Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Die Uhren stehen auf Winterzeit, die Tage werden kürzer, und es regnet Bindfäden: Das triste Grau in Herbst und Winter schlägt vielen Menschen aufs Gemüt. Dabei gibt es ein einfaches Hausmittel dagegen: körperliche Bewegung unter freiem Himmel.
Rund 400.000 Menschen leiden Schätzungen zufolge jährlich unter Winterdepressionen. Sie fühlen sich unausgeglichen, grundlos traurig und kommen morgens kaum aus dem Bett. Dennoch ist der Seelenblues bei Nebel und Nieselregen laut Medizinern kein Grund, sich die Decke über den Kopf zu ziehen oder gleich zur Chemiekeule zu greifen.
«Im Herbst haben viele Menschen eine vorübergehende melancholische Stimmung. Das gehört zum Leben dazu und ist noch keine Depression im medizinischen Sinne», erklärt Professor Dr. Ulrich Hegerl vom Kompetenznetz Depression in Leipzig.
Hauptgrund für den November-Blues, wie die miese Stimmung genannt wird: Im Herbst und Winter gelangt weniger Sonnenlicht über die Augen in das Gehirn. Das vermindert die Produktion von Serotonin - ein Botenstoff, der für Zufriedenheit und Ausgeglichenheit sorgt und die körperliche Aktivität anregt. Zugleich produziert der Körper mehr müde machendes Melatonin und aufgrund des Lichtmangels weniger Vitamin D, das nicht nur ein Knochenstärker ist, sondern auch ein Depressionsschutz.
Erwischt einen der saisonale Blues, fühlen sich die Betroffenen nicht nur unausgeglichen und es fällt ihnen schwer, sich zu konzentrieren. Oft plagt die Winterdepressiven auch ein Heißhunger auf Süßes und fettige Speisen. Das Haus verlassen viele nur noch selten, sie vernachlässigen den Kontakt zu Freunden und Familie. Einer Forsa-Umfrage der Techniker Krankenkasse zufolge geben sechs von zehn Betroffenen an, dass sie bei trübem Wetter nur rausgehen, wenn es unbedingt sein muss.
Sport hebt die Laune
Dabei ist genau das falsch. Hegerl rät, schon am frühen Morgen vor die Tür zu gehen und sich dem Tageslicht auszusetzen: «Da reichen schon zehn Minuten, selbst bei bedecktem Himmel, und der Serotonin-Stoffwechsel wird angeregt.» Auch frühes Aufstehen hebt die Stimmung. «Bloß nicht zu lange schlafen», warnt Hegerl. Denn Langschläfer verbrauchen in der Schlafphase kurz vor dem Aufwachen viel Serotonin für die Traumaktivität. Frühaufsteher sind demnach psychisch sehr viel stabiler.
Ein Vitamin-D-Mangel kann laut Hegerl durch den Verzehr von Fisch und Zusatzpräparaten ausgeglichen werden. In Fisch stecken außerdem Omega-3-Fettsäuren, die ebenfalls die Befindlichkeit verbessern. Auch Sport hebt die Laune, stärkt das seelische Gleichgewicht und beugt Depressionen vor.
Bei manchen Menschen hält das Stimmungstief jedoch Wochen oder Monate an. Experten sprechen dann von Herbst- oder Winterdepressionen beziehungsweise von einer saisonal abhängigen Depression. Im Unterschied zum normalen Stimmungstief leiden Betroffene trotz totaler Erschöpfung an Schlaflosigkeit und haben keinen Appetit. Etwa neun Prozent der Deutschen sind betroffen - dreimal mehr Frauen als Männer.
Obwohl Ärzte bereits in der Antike einen Zusammenhang zwischen Licht und Gemütslage festgestellt und Licht als Therapie empfohlen haben, sind Winterdepressionen erst seit etwa 20 Jahren als Krankheitsbild anerkannt und werden erst seither wissenschaftlich erforscht. «Oft wird die Krankheit erst zehn Jahre nach dem ersten Auftreten als solche erkannt. Dies zeigt, dass auf Seite von Ärzten sowie Psychologen noch großer Aufklärungsbedarf besteht, zumal Winterdepressionen sehr gut behandelbar sind», sagt Hegerl.
«Blues ist auch etwas Schönes»
Gegen die Herbst- und Winterdepression hilft eine Lichttherapie mit speziellen Tageslichtlampen, die in ihrer spektralen Zusammensetzung dem natürlichen Sonnenlicht zumindest zum Teil entsprechen. Lichtstärken von 2500 Lux sollten die Geräte dabei mindestens haben. Eine tägliche Lichtdusche von 30 Minuten, möglichst am Morgen, ist optimal. Wichtig ist auch, dass das Licht der Geräte die Netzhaut des Auges erreicht, damit der Impuls zur Steigerung der Serotoninproduktion tatsächlich an das Gehirn weitergeleitet wird.
Meist reagieren die Betroffenen schon innerhalb von zwei bis vier Tagen auf die Therapie, und die Beschwerden verbessern sich innerhalb von ein bis zwei Wochen. Patienten ohne vermehrtes Schlafbedürfnis und Heißhunger (insbesondere auf Kohlehydrate) sprechen seltener auf die Lichttherapie an, können aber alternativ mit Psychotherapie wie auch medikamentös behandelt werden.
Für Hegerl hat die melancholische Stimmung auch etwas Reizvolles. «Blues ist ja auch etwas Schönes. Dann ist man mehr nach innen gekehrt. Das kann einen Ausgleich bieten zum extrovertierten Sommer», sagt der Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie der Universität Leipzig.
Das Gute am Blues ist zudem: Schon Anfang des Jahres, wenn es allmählich wieder heller wird und die Sonne wieder häufiger scheint, löst sich das Problem meist von alleine.
iwe/news.de/ap
Der Artikel war interessant .Hatte in diesem Jahr auch zu kämpfen , aber es ging dann .Die Malerei hilft dabei und auch meine Blumen , die ich hoch ziehe und zum blühen bringe .
jetzt antwortenKommentar meldenSehr schön geschriebener Artikel, der gut verständlich die wichtigsten Eckpunkte umreisst!
jetzt antwortenKommentar meldenDer hilfreiche Artikel enthält eine etwas missverständliche Behauptung:Ein Vitamin-D-Mangel kann durch den Verzehr von Fisch und Zusatzpräparaten ausgeglichen werden..." Im sogenannten "Vitamin D-Winter" von Oktober bis März ist es praktisch unmöglich, mit Fischkonsum einen Mangel auszugleichen. Nahrungsergänzung ist eine Möglichkeit, aber nicht die optimale. Gefährliche Überdosierung und die Verwendung des weit weniger effektiven Vitamin D2 schränken die Nützlichkeit deutlich ein. Die "natürlichste" Form der Vitamin D-Versorgung in dieser Zeit ist das (zertifizierte!) Sonnenstudio.
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