Sa., 26.05.12

Impfungen 28.10.2008 Die Sache mit dem Pieks

DEU Gesundheit Grippe Impfung (Foto)
Eine Impfung schleust Erreger in den Körper. Bild: ap

Von news.de-Redakteurin Nadine Faßhauer

Erst infizieren, dann geschützt sein – das klingt paradox, aber so funktioniert eine Impfung. In Deutschland besteht keine Impfpflicht; jeder kann selbst entscheiden, ob er sich oder sein Kind impfen lässt.

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Das stärkste Argument gegen eine Schutzimpfungen ist, dass durch die Impfung gesundheitliche Schäden ausgelöst werden können. Bleibende Impfschäden treten zwar äußerst selten auf, doch es gibt sie. Manche Kinderkrankheiten gelten praktisch als ausgestorben - da erscheint selbst das kleinste Impfrisiko zu groß.

Befürworter behaupten dagegen, dass die Folgen der Kinderkrankheiten gefährlicher sind als die Nebenwirkungen der Impfungen. Zudem argumentieren sie, dass einige als fast ausgerottet geltende Krankheiten wieder zurückkehren werden, wenn ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung nicht geimpft ist. Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut beurteilt einige Impfungen deshalb als unabdingbar: «Jeder Erwachsene sollte alle zehn Jahre gegen Tetanus und Diphterie geimpft werden. Wer über 60 oder chronisch krank ist, sollte auch gegen Influenza und Pneumokokken geimpft sein.»

Mit einer Impfung wird der Körper gewissermaßen ausgetrickst. Alles beginnt beim Immunsystem. Damit kann sich der Körper gegen unerwünschte Eindringlinge wie Viren oder Bakterien wehren. Die körpereigene Abwehr ist in der Lage, Krankheitserreger zu erkennen und Abwehrmaßnahmen gegen sie zu ergreifen. Dabei werden sogenannte Antikörper gebildet, die jeweils gegen einen bestimmten Erreger gerichtet sind. Nachdem sie die Krankheitserreger erfolgreich bekämpft haben, bleiben einige Antikörper im Blut, und eine Art körpereigenes Abwehrgedächtnis wird gebildet.

Gelangt der Erreger nochmals in den Körper, erinnert sich das Immunsystem und produziert die passenden Antikörper. Die Erreger werden unschädlich gemacht, bevor die Krankheit ausbrechen kann. Susanne Glasmacher erklärt die Impfung: «Der Impfstoff enthält abgeschwächte oder abgetötete Krankheitserreger. Der Körper trainiert damit sein Immunsystem, so dass es gut vorbereitet ist und schneller reagieren kann, wenn es eine Infektion mit dem echten Erreger gibt.»

Die Impfkommission am Robert-Koch-Institut rät jährlich, welche Impfungen von hohem Wert für den Gesundheitsschutz sind. Allerdings gilt eine Empfehlung nicht für mehrere Jahre, sie ändert sich ab und an, wie Susanne Glasmacher erläutert. «Es gibt von Zeit zu Zeit neue Impfstoffe, die eine Impfempfehlung erst möglich machen. Außerdem wird nach der Einführung eines Impfstoffes in den meisten Ländern durch die Erfassung der Erkrankungshäufigkeit überprüft, ob der erwartete Rückgang der Erkrankungen tatsächlich erfolgt.» Durch neue Daten könne eine veränderte Sachlage entstehen, die dann eine Änderung der Impfempfehlung notwendig machen.

Seite 2: Impfempfehlungen gegen Tetanus, Diphterie und Keuchhusten

Tetanuserreger kommen überall in der Erde und im Schmutz vor. Bei Verletzungen können sie in den Körper eindringen und zu heftigen Muskelkrämpfen am ganzen Körper führen. Auch die Atemmuskulatur ist betroffen, so dass es zum Ersticken kommen kann. Die Infektion verläuft fast immer tödlich.

Diphtherie ist besonders in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion verbreitet und kann leicht über Niesen und Husten (Tröpfcheninfektion) übertragen werden. Durch Schwellungen im Rachen können lebensgefährliche Erstickungsanfälle ausgelöst werden. Außerdem drohen Kreislaufversagen und dauerhafte Herzmuskelschäden.

Auch Keuchhusten wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Heftige Hustenanfälle können besonders bei Säuglingen zum Erstickungstod führen. Darum sollten sich besonders Menschen mit Kontakt zu kleinen Kindern impfen lassen.

Empfehlung: Der Grundimpfschutz gegen alle drei Krankheiten erfolgt im Kindesalter. Erwachsene sollten die Impfung gegen Tetanus und Diphtherie alle zehn Jahre auffrischen lassen.

Seite 3: Masern, Mumps, Röteln, Windpocken

Diese Erkrankungen sind sehr ansteckend und werden beim Husten, Niesen oder sogar beim Sprechen übertragen:

Masern verursachen in Deutschland immer noch Epidemien. Die Erkrankten sind durch krampfartigen Husten und hohes Fieber sehr beeinträchtigt. Es kommt auch relativ häufig zu Komplikationen, die einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machen, oder sogar zu bleibenden Schäden (Lungen- oder Hirnentzündung). Auch Todesfälle kommen immer wieder vor.

