Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Rund 1800 Mädchen und Jungen erkranken jährlich in Deutschland an Krebs. Von einem Tag auf den anderen werden sie aus ihrem normalen Leben gerissen - eine enorme Belastung für die ganze Familie. Der heutige Weltkrebstag ist daher den erkrankten Kindern gewidmet.
Nein, der Krebs ist kein Spaziergang. «Wer das Gegenteil behauptet, hat keine Ahnung», sagt Leann im Forum des Onlineportals onko-kids.de. 2005 erkrankte sie an einem Hirntumor. Seither kämpft sie gegen den Krebs und «für mein Leben», wie sie sagt. Leann teilt ihr Schicksal mit Nuni, die an Non-Hodgkin[/tt] erkrankt ist, der sich «wie ein roter Faden» durch ihr Leben und das ihrer Familie zieht. Und mit Lucy, die als Vierjährige an einem [tt=Das Osteosarkom ist der häufigste bösartige Knochentumor. Er zerstört umliegende Knochen und Gelenke.]Osteosarkom im linken Oberschenkel erkrankte. Das Bein war nicht mehr zu retten, und daher lebt Lucy heute mit einer Umkehrplastik.
Jedes Jahr erkranken weltweit 160.000 Kinder an Krebs, 1800 sind es in Deutschland. Krebs ist die zweithäufigste Todesursache bei Menschen im Alter bis zu 14 Jahren, so die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ihr zufolge wird die Zahl der Krebserkrankungen bei Kindern und Erwachsenen in den nächsten Jahren von 10 auf 15 Millionen Fälle pro Jahr steigen, was auf die steigende Lebenserwartung, aber auch den Lebensstil der Menschen in den Industrieländern zurückzuführen sei.
Etwa die Hälfte der erkrankten kleinen Patienten leidet unter Leukämie und Lymphomen; es folgen Hirntumore, das Neuroblastom als Tumor des Nervensystems, und schließlich der Wilms-Tumor, auch Nephroblastom genannt, der sich in der Niere entwickelt.
Viele Eltern machen sich Vorwürfe und fragen sich, warum es ihr Kind trifft, ob sie schuld an der Erkrankung sind und ob sie etwas zur Vorbeugung hätten tun können. Dr. Gesche Tallen vom Online-Infodienst Kinderkrebsinfo.de kann Eltern zumindest diese Sorge nehmen: Trotz intensiver Forschung sei bis heute nicht eindeutig geklärt, warum Kinder und Jugendliche an Krebs erkranken. Dass menschliches Versagen dahinter stecke, sei jedenfalls wissenschaftlich nicht belegt.
Möglicherweise hätten Veränderungen im Erbmaterial, die aus einer gesunden Zelle eine Tumorzelle gemacht haben, bereits vor der Geburt ihren Anfang genommen. «Aber der Krebs selbst ist keine Erbkrankheit», betont Tallen.
Galt die Diagnose Krebs noch vor 20 Jahren als fast sicheres Todesurteil, können heute 75 Prozent aller krebskranken Kinder und Jugendlichen dauerhaft geheilt werden; bei einigen Krebsarten sind es sogar mehr als 90 Prozent. Fachleute führen diese Erfolge auf die Verbesserung der Therapien, insbesondere der Chemotherapie, aber auch auf eine bessere Vernetzung führender Experten hin.
So haben sich zum Beispiel im Kompetenznetz Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (KPOH) Deutschlands Kinderonkologen und Kinderhämatologen zusammengeschlossen, um ihr Wissen und ihre Forschungsarbeiten zu vernetzen. Mit Erfolg: Die Heilungsraten bei Krebserkrankungen im Kinder- und Jugendalter in Deutschland sind die höchsten in der ganzen Welt.
Doch nicht nur an Krebs erkrankte Kinder stehen im Mittelpunkt des heutigen Weltkrebstages. Es geht um alle Kinder, um einen gesunden Lebensstil und die Vorbildfunktion von Eltern. Dazu gehört der Schutz vor dem Passivrauchen und vor zu viel UV-Strahlung. Ebenso wichtig sind aber auch gesunde Ernährung und viel Bewegung.
«Jedes fünfte Kind ist heutzutage bereits übergewichtig – das ist sehr bedenklich», erläutert Professor Dr. Dagmar Schipanski, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe, und weist auf die Bedeutung eines gesunden Lebensstils schon in jungen Jahren hin:. «Gesundheitsbewusstes Verhalten in frühen Lebensjahren erhöht die Chance auf ein langes und gesundes Leben.»
Falsche Ernährung, zu wenig Bewegung und Übergewicht sind laut Schipanski verantwortlich für 30 Prozent aller Krebserkrankungen in Deutschland. «Kinder lernen durch Nachahmung, durch positive, aber auch durch negative Vorbilder. Helfen Sie ihnen dabei, dass eine gesunde Lebensweise im Alltag selbstverständlich wird», fordert Schipanski Eltern und Erziehungsberechtigte auf.
Die Deutsche Krebsgesellschaft schließt sich dem Appell der Krebshilfe an. «Wir verfügen schon länger über gesicherte Daten, dass Übergewicht nicht nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes begünstigt, sondern auch Krebs», sagt Professor Werner Hohenberger, Präsident der Krebsgesellschaft.
Übergewichtige haben laut der weltgrößten Ernährungsstudie EPIC (European Prospective Investigation into Cancer und Nutrition) ein um 20 bis 40 Prozent höheres Risiko für Nieren-, Speiseröhren-, Brust-, Dickdarm- und Gebärmutterkrebs. Neben einem hohen Anteil älterer Menschen seien mit sieben bis elf Prozent der 14- bis 17-Jährigen auch erschreckend viele Jugendliche übergewichtig.
www.krebsgesellschaft.de: Die Deutsche Krebsgesellschaft ist die größte onkologische wissenschaftliche Fachgesellschaft in Deutschland, in der rund 6000 Krebsexperten zusammenarbeiten. In Arbeitsgemeinschaften erforschen Mediziner und Naturwissenschaftler die grundlegenden Mechanismen der Krebsentstehung, entwickeln neue Diagnosemethoden und Therapieformen und verbessern die Prävention und Nachsorge vom Tumorerkrankungen.
www.kinderkrebsinfo.de: Das Portal enthält Hintergrundinformationen zu Erkrankungen, zum Klinikaufenthalt und zur Nachsorge. Außerdem geben Ärzte Antwort auf typische Fragen, die sich Eltern krebskranker Kinder stellen.
www.kinderkrebsstiftung.de: Hier finden Eltern viele Informationen rund um das Thema Krebs im Kindesalters, können Bücher und Broschüren bestellen sowie Kontakte zu anderen betroffenen Eltern knüpfen und Erfahrungen austauschen.
www.onko-kids.de: Mit Hilfe des Internet ermöglicht dieses Portal Kindern, Jugendlichen und ihren Familien eine bisher in Deutschland noch nicht existierende Form der Kommunikation. Es gibt einen Chat, Foren, Infos, Bilder, Spiele und sogar ein virtuelles Klinik-Café, in dem sich Patienten aus bestimmten deutschen Kinderkliniken treffen können.
www.kinderkrebshilfe.de: Die Deutsche Krebshilfe finanziert zahlreiche der gegenwärtig in Deutschland laufenden Therapiestudien bei Krebserkrankungen im Kindesalter. Auf dem Internetportal zeigt das Maskottchen Maari, wie wichtig nicht nur die bestmögliche medizinische Versorgung, sondern auch Trost und Zuwendung für jedes Kind sind - und wie jeder dabei helfen kann, Versorgung und Zuwendung auch zu sichern.
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