140 Menschen sterben täglich an Sepsis
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Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Artikel vom 24.11.2008Mit hohem Fieber, Verwirrtheit, beschleunigter Atmung und schnellem Herzschlag kündigen sich viele Krankheiten an. Aber bei der gefährlichen Sepsis zählt jede Stunde, in welcher der medizinische Kampf gegen die tödlichen Erreger beginnt.
Die Gliederschmerzen kamen ohne Vorwarnung. Maria Schröder (Name von der Redaktion geändert) war gerade vom Frühdienst im Krankenhaus nach Hause gekommen, als sie sich plötzlich unwohl fühlte. Eine Stunde später setzte Schüttelfrost ein, und innerhalb kürzester Zeit stiegt die Körpertemperatur der 35-Jährigen auf knapp 40 Grad Celsius. Übelkeit und Durchfälle wechselten einander ab.
«Am Abend hatte ich das Gefühl, jegliche Flüssigkeit aus meinem Körper verloren zu haben», schreibt sie auf der Homepage der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie des Universitätsklinikums Jena (www.kai.uniklinikum-jena.de). Maria Schröder wurde mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht, wo sich ihr Zustand verschlechterte. Die erste Diagnose: gastrointestinaler Infekt, die zweite: Lungenentzündung, die dritte: septischer Schock.
Für Professor Konrad Reinhart ist die Sepsis eine nahezu unbekannte Volkskrankheit. «Die Sterblichkeit steigt mit jeder Stunde ohne Antibiotika um sieben Prozent», sagt der Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Uniklinikum Jena. Die hohe Zahl der Todesfälle offenbart die großen Defizite bei Diagnose und Therapie. In Deutschland sterben jeden Tag 140 Menschen an Sepsis.
Die Sepsis wird durch Bakterien, Pilzen oder Parasiten ausgelöst und kann als Komplikation bei allen Infektionskrankheiten auftreten, wie beispielsweise bei einer Lungen- oder Mandelentzündung. Wenn es dem Körper nicht gelingt, diese Infektion auf den Ursprungsort zu begrenzen, lösen die Gifte der Krankheitserreger eine Entzündung in allen lebenswichtigen Organen des Körpers aus. Innerhalb weniger Stunden drohen diese dann zu versagen. In dieser Situation besteht trotz einer Antibiotikatherapie ohne sofortige intensivmedizinische Behandlung keine Überlebungschance.
Um der außer Kontrolle geratenen Infektion schneller und wirksamer Paroli bieten zu können, wird in Jena im nächsten Jahr ein weltweit einmaliges Zentrum zur Sepsisforschung seine Arbeit aufnehmen. «Wir brauchen völlig neue Diagnoseverfahren und Therapeutika für die Sepsis», sagt Reinhart, der auch Vorsitzender der Deutschen Sepsis-Gesellschaft ist. Bislang lief die Untersuchung der Erreger weitgehend getrennt von den Forschungen zur Abwehrreaktion des infizierten Menschen. «Wir bringen beides zusammen», sagt der Professor.
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