Schüchterne Menschen fühlen sich in sozialen Situationen häufig unwohl und verunsichert. Der Kölner Psychologe Martin Schuster hat ein paar Tipps zusammengestellt, mit denen Betroffene ihrer Schüchternheit ein Schnippchen schlagen können.
Machen Sie sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild von ihrer Schüchternheit. Malen Sie auf größeres Papier, wie Ihre Schüchternheit aussieht: zum Beispiel eine eiserne Klammer, die einen lähmt, oder das Abseits-Stehen von einer Gruppe Menschen. In einem zweiten Schritt überlegen Sie sich, wie sich das Bild verwandeln müsste, wenn alles gut wäre. Dieses zweite, «Alles-Gute-Bild» könnte die Klammer zeigen, die abfällt und am Boden liegt, oder Sie selbst, wie Sie fröhlich mit Menschen im Kreis tanzen.
Benehmen Sie sich probehalber einmal nicht schüchtern: Stellen Sie sich stolz und gerade vor einen Spiegel, üben Sie zu Hause, ein lautes Radiogerät zu übertönen, schauen Sie Ihrem Gesprächspartner in die Augen.
Kommen Sie früher zu Terminen. Schon allein die Ortskenntnis kann Sicherheit erzeugen. Vor allem an Orten, an denen Sie etwas Schwieriges leisten sollen: einen Vortrag halten oder eine Prüfung ablegen. Sie könnten das Revier als das Ihre markieren, indem Sie zum Beispiel einen Kaugummi unter die Tischplatte kleben (den Sie bitte später wieder entfernen) oder heimlich auf den Boden spucken. Auch dies trägt dazu bei, dass Sie sich sicherer fühlen.
Wenn Sie vor einer Aufgabe stehen, die Ihnen schwierig vorkommt, zum Beispiel eine Verabredung, sollten Sie sich vorstellen, wie alles optimal verläuft. Dabei gehen Sie detailliert durch alle Phasen der Verabredung: von der Begrüßung bis zum Abschied. Für den Fall, dass das Gespräch ins Stocken kommt, könnten Sie ein Thema einbringen, dass Sie sich für solche Momente bereitgelegt haben.
Verwandeln Sie Ihren inneren Kritiker zu einem wohlwollenden Freund und loben Sie sich selbst. Auch Autosuggestionen können hilfreich sein. Damit sind Sätze gemeint, die man innerlich immer wieder zu sich spricht und die einen Zustand befehlen, den man erreichen möchte. Einige Beispiele: «Ich spreche laut und deutlich», «Ich schaue den Gesprächspartnern ins Auge», «Ich bin stark und geschickt», «Andere Menschen mögen mich» oder «Ich bin überrascht, wie leicht mir eine Antwort einfällt».
Treiben Sie Sport: Wer ab und zu schwimmt oder dauerläuft, bewegt sich in der Welt, erlebt etwas und wird auch im sozialen Umfeld fit und beweglich.
Denken Sie daran, dass jeder Mensch peinliche Situationen, Häme und Beschimpfungen erlebt, und lassen Sie Blamagen an sich abtropfen. Nach dem Abtropfen liegt die Blamage am Boden, ist nur noch eine kleine Pfütze, die bald verdunstet ist.
Eignen Sie sich nützliche Geschicklichkeiten an, mit denen Sie in Gesellschaft glänzen können. Das vermittelt Sicherheit. Lernen Sie zum Beispiel tanzen, Zauberkunststücke oder ein Instrument. Oder, wenn Sie gut zeichnen können, machen Sie anderen mit Porträtzeichnungen eine Freude.
Nutzen Sie die fünf Rettungsringe der Kommunikation, mit denen ein Gespräch trotz starker innerer Hemmungen gelingen kann:
1) Fragen stellen: Als Schüchterner ist es am sichersten, Fragen zu stellen, die den Gesprächspartner in einem guten Licht dastehen lassen wie zum Beispiel «Wie war das Essen im Urlaub?».
2) Aktiv zuhören: Dabei konzentriert man sich auf das, was der Gesprächspartner sagt, und gibt es mit eigenen Worten wieder. Dazu verwendet man am besten folgende Einstiege: «Du denkst also, dass ...», «Da hast Du das Gefühl, dass ...» oder «Da stellst Du Dir die Frage, ob ...».
3) Komplimente machen, denn sie wirken sich günstig auf die Entstehung und den Erhalt sozialer Beziehungen aus: Wenn man erfährt, dass der Gesprächspartner einen guten Vortrag gehalten hat, er ein engagierter Motorradbastler oder Briefmarkensammler ist, kann man ihn auf diese Leistungen ansprechen und dafür bewundern.
4) Standardfloskeln verwenden: Wenn der Nachbar einen beim Autowaschen beobachtet und sagt «Gleich kannst Du bei mir weiter putzen», ruft man zurück: «Das würde Dir gefallen» oder «Für Dich mache ich das natürlich gerne».
5) Eigene Meinungen als Ich-Botschaften formulieren: Statt «Alle Kreter lügen» sagt man bessern «Ich meine, alle Kreter lügen». Denn wer seine Meinung als unumstößliche Wahrheit formuliert, kann auf Widerstand oder gar auf Aggressivität stoßen.
Lesetipp: Martin Schuster: Schüchternheit kreativ bewältigen. Hogrefe Verlag Göttingen, 165 Seiten, 16,95 Euro, 2005.
Ein vorzüglicher Rat, sein eigener Freund und vor allem, wie in der Ich-kann-Schule üblich, der beste Freund aller seiner Talente zu werden! Man muss einmal in sich hineinfühlen, wie sich das anfühlt mit ein paar tausend Freunden in sich durch die Stadt zu spazieren! Autosuggestion bedeutet in dem Falle nichts als Geist und Seele genauso wie den Körper regelmäßig zu stärken und zu pflegen. Fühle mal, wie das ist, wenn Deine Talente ausstrahlen, dass sie Dich mögen! Ich grüße freundlich. Franz Josef Neffe
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