Die Grippe ist in Deutschland angekommen. Nach dem ersten gemeldeten Grippefall in diesem Herbst rät das Berliner Robert Koch-Institut vor allem älteren Menschen und medizinischem Personal zu einer baldigen Grippeschutz-Impfung.
«Der Oktober und November sind gute Monate, um sich noch impfen zu lassen», sagte Günther Dettweiler, Sprecher des Robert Koch-Instituts in Berlin. Impfstoff sei mit 24 Millionen freigegebenen Dosen ausreichend vorhanden. Im Dezember und Januar sei die Grippewelle mit Sicherheit im Land.
Die erste Grippemeldung dieses Herbstes kam aus Baden-Württemberg. Es handele sich dabei bisher aber um einen Einzelfall, sagte Dettweiler. «Im Moment gibt es in ganz Deutschland noch keine Grippe-Aktivität.» In der Regel dauert es 14 Tage, bis nach einer Impfung der Grippeschutz vollständig aufgebaut ist. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt den Impfschutz insbesondere älteren Menschen, weil ihr Immunsystem die Erreger nicht mehr so gut abwehren kann. Amerikanischen Untersuchungen zufolge stammen 90 Prozent aller grippebedingten Sterbefälle aus dieser Bevölkerungsschicht.
Auch Erwachsenen mit chronischen Grunderkrankungen wird die Impfung empfohlen. Ebenso Ärzte, Kranken- und Altenpfleger, um die Viren nicht weiterzutragen. Die Impfung empfiehlt sich auch für Erwachsene, die im Beruf mit vielen Menschen zu tun haben. Die Kosten werden für Personengruppen, für die eine Impfung empfohlen ist, nach RKI-Angaben von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Dabei sind in diesem Jahr alle drei im Impfstoff enthaltenen Virusstämme neu. Das erklärte Impfexperte Christian Schönfeld vom Berliner Institut für Tropenmedizin. Denn die Weltgesundheitsorganisation, die jedes Jahr im Frühling bekannt gibt, welche Grippestämme voraussichtlich in der folgenden Grippesaison zirkulieren werden, hat erstmals seit über 20 Jahren drei neue Stämme empfohlen. Es zirkulieren somit neue Virenstämme, die für das Immunsystem noch völlig unbekannt sind. Damit ist keine Teilimmunität aus vorangegangenen Impfungen vorhanden, wie das in anderen Jahren war, in denen nur ein oder zwei Virenstämme ausgetauscht wurden. «Es ist diesmal besonders wichtig, das Immunsystem auf diese neuen Viren vorzubereiten», betonte Schönfeld.
Die vergangene Grippesaison sei im Vergleich zu den Grippejahren 2003/04 und 2004/05 schwach gewesen, sagte Dettweiler. Voraussagen über den kommenden Winter ließen sich noch nicht treffen. Das hänge ab von Faktoren wie Witterung, Immunstatus der Bevölkerung und welche der drei Untertypen des Virus vorherrschten, erläuterte er. Eine starke Grippesaison kann in Deutschland mehrere tausend Todesfälle verursachen.
Während bei üblichen Influenzawellen in Deutschland etwa 10.000 bis 20.000 Menschen in ein Krankenhaus eingewiesen werden, waren es 2004/05 rund 22.000 bis 32.000. Die im Durchschnitt geschätzte Zahl von Todesfällen, die mit dem Virus in Zusammenhang stehen, beträgt 15.000 bis 20.000.
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