Sa., 26.05.12

Weihnachts-Psychologie 20.12.2008 Schenken kann kränken

Weihnachten (Foto)
Bescherung unterm Weihnachtsbaum: Hoffentlich sind die passenden Geschenke dabei. Bild: ddp

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen

Weihnachten ist zwar offiziell das Fest der Liebe. Doch vor allem ist es die Zeit des Schenkens. Und diese Kunst will gelernt sein. Denn Geschenke können nicht nur viel Freude bereiten, sie sorgen mitunter auch für Frust und Enttäuschung.

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«Ach wie schön! Eine Krawatte! Vielen Dank!» So heucheln viele beim Anblick eines Geschenks, das sie nach den Festtagen ganz hinten im Schrank verstecken. Nur wenige sind ehrlich und sagen, dass ihnen das nicht gefällt, was unterm Christbaum lag.

Das ergab eine Umfrage unter 1001 Menschen im Auftrag des Magazins Reader's Digest. Danach beschweren sich 38 Prozent der Deutschen nicht über ein unpassendes Weihnachtsgeschenk. Ein Viertel behauptet sogar, zufrieden zu sein mit dem Präsent – auch wenn dies nicht die Wahrheit ist. Nur 33 Prozent sagen dem Schenker, wenn ihnen etwas nicht gefällt – meist Frauen.

Frauen sind nicht nur ehrlicher als die Männer, sondern auch großzügiger, wenn es ums Schenken geht. Das gilt auch bei Geschwistern für die ältesten und die jüngsten; Sandwich-Kinder – also die mittleren Kinder – dagegen strengen sich weniger an. Das haben norwegische Forscher von der Universität in Oslo herausgefunden und dafür gleich eine psychologische Erklärung mitgeliefert: Da die Erstgeborenen meist den Eltern im Verhalten mehr ähneln und es einfacher für sie ist, sich ihnen zu öffnen, brauchen später Geborene andere Strategien, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Weihnachten sei ein sehr familiäres Fest und entsprechend könnten mittlere Geschwister weniger Motivation haben, mit großzügigen Geschenken daran teilzuhaben, sagen die Forscher, die auch noch andere Aspekte des weihnachtlichen Schenkens untersucht haben. Dazu haben sie 50 Absolventen der Universität befragt. Dabei ging es sowohl um die Geschenke, die die Befragten machten, als auch um solche, die sie bekommen hatten.

Lesen Sie auf Seite 2, warum Frauen großzügiger sind

Dass Frauen insgesamt großzügiger beim Verschenken sind, liegt nicht an deren häufig stärker ausgeprägten Kauflust. Sondern daran, dass Frauen nach einer Heirat früher bei den Eltern auszogen, während die Männer eher im Elternhaus blieben.

Die Frauen müssten dann dafür sorgen, bei ihren Schwiegereltern gut aufgenommen zu werden, was unter anderem durch Geschenke geschehe. Sie kaufen demnach teurere Geschenke und beschenken insgesamt mehr Leute als Männer. Und sie basteln auch eher als Männer – möglicherweise, weil sie künstlerisch begabter sind, aber dem sind die Norweger nicht nachgegangen.

Ein weiterer Aspekt, der das Schenken zwischen Kindern und Eltern beeinflusst, war laut Studie die geografische Entfernung der Wohnorte. Das meiste Geld für ihre Eltern gaben die Befragten aus, die einander am nächsten wohnten. Die Forscher erklären dies damit, dass Menschen, die sich öfter sehen, auch stärkere Bindungen aufbauen. Auf der anderen Seite könnten Geschenke auch Bindungen halten, die durch weite Entfernungen geschwächt wurden.

Partner bekommen als Nichtverwandte die teuersten Geschenke. Das ist ein Nachteil für die Mütter, die weniger teure Geschenke bekommen, wenn ihr Kind liiert ist. Entweder liegt das an dem weniger ausgeprägten Hilfebedürfnis des Kindes gegenüber der Mutter, oder die Ausgaben für das teurere Geschenk für den Partner werden so kompensiert, meinen die Forscher.

Lesen Sie auf Seite 3, was teure Geschenke bedeuten

Apropos teuer: Der Beschenkte spürt die Botschaften, die beim Schenken mitschwingen. Teure und sehr persönliche Geschenke wie Schmuck wollen binden oder beeindrucken. Pädagogische Geschenke wie das gute Buch sagen «Du könntest mehr für deine Bildung tun!» Sie stellen eine Aufforderung dar und daher auch eine Enttäuschung. Der Schenker sieht dabei nur sich selbst und seinen Anspruch an das Gegenüber.

Viele Menschen machen sich Gedanken, was Sie einem lieben Menschen schenken sollen und greifen dann trotzdem daneben. Weil sie so vieles falsch machen können, geben viele Schenker trotz Überlegung auf. Manches Geschenk geht aber auch auf Desinteresse zurück. Besonders lieblos sind Dinge, die einfach weiter geschenkt werden. Schwierig sind auch Geldgeschenke. Sie symbolisieren häufig: «Ich habe mir keine Gedanken gemacht». Sie sind nur dann sinnvoll, wenn sie mit einem Zweck verbunden sind, zum Beispiel Geld für einen Kaffeeautomaten oder für Urlaub.

Manche haben das Schenken zu Weihnachten abgeschafft. Askese ist eine Form der Verweigerung, damit entgeht einem aber auch viel Schönes. Denn Schenken macht Spaß – nicht nur demjenigen, der die Gaben erhält, sondern auch demjenigen, der gibt. Damit am Ende niemand gekränkt unter dem Weihnachtsbaum sitzen bleibt, sollte man ruhig ein bisschen mehr schenken, selber basteln und die Mama nicht vergessen - vor allem, wenn man ein Sandwich-Mann ist.

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