Sa., 26.05.12

Allensbach-Umfrage 26.11.2008 Schlechte Noten für die Gesundheitsversorgung

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Die Beziehung zwischen Arzt und Patient schwankt zwischen Vergötterung und Verärgerung. Bild: dpa

Immer weniger Patienten und Ärzte vertrauen dem Gesundheitssystem in Deutschland: 60 Prozent der Bevölkerung und 57 Prozent der Ärzte sind der Meinung, dass sich die Qualität der Gesundheitsversorgung verschlechtert hat.

Ärzte sind vor allem aufgrund des zunehmenden Kostendrucks pessimistisch, fast die Hälfte von ihnen bemängelt schon heute, sich nicht genügend Zeit für ihre Patienten nehmen zu können. Darüber hinaus wird der am 1. Januar 2009 in Kraft tretende Gesundheitsfonds kritisch beurteilt. Zu diesen Ergebnissen kommt eine heute in Berlin vorgestellte Umfrage. Sie wurde vom Institut für Demoskopie Allensbach mit Unterstützung der Bundesärztekammer erstellt.

Die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems beurteilten insgesamt 59 Prozent der Bevölkerung als «gut» oder «sehr gut». Das sind fünf Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr und sogar 23 weniger als 1994. Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe führte diese durchaus positive Einschätzung darauf zurück, dass «Menschen die Eigenschaft haben, sich an alles zu gewöhnen». Für ihn ist das Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit der Gesundheitspolitik schwer erschüttert.

Nach der Studie sehen Bürger und Ärzte skeptisch in die Zukunft: Nur 16 Prozent der Bevölkerung und wiederum 15 Prozent der Ärzte glaubten, dass es der Politik gelingen werde, auch längerfristig eine gute Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Dass es zunehmend zu einer Zwei-Klassen-Medizin komme, erwarteten 69 Prozent der Bürger und gar 87 Prozent der Ärzte, sagte Renate Köcher vom Allensbach-Institut.

Ein entscheidender Grund für die bangen Erwartungen der Ärzte seien deren wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Schon heute fühlten sich 56 Prozent stark oder sehr stark vom Kostendruck betroffen. Unter den niedergelassenen Ärzten sind es sogar 69 Prozent. Für diese sei es immer schwieriger, alle notwendigen medizinischen Maßnahmen zu verordnen, erklärte Köcher. Die Ärzte im Krankenhaus hätten hingegen das Problem, immer weniger Zeit für die Patienten zu haben.

Nur 26 Prozent der Bevölkerung wissen demnach, dass ab Januar mit dem Gesundheitsfonds ein einheitlicher Beitragssatz für alle Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen gilt. Mit Einführung des Gesundheitsfonds fürchten 61 Prozent der Ärzte einen zunehmenden Kostendruck.

Darüber hinaus sehen 42 Prozent der niedergelassenen Ärzte mit dem Gesundheitsfonds eine Verschlechterung der Gesundheitsversorgung auf die Patienten zukommen. Nur 13 Prozent der Bevölkerung glaubt, dass mit dem Gesundheitsfonds die medizinische Versorgung langfristig finanziell gesichert ist. Mehr als die Hälfte, 56 Prozent, erwartet das laut der Studie nicht.

Für die repräsentative Umfrage im Auftrag des Finanz- und Vermögensberaters MLP wurden rund 1800 Bürger und mehr als 500 Ärzte in der zweiten Septemberhälfte befragt. Laut Köcher war die Befragungsbereitschaft äußerst groß. Dies belege, dass das Thema Qualität der Gesundheitsversorgung die «Bevölkerung umtreibt».

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