Von Andrea Löbbecke
Kennen Sie das? Er zieht mit Kumpels durch die Kneipen, während Sie alleine zurückbleiben und das Gefühl der Eifersucht in Ihnen aufsteigt? Viele Paare werden in der Fastnacht auf eine harte Beziehungsprobe gestellt, die einige nicht bestehen.
Natürlich gibt es dieses Phänomen auch in umgekehrter Form: Sie amüsiert sich, als Teufelin verkleidet, mit ihren Freundinnen auf der Weiberfasnacht, während er von der Angst gequält wird, betrogen zu werden. Wenn sich Stubenhocker und Fasneachtsnarr ineinander verlieben, stellt sich meist auch Beziehungsstress während der närrischen Tage ein.
Gisela aus Köln kann ein Lied davon singen. «Mein Mann ist eine Spaßbremse - was Karneval angeht», sagt sie. Darum geht die 36-Jährige lieber alleine feiern. «Einmal hatte er mir versprochen, mitzugehen. Zwei Stunden bevor es losging, hatte er dann doch keine Lust.»
Damals sei sie richtig sauer geworden, aber inzwischen steht fest: «Wenn er keinen Bock hat, soll er zu Hause bleiben.» Damit haben sich beide gut arrangiert. In vielen anderen Beziehungen ist die unterschiedliche Feierlaune dagegen ein Dauer-Streitthema.
«Dies ist ein häufiges Problem und hängt oft mit Eifersucht zusammen», sagt der Diplom-Psychologe Manuel Tusch aus Köln. Seine Patienten hätten Angst, betrogen zu werden, wenn ihr Partner alleine ausgeht. «In meiner Praxis habe ich die Erfahrung gemacht, dass eher die Männer mit Kumpels feiern gehen wollen und die Frauen eifersüchtig sind», sagt der Paartherapeut. Dabei sei diese Eifersucht in vielen Fällen nur ein Symptom dafür, dass es in der Beziehung grundsätzlich ein «Vertrauensproblem» gibt.
In seinen Beratungsstunden setzt Tusch an diesem Punkt an: Wie können beide Partner dem anderen wieder vertrauen? «Ob jemand eifersüchtig ist, hat sehr häufig mit früheren Erfahrungen zu tun», erklärt der Experte. Das kann die Trennung der Eltern sein oder ein untreuer Ex-Freund.
In der Therapie will er die Partner dazu bringen, den anderen ernst zu nehmen - auch wenn dessen Ängste noch so albern erscheinen. «Grundsätzlich ist es wichtig, dass man bestimmte Dinge unabhängig voneinander unternimmt», sagt der Psychologe. Daher sollte in einer Beziehung jeder versuchen, die Bedürfnisse des Partners zu respektieren. Der andere müsse jedoch auch Verlustängste ernst nehmen. Dass einer frustriert zu Hause sitzt, sei keine Lösung.
Das sieht die Therapeutin Ulrike Rachow aus Köln ähnlich: «Wenn jemand gezwungenermaßen daheimbleiben muss - nur dem Partner zuliebe, - wird er unter Umständen eher mal fremdgehen oder kommt gar vom Zigarettenholen nicht zurück.» In ihren Sitzungen ermuntert sie den introvertierteren Partner, die eigenen Wünsche zu äußern: ein Besuch in der Disco, ein Wellness-Wochenende mit der Freundin zum Beispiel.
Fängt die bisherige Stubenhockerin an, alleine auszugehen, bewirke das oft Wunder. «Der Partner ist meist ziemlich erstaunt - und bleibt dann häufig ganz von selbst eher mal zu Hause», erzählt Rachow. Sie will die Partner dazu bringen, sich in den anderen hineinzuversetzen und Verständnis aufzubringen. «Wenn einer gerne feiern geht und vom Partner verstanden wird, der fühlt sich geliebt und angenommen. Der geht weniger fremd, als wenn er ständig angezänkert wird.»
Nach Tuschs Erfahrungen haben sich zur Lösung der Probleme konkrete Absprachen bewährt. Beispielsweise verspricht der Mann, etwas Spezielles für seine Partnerin zu tun, wenn er dafür einmal im Monat mit den Kumpels «auf die Piste» gehen darf. Oder die Frau nimmt sich etwas Schönes als Alternative vor. «Bei einem Paar etwa geht sie über Karneval mit Freundinnen zum Skifahren, er geht feiern.»
car