Depressions-Risiko Schlankheitsmittel vom Markt genommen

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Sanofi-Aventis ist der drittgrößte Pharmakonzern. Bild: dpa

Rückschlag für Sanofi-Aventis: Der Pharmakonzern muss sein Schlankheitsmittel Acomplia vom Markt nehmen. Es kann Depressionen auslösen.

Diese Tatsache war den zuständigen Behörden allerdings schon lange bekannt, laut Ulrich Hagemann vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn schon seit der Zulassung in der EU 2006. In den USA sei dem Mittel 2007 wegen der drohenden Auswirkungen auf die Psyche keine Zulassung erteilt worden. Heute schließlich hat der Pharmakonzern Sanofi-Aventis Acomplia europaweit vom Markt genommen - nachdem die europäische Zulassungsbehörde EMEA diesen Schritt empfohlen hatte.

Seit der Markteinführung in den EU-Ländern habe es eine ansteigende Zahl ärztlicher Berichte über Nebenwirkungen gegeben, allein in Deutschland insgesamt 250. Neben Herz-Kreislauf-Problemen, Hautreaktionen und Übelkeit sei im Zusammenhang mit Acomplia auch immer wieder von Depressionen berichtet worden, erklärte Hagemann. Zudem habe es in Deutschland vier Suizidversuche gegeben, die mit Acomplia in Verbindung gebracht werden. Bei einem vollzogenen Suizid sei der Zusammenhang nicht gesichert, da der Fall schlecht dokumentiert gewesen sei. Derzeit sei das Mittel noch in Israel und lateinamerikanischen Ländern erhältlich.

Acomplia basiere auf dem Wirkstoff Rimonabant, der im Gehirn Hungergefühle unterdrückt. «Das ist ein Mittel mit einem ganz neuen Wirkprinzip», sagte Hagemann. Eine begleitende Ernährungsumstellung sei aber dennoch unerlässlich. Wie alle derartigen Medikamente sei Acomplia in Deutschland verschreibungspflichtig gewesen. Nur Patienten mit stark erhöhtem Gewicht und weiteren Risikofaktoren wie hohen Blutfettwerten oder Diabetes hätten das Mittel erhalten.

Starke Nebenwirkungen seien ein generelles Problem vieler Appetit zügelnder Wirkstoffe. So sei auch der Wirkstoff Sibutramin - in Europa unter dem Markennamen Reductil erhältlich - umstritten. Er könne zu Herz-Kreislauf-Beschwerden bis hin zum Herzinfarkt führen.

Das Unternehmen teilte indes mit, eine Reihe von Tests mit dem Mittel fortzusetzen. «Die Risiken überwiegen die Vorteile», sagte ein Sprecher des in Paris ansässigen Unternehmens heute. Vorerst dürfe das Mittel nicht mehr verschrieben oder in Apotheken ausgegeben werden. «Acomplia kann Depressionen auslösen, vor allem, wenn Patienten bereits früher an Depressionen litten», sagte der Sprecher. Bislang wurden weltweit etwa 700.000 Übergewichtige mit Acomplia behandelt.

«Patienten, die gegenwärtig Acomplia einnehmen, sollten ihren behandelnden Arzt um Rat fragen, ob und wie eine Behandlung fortgeführt werden soll. Es ist aber nicht notwendig, das Arzneimittel sofort abzusetzen», sagte die Apothekerin Petra Zagermann-Muncke von der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK). Die Kommission informiere alle Apotheker über die EMEA-Empfehlung.

car

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