Zermürbende Gedanken Schluss mit Trübsal blasen

Es gibt Menschen, die lieben es, über alle möglichen Dinge nachzudenken. Sie sind nicht allein mit ihren Grübeleien. Denn Grübeln ist auf dem Vormarsch. News.de gibt Tipps, wie man den Prozess des ziellosen Nachdenkens stoppt.

Hans-Werner Rückert ist Grübel-Experte (Foto)
Hans-Werner Rückert ist Grübel-Experte - und grübelt gelegentlich auch gerne. Bild: news.de

«Der Grübler entfernt sich immer weiter von einer Lösung, je energischer er grübelt», sagt Ludwig Marcuse (1894-1971). Der Satz des Philosophen und Schriftstellers, übrigens ein großer Denker, gibt zu denken. Auch das, was Hans-Werner Rückert, Leiter der Psychologischen Beratung an der Freien Universität Berlin, sagt: «Wer länger als fünf Minuten ergebnislos ohne handlungsbezogene Lösung nachdenkt, grübelt.»

Rückert sagt auch, dass die Grübler immer mehr zunehmen, und zitiert eine Studie, der zufolge vor allem junge Menschen betroffen sind. Bei einigen artet das so sehr aus, dass sie wegen Depressionen in Behandlung sind. Eine Krankenkasse hat errechnet, dass die Zahl der Krankschreibungen bei 15- bis 19-Jährigen wegen seelischer Störungen von 1977 bis 2001 um 90 Prozent angestiegen ist. «Die Tendenz hält an», sagt Rückert.

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Wir Deutschen gelten schon lange als ein Volk der Grübler und Denker. «Die Deutschen sind tatenarm und gedankenvoll», schrieb der Lyriker Friedrich Hölderlin (1770-1843). Und Liedermacher Herbert Grönemeyer formulierte: «Wir grübeln leicht, wir tun uns schwer.» Doch zwischen Denken und Grübeln liegt ein großer Unterschied. Es ist wichtig, in Ruhe und gründlich über eine Sache nachzudenken und gegebenenfalls weitere Informationen zu sammeln. Auf diese Weise mindert wohl überlegtes Handeln das Risiko einer Fehlentscheidung, die fatale Folgen für einen selbst oder andere haben könnte.

Warum sich die Gedanken im Kreis drehen

Doch auch wenn Nachdenken helfen kann, Probleme zu lösen oder Dinge zu verbessern: Es gibt Grenzen. Die sind dann erreicht, wenn aus konstruktivem Denken zielloses Grübeln wird, das einen daran hindert, produktiv zu arbeiten – oder nachts zu schlafen. Der Prozess beginnt schleichend, und es gelingt nicht immer, ihn rechtzeitig zu stoppen.

Das hängt mit der Funktionsweise des Gehirns zusammen: Je länger man über eine Sache nachdenkt, desto mehr muss sich unser Geist anstrengen. Das Problem erscheint schließlich immer komplizierter, weil das Gehirn müde wird. Dadurch erhält man den Eindruck, dass sich die Gedanken im Kreis drehen und der Blick auf Lösungen versperrt ist.

«Frauen sind im Unterschied zu Männern anfälliger für das Grübeln», sagt Rückert. Das beruhigt ein wenig. Grübeln ist also biologisch erklärbar - und evolutionsgeschichtlich. Denn während die Männer in grauer Vorzeit auf die Jagd gingen, waren die Frauen mit der Aufzucht der Kinder, der Verarbeitung der Beute und der Regulierung sozialer Beziehungen beschäftigt. In Sachen Multitasking, also der Bewältigung unterschiedlicher Dinge zur gleichen Zeit, haben Frauen auch heute noch die Nase vorn. Und sie grübeln auch deutlich häufiger über die Mehrdeutigkeit sozialer Beziehungen.

Den Grübelthemen sind keine Grenzen gesetzt. Es lässt sich ausgiebig grübeln über das Verhalten des Partners, über ungerechte Behandlung am Arbeitsplatz, über anstehende Entscheidungen, über die eigene Leistung und darüber, wie andere über uns denken. Über die Zukunft und die Vergangenheit lässt sich ebenso gut nachsinnen wie über den Sinn des Lebens. Wobei es auch lohnen kann, sich Gedanken über den Sinn des Lebens zu machen. «Man muss nur zu einem Schluss kommen», sagt Rückert.

Eine Verhaltenstherapie kann helfen

Schlimm ist es, wenn Menschen über Dinge nachdenken, die nur in ihrer Fantasie stattfinden. «Zum Beispiel darüber, was passiert wäre, wenn der Stein, den sie auf der Straße entdecken, von einem Auto hoch geschleudert und einen Fußgänger getroffen hätte», sagt der Psychoanalytiker. Rückert und seine Kollegen sprechen in solchen Fällen von Grübelzwang. Menschen, die darunter leiden, spielen ständig alle möglichen Katastrophen durch, ohne jedoch zu Lösungen zu gelangen.

Helfen kann eine Verhaltenstherapie oder eine tiefenpsychologische Behandlung. «Ziel ist es, die Angst oder Sorgen auslösenden Faktoren aufzudecken», erklärt Rückert. Im nächsten Schritt lernen die Betroffenen, ihre Sorgen zu kontrollieren. Entspannungstraining und Maßnahmen zum Aufbau des Selbstvertrauens können die Symptome zusätzlich lindern. Auf jeden Fall sei Handeln besser als Trübsal zu blasen, sagt Rückert und rät daher auch zu körperlichen Aktivitäten wie Gartenarbeit, Spaziergängen und Sport.

Wer das Grübeln dennoch nicht lassen kann, sollte es auf bestimmte Tage und Orte verlegen. «Aber bloß nicht im Bett grübeln», warnt Rückert. «Besser ist, man setzt sich für eine halbe Stunde auf einen harten Küchenstuhl und denkt über sein Leben nach.»

nak/news.de

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Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • Dimmu
  • Kommentar 6
  • 02.01.2010 13:08

Eigentlich haben wir genug gegrübelt, es wird Zeit für Veränderungen. Die beste Therapie wäre, aktiv zu werden, laut die Meinung sagen, kämpfen !Dann verschwinden auch die Depressionen. Solang wir nur jammern, können die da oben mit uns machen was sie wollen. Andere Völker verstehen es besser, damit umzugehen.

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  • Longus
  • Kommentar 5
  • 13.11.2009 15:35

man kann auch noch andere Dinge blasen ausser Trübsal.

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  • Longus
  • Kommentar 4
  • 13.11.2009 15:33
Antwort auf Kommentar 3

Ähhh..HALLO ?? ...welcher Rentner bekommt 46000 € in 1-2 Monaten ? Du meintest wohl in 2 Jahren wenns viel ist. Aber egal...was jammerst du ? Hast du vielleicht letztes mal CDU, FDP oder SPD gewählt ? Die haben sich doch über die Jahrzehnte ihre Überversorgung selber genehmigt.

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