Mobbing unter Kindern

Psychoterror im Klassenzimmer

Mobbing ist nicht nur unter Erwachsenen verbreitet. Auch für Kinder gehören Hänseleien und Streitereien im Klassenzimmer zum Alltag. Ein Rostocker Forschungsteam widmet sich nun diesem Problem.

So sehr sich Leon auch anstrengt, den dicken Ast bekommt der Sechsjährige einfach nicht in das Baumhaus gehoben. «Du bist ja ein Schlappschwanz, lass mich mal ran», stößt ihn ein größerer Junge beiseite, spuckt sich lässig in die Hände und wuchtet den Stamm zu den «Bauarbeitern» in die Astgabel. Dass er dabei auch mächtig schnauft, kriegt Leon bereits nicht mehr mit. Gekränkt und mit Tränen in den Augen rennt er weg. «Eine schwierige Situation», sagt die 41-jährige Erzieherin Kristina Ehrentraut, die den Wortwechsel auf einem Spielplatz am Rostocker Schwanenteich beobachtet hat. «So einen verbalen Knuff müssen die Kinder zwar schon abkönnen, aber das Hänseln darf auch nicht wehtun.»

Wann ist Hänseln erlaubtω Trifft es immer dieselbenω Und: Wie kann man damit umgehenω Diese Fragen versucht die Rostocker Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Sabine Koepsell gegenwärtig in einer Studie zu beantworten. Dabei helfen ihr 200 Rostocker Grundschüler. «Wir wollen Strategien entwickeln, die Kindern helfen, solche Erfahrungen zu bewältigen. Das ist auch für Eltern wichtig, die ihre Kinder dabei oft viel besser unterstützen können, als sie denken.»

Seit Schulstart im September befragt die 33-Jährige Kinder, die gerade eingeschult wurden. «Wir wollen Hänseleien untersuchen, die weniger mit schulischen Leistungen, sondern eher mit Aussehen, Fähigkeiten und Eigenschaften zusammenhängen», sagt Koepsell. Solche Erfahrungen habe schlichtweg jeder gemacht. Einer war vielleicht die «Bohnenstange» und hat eine Weile gebraucht, um den Spitznamen loszuwerden. Ebenso gehe es sicher der «dicken Tilla», der «Brillenschlange» oder der «Glatze».

Das seien aber nicht immer die Opfer von Hänseleien, sondern oft auch «Täter». Denn jeder der hänsele, sei auch schon selbst gehänselt worden. Es sei häufig Kraftmeierei, wenn man jemanden beleidige. Und die Auswirkungen könnten verheerend sein. Die Rostocker Kinderärztin Helga Julius bestätigt, dass gehänselte Kinder oft mit Bauch- oder Kopfschmerzen, mit Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit in ihre Praxis kommen. «Nicht immer, aber oft sind Ängste vor Mitschülern der Grund», sagt die Ärztin. Die Schmerzen seien eine Art Ventil, wenn es im Miteinander mit Freunden, Schul- oder Spielkameraden nicht funktioniere.

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