Die Zahl der Organspenden ist im vergangenen Jahr in Deutschland deutlich zurückgegangen. Bundesweit spendeten nur noch 1198 Menschen nach ihrem Tod schwer kranken Patienten Organe - 8,8 Prozent weniger als 2007.
Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), welche die Zahlen heute in Frankfurt präsentierte, machte das im Sommer 2007 geänderte Gewebegesetz für den Rückgang der Organspenden verantwortlich. Es bürokratisiere Organspenden und habe zu Unsicherheit in den Kliniken geführt.
Angesichts des Rückgangs forderte der DSO-Vorstand die Bundesregierung zu durchgreifenden Reformen auf. Die Kompetenzen der Stiftung müssten erweitert werden, verlangte deren medizinischer Vorstand, Professor Günter Kirste.
Es gibt aber einen Lichtblick: Gegen den Trend habe Nordrhein-Westfalen als einziges Bundesland eine Steigerung von knapp acht Prozent bei den Spenden verzeichnet. Dies sei auf die politische Unterstützung in Düsseldorf für die Organspenden zurückzuführen, meinte die DSO. Seit Dezember 2007 seien in den NRW-Kliniken Transplantationsbeauftragte verbindlich vorgeschrieben.
Kirste wies darauf hin, dass bundesweit die Organspende nach dem Transplantationsgesetz aus dem Jahr 2002 die Gemeinschaftsaufgabe vieler Beteiligter wie Krankenhäuser, Gesundheitsverwaltungen, Ärztekammern und Ministerien sei. «Jeder kann sich hinter dem Begriff Gemeinschaftsaufgabe verstecken, es gibt zu wenige Verbindlichkeiten», kritisierte der Mediziner. Laut DSO sterben in Deutschland jährlich rund 1000 Patienten, die auf ein Organ warten. Nierenpatienten warteten durchschnittlich fünf bis sechs Jahre auf eine Transplantation.
«Die Verteilung wird immer schwieriger, weil es immer weniger Organe gibt», sagte Roland Hetzer, Direktor des Deutschen Herzzentrums in Berlin, kürzlich in einem Gespräch mit der Deutschen Presse Agentur. 79 Prozent der Menschen stehen dem Spenden der eigenen Organe nach dem Tod laut einer Forsa-Umfrage positiv gegenüber - aber nur 14 Prozent haben einen entsprechenden Ausweis. Rund 12.000 Menschen in Deutschland warten auf ein Organ. Etwa 4000 Organe werden pro Jahr gespendet. Die genaue Zahl aus dem Jahr 2008 beläuft sich auf 3945 - 2007 waren es noch 4140 gespendete Organe.
«Die Kliniken sind verpflichtet, Hirntote als Organspender zu melden, aber sie tun es zu selten», kritisiert Hetzer. DSO-Vorstand Günter Kirste sagt: «Die Krankenhäuser sind völlig überfordert damit.» Stress auf den Intensivstationen und klamme Kassen prägen den Alltag vieler Kliniken. Krankenhausärzte nehmen sich oft nicht die Zeit, angesichts des Todes eines Patienten auf die trauernden Angehörigen zuzugehen und die heikle Frage zu erläutern: Wie stand der Tote wohl zur Organspende? Die Organentnahme selbst verursacht zusätzliche Arbeit.
Als Erfolgsmodell für die Umsetzung der Organspende betrachtet die DSO Spanien mit 34 Spendern pro eine Million Einwohner. Dort beruhe der Erfolg auf einer übergeordneten Zuständigkeit der Spendeorganisation für die Bereiche Spendererkennung, Spenderbehandlung, Gesprächsführung mit den Angehörigen sowie der Organisation aller Abläufe.
Hetzer befürwortet die etwa in Österreich gültige Widerspruchsregelung: Jeder ist hier ein potenzieller Organspender - außer der Gestorbene hat einen ausdrücklichen Einspruch hinterlassen oder seine Angehörigen sind dagegen. Bei Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt stößt diese Forderung auf taube Ohren. Sie findet, «dass der Mensch selbst entscheiden muss». Auch Kirste ist skeptisch. Das Kernanliegen des DSO-Chefs ist ein Ende des Kompetenzwirrwarrs: «Wir brauchen eine Organisation mit klaren Kompetenzen.»
Ein Bericht des Gesundheitsministeriums zur Wirkungsweise des Transplantationsgesetzes verzögert sich seit längerem und soll nun im ersten Halbjahr vorgelegt werden. Er dürfte die Debatte weiter anheizen. Das Gesetz hat nach Hetzers Ansicht gewirkt - allerdings «nachteilig». Er meint: «Es gibt in Deutschland viele Leute, denen die Toten wichtiger sind als die Lebenden.»
car
Organspende wäre sicher eine sinnvolle Angelegenheit, aber von Toten wollen die gar keine Organe, sondern nur von Lebenden. Bei der Organentnahme muss Herz und Puls noch noch schlagen. Das schreckte mich ziemlich ab, als ich die Hinweise beim Organspendeausweis las. Die haben wirklich kein Interesse an den Organen von Verstorbenen, selbst wenn diese noch jung waren. Nur von Lebenden, die z.B. einen Unfall hatten, werden die Organe herausgeschnitten und danach wird die Maschine erst abgestellt. Ich meine die Maschine sollte mindestens einige Stunden vor der Organentnahme abgestellt werden. Erst wenn so der Tod festgestellt wird, sollte eine Entnahme möglich sein.
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