«Ich bin schüchtern – na und?»
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Lange konnte sich Julian Kurzidim nicht erklären, warum er so gehemmt ist. Erst eine Gesprächstherapie half ihm, mit seinen Kontaktängsten umzugehen. Er hat viel gelesen über Schüchternheit. Zum Beispiel, dass sie in einer strengen und sehr behütenden Erziehung begründet sein kann und dass die Gene ebenfalls eine Rolle spielen können. Darüber, was bei ihm Auslöser gewesen sein könnte, möchte er nicht sprechen. Lieber erzählt er, dass er vor sechs Jahren in seiner Heimatstadt Braunschweig eine Selbsthilfegruppe und einen Verein für Schüchterne gegründet hat.
«Irgendwann habe ich erkannt, dass es eine Menge Menschen gibt, die genauso sind wie ich», sagt er. Das sei eine starke Motivation gewesen. Zum ersten Gruppentreffen kamen 25 Leute; inzwischen gibt es ein Dutzend Selbsthilfegruppen mit ungefähr 100 Mitgliedern in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Bei ihnen fühlt sich Julian Kurzidim gleichberechtigt, vor ihnen traut er sich, kleine Vorträge zu halten. Die Schüchternen helfen sich gegenseitig, unternehmen Ausflüge, gehen ins Kino oder treffen sich zum gemeinsamen Kochabend. Sie können sich auf der von Julian Kurzidim gestalteten Homepage www.schuechterne.org Rat holen und sich austauschen.
Durch die Arbeit in der Selbsthilfegruppe und im Verein ist der Braunschweiger selbstbewusster geworden. «Ich habe gelernt mich so zu akzeptieren, wie ich bin», sagt er und ergänzt: «Ich bin schüchtern – na und?» Außerhalb des Vereins ist es aber nach wie vor nicht leicht für Julian, Leute kennen zu lernen. «Ich kann meine Qualitäten erst dann zeigen, wenn andere mir Zeit geben, mich zu öffnen», erklärt er. Sein größter Wunsch ist, «dass sich die Schüchternen eines Tages zusammenschließen, eine deutschlandweite Bewegung bilden und in jeder Stadt eine Gruppe für Schüchterne gründen». Sein persönliches Ziel ist ein fester Job: am besten als Bundesschüchternenbeauftragter.
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