In fünf EU-Ländern hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace Tafeltrauben auf Pestizide untersucht. In dem Vergleich schneiden die in Deutschland angebotenen Trauben am schlechtesten ab.
Tafeltrauben in Deutschland sind nach einem Greenpeace-Vergleich von fünf EU-Ländern am stärksten mit Pestiziden belastet. In 43 Prozent der hier getesteten Trauben seien die Werte so hoch, dass sie von Greenpeace als «nicht empfehlenswert» eingestuft werden. Das seien mehr als doppelt so viele wie etwa in Holland, berichtete der Chemieexperte der Organisation, Manfred Krautter, heute in Hamburg.
Der Industrieverband Agrar (IVA) in Frankfurt am Main bemängelte, Greenpeace lege bei der Bewertung eigene Maßstäbe an. In der weit überwiegenden Zahl der von Greenpeace gezogenen Proben würden die zulässigen Grenzwerte eingehalten, sagte IVA-Hauptgeschäftsführer Volker Koch-Achelpöhler.
Krautter dagegen warnte: «Die Deutschen bekommen das mieseste Obst auf den Teller. Die Pestizid-Belastungen sind teils so hoch, dass gerade bei Kindern Gesundheitsschäden möglich sind.» Häufig wurden nach Greenpeace-Angaben zum Beispiel das Insektengift Bifenthrin, das ins Hormonsystem eingreifen und die Fortpflanzung beeinträchtigen könne, oder das Pilzmittel Carbendazim gefunden, das das Erbgut schädigen könne.
Mit gründlichem Abwaschen könne das Problem nicht gelöst, aber zumindest etwas reduziert werden, sagte Krautter. «Man sollte Obst und Gemüse schon aus hygienischen Gründen abwaschen.» Da aber manche Pestizide von der Pflanze aufgenommen werden, sei Abwaschen keine Allheilmittel.
Die Rückstände in den in Deutschland verkauften Trauben hätten im Vergleich zum Test des Jahres 2007 sogar noch zugenommen. Greenpeace hat insgesamt 124 Proben aus Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Ungarn testen lassen. Die Trauben wurden Mitte Oktober eingekauft und auf mehr 300 Pestizidwirkstoffe untersucht.
Am besten schneidet nach Greenpeace-Angaben die Ware von Lidl Deutschland und zwei holländischen Supermarktketten ab. In acht Proben, das entspricht 6,5 Prozent der Ware, aus Märkten in Deutschland, Frankreich, Italien und den Niederlanden wurden zudem die EU-Pestizid-Grenzwerte erreicht oder überschritten. Zwei davon stammten aus Deutschland.
«Wo zulässige Höchstgehalte überschritten werden, müssen die Ursachen natürlich ermittelt und Abhilfe geschaffen werden», sagte IVA-Hauptgeschäftsführer Koch-Achelpöhler. Greenpeace nehme darüber hinaus jedoch für sich in Anspruch, «mehr für den Schutz der Verbraucher zu tun als die Behörden». Werde etwa der zulässige Höchstgehalt in einer Probe nur gerade erreicht und nicht überschritten, schlage die Organisation bereits Alarm. «Ihre Bewertung soll sicherer sein als sicher. Das ist ein Widerspruch in sich.»
Am höchsten belastet ist der Greenpeace-Untersuchung zufolge Ware aus der Türkei und Italien. Trauben aus Spanien, Frankreich und Griechenland schnitten besser ab. Das Labor habe 64 verschiedene Pestizide gefunden. «Das ist ein gefährlicher Chemiecocktail», sagte Krautter. 2005 und 2006 hatte Greenpeace bei etwa 50 Prozent der untersuchten Trauben zu hohe Pestizidwerte festgestellt. 2007 waren es nur 8 Prozent.
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