Mumps (Ziegenpeter) führt zu schmerzhaften Schwellungen hinter den Ohren. Hirn-, Hirnhaut- und Bauchspeicheldrüsenentzündungen können folgen. Mumps ist ein häufiger Grund für Taubheit oder Schwerhörigkeit bei Kindern. Zurückbleiben kann auch Unfruchtbarkeit durch Entzündung der Hoden.

Röteln verursachen zwar meistens nur grippeähnliche Beschwerden bei den Erkrankten, gefährlich sind sie jedoch für schwangere Frauen. Die Infektion wird zu 60 Prozent auf das ungeborene Kind übertragen. Die Folgen können eine Fehlgeburt oder schwere bleibende Missbildungen sein.

Windpocken verursachen juckenden Hautausschlag und Fieber. Die Viren bleiben im Körper und können später immer wieder zu schmerzhaften Gürtelrosen führen. Insbesondere bei immungeschwächten Personen können Windpocken Auslöser für eine Lungenentzündung oder andere schwere Infektionen sein. Gefährlich sind sie auch für ungeschützte Neugeborene.

Empfehlung: Die Impfung gegen alle vier Krankheiten wird im Kindesalter empfohlen. Erwachsene, die keinen Impfschutz haben, sollten diese Impfung nachholen, wenn sie in der Kinderbetreuung arbeiten. Gleiches gilt für Frauen, die schwanger werden möchten.

Seite 4: Hephatitis B, Influenza und Haemophilus influenzae b

Hepatitis B wird durch Geschlechtsverkehr sowie über Blutkontakte und Bluttransfusionen übertragen. Die ersten Krankheitszeichen sind Übelkeit, Erbrechen und Fieber. In einigen Fällen kommt es zu Gelbsucht mit einer ansteckenden Leberentzündung. Bei manchen Menschen wird Hepatitis B chronisch. Das heißt: Die Viren bleiben im Körper, die Leberentzündung kann sich verschlimmern und sogar zu Leberkrebs führen.

Empfehlung: Die Impfung wird im Kindes- und Jugendalter empfohlen. Auch Erwachsene sollten sich impfen lassen, insbesondere wenn sie in medizinischen Berufen arbeiten.

Die Virusgrippe (Influenza) ist eine Tröpfcheninfektion, mit der sich jährlich viele Menschen anstecken. Die Patienten fühlen sich schwer krank und haben meist über mehrere Tage hohes Fieber und Gelenkschmerzen. Häufig entstehen Komplikationen wie Lungenentzündung oder Herzschädigungen.

Empfehlung: Die jährliche Impfung wird besonders allen Menschen, die mit vielen Personen in Kontakt kommen oder in medizinischen Berufen arbeiten, aber auch Personen über 60 Jahre oder mit Grunderkrankungen empfohlen.

Haemophilus influenzae b (Hib) ist für Kinder in den ersten fünf Lebensjahren gefährlich und wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Die Kinder leiden an einer schweren Entzündung der oberen Atemwege, die zu Lungenentzündung oder zu einer Entzündung des Kehldeckels mit der Gefahr des Erstickens führen kann. Auch eine Hirnhautentzündung ist möglich.

Empfehlung: Die Impfung wird für Kinder empfohlen.

Seite 5: Empfohlene Impfungen für Kinder

Kinderlähmung (Poliomyelitis) kann auch Erwachsene gefährden. Das Virus befällt die Nervenzellen des Rückenmarks und kann zu Lähmungen führen. Durch jahrelange Impfkampagnen konnte die Krankheit in Deutschland ausgerottet werden. In anderen Teilen der Welt kommt Poliomyelitis jedoch noch vor, daher wird diese Impfung weiterhin empfohlen.

Empfehlung: Die Impfung wird für Kinder empfohlen.

Die Meningokokken werden beim Husten oder Niesen übertragen und können zu einer gefährlichen Hirnhautentzündung führen, die bleibende Schäden hinterlassen oder sogar tödlich verlaufen kann.

Empfehlung: In Deutschland wird zur Impfung von Kindern und Jugendlichen gegen Meningokokken C geraten.

Auch Pneumokokken werden durch Tröpfcheninfektion übertragen. Diese Erkrankung geht mit einem schweren Krankheitsgefühl einher. Besonders gefährlich sind Komplikationen wie Lungen- oder Hirnhautentzündung.

Empfehlung: Diese Impfung ist für Kinder und Jugendliche sinnvoll. Ebenso sollten sich Erwachsene impfen lassen, die über 60 Jahre alt sind oder unter anderen Krankheiten wie Herz-, Lungen-, Leber-, Nierenerkrankungen oder schweren Immundefekten leiden.

Seite 6: Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs

Die humanen Papillomaviren gelten als Hauptauslöser für Gebärmutterhalskrebs. Etwa 70 Prozent der Frauen kommen im Laufe ihres Lebens mit diesen Erregern in Kontakt. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich über Geschlechtsverkehr. In den meisten Fällen bleibt die Infektion unauffällig, doch manchmal schafft es das Virus, die Zellen nachhaltig zu verändern und – oft erst Jahrzehnte später – Gebärmutterhalskrebs auszulösen.

Empfehlung: Seit März 2007 wird die Impfung gegen Papillomaviren für Mädchen von 12 bis 17 Jahren empfohlen. Sie schützt gegen die Papillomavirus-Typen, die für rund 70 Prozent der Gebärmutterhalskrebs-Fälle verantwortlich sind. Zusätzlich sollten auch weiterhin die Früherkennungsuntersuchungen wahrgenommen werden.

(Quelle: Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen)

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