Von news.de-Redakteurin Mara Schneider
Im Winter ist das menschliche Immunsystem besonders angreifbar. Zahlreiche Krankheitserreger haben es darauf abgesehen, uns das Leben schwer zu machen. Ein gut gefüllter Vitamin-C-Haushalt ist eine wichtige Waffe im Kampf gegen Erkältung und Co.
Damit unser Immunsystem richtig funktioniert, brauchen wir zahlreiche Nährstoffe, darunter auch Vitamin C. Die heilende Wirkung dieses in der Chemie als Ascorbinsäure bezeichneten Stoffes auf den menschlichen Organismus ist seit etwa 200 Jahren bekannt. Bis ins 18. Jahrhundert war Skorbut eine der häufigsten Todesursachen auf See. Um 1750 entdeckte der englische Schiffsarzt James Lind, dass sich Matrosen, die ausreichend Zitrusfrüchte verzehrten, schnell von der Krankheit erholten.
Bis der Begriff Vitamin C geprägt wurde, verging aber noch mehr als ein Jahrhundert. 1921 führte der Biochemiker Sylvester Zilva diese Bezeichnung für jene aus Zitronensaft isolierte Substanzen ein, die Skorbut heilen konnten. Mittlerweile ist bekannt, dass es sich bei Skorbut um eine Mangelerscheinung handelt. Wer zu wenig Vitamin C aufnimmt, läuft Gefahr, seine Zähne zu verlieren, ist anfälliger für Infektionskrankheiten, fühlt sich permanent müde und erschöpft, leidet an Hautproblemen, Muskelschwund, Knochenschmerzen und Gelenkentzündungen. Am Ende stirbt der Körper an Herzschwäche.
Skorbut gilt als weitgehend aus den Industrieländern verbannt. Wer sich hierzulande ausgewogen ernährt, nimmt über Obst und Gemüse ausreichend Vitamin C zu sich. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen etwa 100 Milligramm täglich. Bei stillenden Frauen und Rauchern liegt der Tagesbedarf bei 150 Milligramm, Kinder sollten 50 bis 100 Milligramm zu sich nehmen.
Gute Vitamin-C-Lieferanten sind beispielsweise Zitrusfrüchte. Je nach Größe reichen zwei bis drei Orangen, um den täglichen Bedarf zu decken. Zu den Top 5 Vitaminbomben gehören die südamerikanische Frucht Camu-Camu – hierzulande meist nur als Nahrungsergänzungsmittel in Pulverform erhältlich – sowie Hagebutte, Sanddornbeere, Acerolakirsche und Guave. Aber auch Kohlsorten, Paprika und Brokkoli enthalten reichlich Ascorbinsäure.
Um so viele der wichtigen Nährstoffe wie möglich zu erhalten, gilt es bei der Lagerung von Obst und Gemüse einiges zu beachten, denn Vitamin C reagiert empfindlich auf Licht, Wärme und Sauerstoff. Beim Kochen, Trocknen oder Einweichen etwa sinkt der Vitamingehalt.
Studien zufolge ist Tiefkühlgemüse mittlerweile eine gute Alternative. So haben Wissenschaftler der Universität Hamburg gemeinsam mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften herausgefunden, dass Gemüse aus der Kühltruhe Vitamine und andere Nährstoffe über einen längeren Zeitraum optimal bewahrt. Der Vitamin C-Gehalt von tiefgekühlten Bohnen, die bei minus 18 Grad gelagert wurden, betrug nach einem Jahr noch immer 80 Prozent. Im Kühlschrank hingegen gingen bereits nach wenigen Tagen über 60 Prozent Vitamin C verloren.
Wer regelmäßig Obst und Gemüse ist, tut seinem Körper viel Gutes. Gerade im Winter, wenn das Immunsystem durch die ständigen Temperaturschwankungen, trockene Heizungsluft und Erkältungswellen besonders anfällig ist, wird reichlich Vitamin C gebraucht. Es schützt vor Krankheiten, weil es die Abwehr stärkt. Vitamin C ist außerdem an zahlreichen anderen Kreisläufen in unserem Körper beteiligt, wirkt bei der Ausschüttung von Sexual-, Stress- und Wachstumshormonen mit. Es fördert die Konzentrationsfähigkeit, sorgt für gesunde Haut und gute Laune.
Ein erhöhter Bedarf an Vitamin C besteht vor allem bei kranken Menschen, die etwa an einer Infektion, an Diabetes Mellitus oder Krebs leiden. Aber auch Stress, Rauchen, starke körperliche Belastung und Alkohol senken den eigenen Nährstoffhaushalt. Wer tatsächlich unter Mangelerscheinungen leidet, die nicht allein durch die Nahrungsaufnahme beseitigt werden können, der kann zusätzlich medizinisch verordnete Vitaminpräparate zu sich nehmen.
Öko-Test hat in der Vergangenheit mehrere Vitamin-C-Präparate getestet, darunter Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel. Die Ergebnisse wurden zuletzt in der Januarausgabe 2008 des Verbrauchermagazins veröffentlicht. Der Untersuchung zufolge gab es an der Hälfte der Produkte nichts auszusetzen, der Rest schnitt meist mit der Note «befriedigend» ab.
Verbraucherschützer warnen jedoch davor, Vitaminpillen oder Bonbons pauschal zu schlucken, ohne dass tatsächlich ein ärztlich festgestellter Mangel vorliegt. Vor allem zur Winterzeit werben viele Mittel damit, Erkältungen und anderen Krankheiten vorzubeugen. Dafür gibt es jedoch keine wissenschaftlichen Belege, machen Verbraucherzentralen und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung deutlich.
Viele Produkte seien daher einfach nur überteuert und gar nicht notwendig, da die Nährstoffversorgung über die Nahrung in den meisten Fällen ausreichend ist. «Die Einnahme von Vitamin C im Hinblick auf Erkältungen bringt praktisch nichts. Auch Ascorbinsäure in Form von Retard- oder Depotkapseln, die das Vitamin über eine längere Zeit freisetzen, hat keine Vorteile. Es ist weder belegt, dass die Einnahme von Ascorbinsäure Erkältungskrankheiten vorbeugt, noch bei der Behandlung von Nutzen ist», schreibt Öko-Test.
Zu viel Vitamin C ist im Gegensatz zu anderen Vitaminen und Nährstoffen nicht schädlich. Überflüssige Ascorbinsäure scheidet der Körper über die Nieren wieder aus. Bei anfälligen Personen kann eine Überdosierung allerdings zu Durchfall führen und bei Veranlagung das Risiko von Nierensteinen erhöhen.