssprüche auszudenken, die natürlich nicht auswendig gelernt klingen dürfen. Man könnte zum Beispiel eine Dame aus dem Auto heraus fragen: «Entschuldigung, wo möchte ich eigentlich hin?» Humor kommt bei der Damenwelt immer an, sagt von Senftleben. Damit das Gespräch im Gang bleibt, flicht der Experte verbale Lückenfüller ein – etwa in der Art von «Ihr Haar hat denselben Farbton wie das Herbstlaub».

«Man muss das ganze Leben als Flirt begreifen», sagt von Senftleben. Und: «Niemand bleibt nach meinen Seminaren länger als 14 Tage ungeküsst.» Er selbst hat die Liebe fürs Leben noch nicht gefunden. Angeblich, weil ihm die Richtige zu oft über den Weg läuft.

Mehr Flirttipps: Phillip von Senftleben: Das Geheimnis des perfekten Flirts, 190 Seiten, 8,95 Euro, Rowohlt, Hamburg 2008. Oder im Internet: www.der-flirter.de.

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