Mobbing ist Schulalltag
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Von Stefanie Hiekmann
Artikel vom 03.12.2008Mobbing ist nicht nur ein Ausdruck von Neid und Eitelkeiten in Managerbüros. Auch Kinder und Jugendliche sind Opfer von Ausgrenzung und systematischer Schikane. Das kann Auswirkungen auf Körper und Seele haben.
Dem Gemobbten steht dabei oft eine Gruppe von Schülern gegenüber, die ihn morgens, nachmittags und manchmal auch nachts am Telefon schikaniert, missachtet, austrickst oder bloßstellt.
Als Schwächerer schafft es das Opfer meist nicht, allein aus der Situation herauszukommen. Können Außenstehende helfen? Mitschüler, die Mobbing in ihrer Klasse beobachten, stehen oft vor der Frage: «Was passiert, wenn ich mich für meinen gemobbten Mitschüler einsetze?» Schließlich besteht das Risiko, selbst das nächste Opfer zu sein.
Diese Fragen beschäftigen viele Schüler, sagt Frank Schallenberg, Diplom-Sozialpädagoge aus München. Im Jugendinformationszentrum der Landeshauptstadt bietet er jungen Menschen eine «Mobbing-Beratung» an. «Eine Mobbing-Situation wird immer von der ganzen Klasse mitgetragen», sagt Schallenberg. Für die einen geschehe das jedoch bewusster als für die anderen. Letztendlich seien aber neben dem gemobbten Schüler alle Mitschüler Leidtragende und die gesamte Klassenkultur betroffen. «Das Wichtigste ist, dass man die Mobbingsituation nicht zulässt.» Eine aktive Reaktion der Mitschüler sei das A und O.
Doch diese Reaktion bleibt oft aus: Viele Mitschüler, die scheinbar unbeteiligt den Schultag hinter sich bringen oder sogar Teil der Gruppe der Mobber werden, handelten aus der Not heraus so, sagt Torsten Gottschall, Diplom-Sozialpädagoge beim Mobbingnetzwerk-Nord in Kiel. «Es ist schlichtweg die Angst, das nächste Mobbingopfer zu werden.» Daher sei die Gruppe, die sich mit dem Gemobbten identifiziert, Mitleid hat und ihm hilft, oft sehr klein. Der Kreis der aktiven Mobber, der Mitläufer, die zu den Starken und Beliebten gehören wollen, und derjenigen, die einfach wegsehen, sei oft deutlich größer.
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